Hütten und Paläste Adieu, Wohnheim-Tristesse

Ein Zimmer im Studentenwohnheim ist billig. Und meist auch klein, spartanisch, eins wie das andere. Gerade die Schlichtheit aber macht die Räume zur idealen Bühne für das eigene Ich. Fünf Studenten aus Bochum zeigen ihre Möbel und Fotos, ihre Tiere, ihre Accessoires - und sich selbst.

Von Almut Steinecke



Die Puristin: Esther Heilgenberg, 20 Jahre alt, 22 m²

Als Esther Heilgenberg das erste Mal vorm Bochumer Studentenwohnheim an der Laerholzstraße stand, bekam sie es mit der Angst zu tun. Darin sollte sie wohnen? In diesem tristen Plattenbau?

Doch die 20-jährige Biologiestudentin hatte Glück im Unglück: Sie ergatterte ein WG-Zimmer in der ehemaligen Hausmeisterwohnung: sehr hell, 22 Quadratmeter groß und ohne das fiese Standardmobiliar. Esther ließ sich im Baumarkt eine Küchenplatte zusägen, Freunde mussten das Ding dann mehrere Stockwerke hochschleppen - es passte nicht in den Aufzug.

Die Platte ist jetzt genau unter dem breitesten Fenster angebracht und dient ihr als Schreibtisch. Hohe Glasvasen mit blassgrünem Bambus schmücken die Fensterbank dahinter, an der Wand lehnt ein goldgerahmter Ganzkörperspiegel.

Ein Bausch Engelshaar füllt eine Bodenvase, umschlungen und silbrig illuminiert von einer Lichterkette. Lieber kühl und reduziert als gemütlich - genau so will es Esther haben. Behaglichkeit soll sich erst einstellen, wenn die Arbeit getan ist und sie abends ihre Stehlampe anknipst. "Sonst würde ich womöglich schon tagsüber ins Bett kriechen", sagt sie.



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Dieter_P 09.07.2010
1. Billig?
Es hält sich die alte Mär, Studentenwohnheime seien billig. Folgendes Rechenbeispiel aus Konstanz. Vier Studenten wohnen in einer WG des Studentenwerks, haben je zwischen 12 und 14 Quadratmetern. Hinzu kommen die Gemeinschaftsküche und zwei kleine Bäder. Macht zusammen 70 Quadratmeter. Dafür zahlen die Studenten zusammen 1000 Euro Miete. Und damit liegt das Studentenwerk über dem Konstanzer Mietspiegel. Die Ausstattung der Wohnungen darf als bescheiden bezeichnet werden, Hausmeister können ohne Voranmeldung die Wohnungen betreten usw. Sozial ist daran gar nichts!
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