Gescheiterte Politik-Hochschule Humboldt-Viadrina School of Governance ist insolvent

Sie wollte Politikprofis ausbilden, jetzt ist die Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance zahlungsunfähig. Für die Studenten geht der Lehrbetrieb vorerst weiter, die Zukunft der Hochschule ist jedoch ungewiss.
Webseite der insolventen Hochschule: "Gemeinsam für bessere Verhältnisse"

Webseite der insolventen Hochschule: "Gemeinsam für bessere Verhältnisse"

Berlin - Studieren im Herzen des Berliner Regierungsviertels, Bundestag und Brandenburger Tor gleich um die Ecke - derzeit genießen 58 Studenten der Privathochschule Humboldt-Viadrina School of Governance dieses exklusive Studienerlebnis, das die Hochschule auf ihrer Webseite anpreist. Lernziele: "bessere Demokratie" und "nachhaltige Lösungen".

Wie die Dinge nun liegen, könnten diese knapp fünf Dutzend Studenten der vorerst letzte Jahrgang der School sein. 4500 Euro kostet ein Semester, 18.000 Euro sind für das komplette Masterstudium fällig. Doch die Einnahmen der Hochschule aus Studiengebühren haben offenbar nicht für den Betrieb gereicht.

Am Freitag hat die Humboldt-Viadrina School of Governance einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Als Grund nennt sie auf ihrer Webseite  recht vage "finanzielle Engpässe". Die Hochschule ist zahlungsunfähig. Jetzt bemühe sie sich "um Partner zur geschäftlichen Neuausrichtung".

Große Namen am Türschild der Politikhochschule

Der leicht verwirrende Name der privaten Politikhochschule im Herzen Berlins ist leicht erklärt: "Getragen" werden ihre teuren Master-Studiengänge von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und der Humboldt-Universität Berlin, zwei angesehenen staatlichen Hochschulen also. Sie riefen die School of Governance 2003 ins Leben, gelehrt werden dort ein Master of Public Policy und ein Master of Governance and Human Rights.

Doch nicht nur die entlehnten Namen von Großuniversitäten verleihen der strauchelnden Privathochschule klangliches Renommee - auch die Chefin ist bundesweit gut bekannt. Gesine Schwan, zweimalige SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten und frühere Präsidentin der staatlichen Viadrina-Uni, leitet die School of Governance seit 2010. Sie sagte zur Insolvenz, die "derzeit sehr schwierige finanzielle Situation lässt leider keine andere Wahl".

Laut Berliner "Tagesspiegel" richtet sich die private Politikhochschule vor allem an Nichtregierungsorganisationen, die dort ihre Mitarbeiter in berufsbegleitenden Master-Studiengängen ausbilden lassen können. Tragen sollte sich die Hochschule demnach neben den Studiengebühren auch durch Spenden und eingeworbene Forschungsmittel. Den Studenten wird in der Pressemitteilung zur Insolvenz versprochen, für sie werde der Lehrbetrieb "wie vereinbart fortgeführt".

cht
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