Horrende Studiengebühren Billig-Uni für Frühaufsteher

Wer extrafrüh kommt, spart sich was: Im englischen Coventry gibt es bald einen Half Price Degree, einen Abschluss also, für den nur die Hälfte der jährlich 9000 Pfund Studiengebühren anfallen. Voraussetzung: Um 7 Uhr mit dem Lernen starten, bis in die Nacht durchhalten - und die Mensa ist tabu.
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Billig-Studium in Coventry: Der frühe Vogel...

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Wer in Großbritannien studieren will, muss ab 2012 tief in die Tasche greifen: Bis zu 9000 Pfund Studiengebühren, umgerechnet etwa 10.500 Euro im Jahr, müssen Hochschüler bezahlen, fast dreimal so viel wie vorher. Die Regierung hatte die Zuwendungen für die Unis im vergangenen Winter um 40 Prozent gekürzt; Studiengebühren sollen die Lücken nun stopfen.

Das Angebot des Coventry University College kommt da für viele Studierwillige wie gerufen: Die Hochschule bietet ab dem kommenden Jahr einen sogenannten Half Price Degree an - Studieren zum halben Preis. Wer sich darauf einlässt, kann für maximal 4800 Pfund jährlich beispielsweise einen Abschluss in Recht, Wirtschaftswissenschaften oder IT bekommen, muss sich allerdings mit ziemlich speziellen Arbeitsbedingungen arrangieren.

Die Vorlesungen beginnen morgens um 7 Uhr, und abends hocken die Discount-Studenten bis 22 Uhr im Hörsaal. Auch am Wochenende wird gepaukt, und lange Sommerferien gibt es nicht. Rektor Ian Dunn spricht von einer "optimalen Auslastung" von Räumen und Personal.

Vom sozialen Leben am College sind die Spar-Studenten weitgehend ausgeschlossen: Sie dürfen weder die Mensa besuchen noch zum Hochschulsport gehen oder Bücher in der Bibliothek ausleihen. Das sei nötig, um den niedrigen Preis zu rechtfertigen, sagt Dunn. Das Studium sei auf das Wesentliche reduziert: "Lernen."

Das Billig-Studienangebot in Coventry passt ideal ins frostig-britische Bildungsklima des Jahres 2012. Die brachialen Budgetkürzungen der liberal-konservativen Regierung haben erreicht, dass bald so wenig staatliches Geld in die Hochschulbudgets fließt, wie zuletzt im ausgehenden 19. Jahrhundert . Ändert sich nichts, werden 2015 nur noch 15 Prozent der Einkünfte der Unis vom Staat kommen, errechnete die University and College Union - ein Hundertjahrestief, mahnt die Gewerkschaft der Hochschuldozenten.

olb/cht
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