Rat vom WG-Psychologen Ich bleibe, um zu nerven

Nur aus Rache bleibt Saskia in ihrer WG, kocht stinkende Kohlsuppe und wirft den lärmenden Entsafter an. Die Mitbewohnerinnen kontern mit aggressiven Klebezetteln und Balkonverbot. Was tun? Der WG-Psychologe weiß Rat.

Wohnungsgesuche in Konstanz (Archiv): Kohlsuppe und Balkonverbot
dpa

Wohnungsgesuche in Konstanz (Archiv): Kohlsuppe und Balkonverbot


WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Saskia, 19, schreibt:

Sehr geehrter Herr Büter,

vor zwei Wochen habe ich meinen Mietvertrag gekündigt, weil das Zusammenleben mit meinen beiden Mitbewohnerinnen die absolute Hölle war. Ich habe zwar eine neue Wohnung gefunden und zahle dafür auch schon Miete (was meine Mitbewohnerinnen nicht wissen). Aber ich habe beschlossen, erst einmal weiter in meiner jetzigen WG zu bleiben und meine Mitbewohnerinnen zu nerven.

Ich tue alltägliche Dinge mit eisernem Willen nicht mehr, räume die Spülmaschine nicht aus, ignoriere den Putzplan und lasse Sachen liegen. Ich koche Kohlsuppe (sehr ekliger Geruch) und kaufe stinkenden Käse. Wenn ich am Wochenende vor ihnen wach bin, benutze ich in der Küche meinen unendlich lauten Entsafter. Mittlerweile finde ich mich selbst schon ein wenig lächerlich, weil ich all das unter normalen Umständen nie tun würde.

Ursprünglich wollte ich mit meiner Aktion erreichen, dass sie sich mit der Nachmietersuche beeilen und ich nicht so lange doppelte Miete zahlen muss. Jetzt ist die Stimmung richtig im Keller. Die WG-Castings gehen die beiden eher halbherzig an. Und ich werde nicht mehr gegrüßt, bekomme aggressive Post-it-Nachrichten an meine Tür geklebt ("Bad putzen!") und darf nicht an den Briefkasten. Neulich wurde ich sogar sehr unsanft vom Balkon verwiesen, weil meine Mitbewohnerin dort lernen wollte.

Ich drehe hier bald durch. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps für mich?

Liebe Grüße

Saskia

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Saskia!

Es herrscht ein offener, lebhaft ausgetragener Konflikt zwischen Ihnen und den Mitbewohnerinnen. Es ist aber kein gutes Konzept, sich auf einen wechselseitigen Zermürbungsfeldzug einzulassen.

Bleibt kein Nachmieter hängen, heißt das wohl, man hat Sie durchschaut. Die Stimmung ist nun so gereizt und feindselig, wie sie nur sein kann, weil alle das so wollen. Es gibt jetzt nur zwei Möglichkeiten:

  • Sie ziehen in die neue Wohnung und akzeptieren die Doppelmiete als Preis für die Flucht aus der "Hölle",
  • oder Sie pflegen Ihr dickes Fell und feiern Ihre kleinen Triumphe über die Nachbarinnen.

Sie versuchen zurzeit, das Beste aus beiden Varianten mitzunehmen, was natürlich nicht gelingen will. Ich selbst sympathisiere nicht mit der zweiten Variante. Mit der ersten wählen Sie einen selbstbestimmten Weg aus dem Konflikt. Mit der zweiten bleiben Sie abhängig und liefern sich den Launen der beiden Frauen aus, in der Folge gewiss auch manchmal Ihren eigenen.

Nur Sie selbst können entscheiden, was in Ihrer Waagschale schwerer wiegen soll: die Befriedung durch den Ausstieg aus dem Konflikt oder die Genugtuung, die "Schlacht" nicht verloren und nicht kapituliert zu haben.

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.
  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
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WG-Typen: Willst du mit mir wohn'?
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Nania 19.07.2015
1.
In meinen Augen hat Saskia von Anfang an völlig überzogen reagiert. Selbst wenn das WG-Leben die "Hölle" (warum auch immer, das sagt der Brief ja nicht) gewesen ist, ist das keine Rechtfertigung eines solchen Terrors. Einfach doppelt Miete bezahlen und gut ist. Das ist ärgerlich und teuer, doch nicht immer vermeidbar. Gleichzeitig wäre es vielleicht auch eine Möglichkeit gewesen, sich selbst etwas freundlicher zu verhalten und ggf. an der Nachmietersuche aktiv zu beteiligen, anstatt die Atmosphäre in der WG derart zu vergiften. Auch wissen wir als Leser natürlich nicht, weshalb die Mitbewohnerinnen die Suche "schleifen" lassen. Vielleicht haben sie selbst gerade keine Zeit?
AHF84 19.07.2015
2. ???
Wenn das wirklich echt ist, dann kann man nur den Kopf schütteln. Ausziehen und gut. Doppelt Miete zahlen ist ärgerlich, doppelt Miete zahlen und in der alten Wohnung (hier gleich Hölle) bleiben ist dumm. Dann ärgere ich die Leute doch lieber über die Nebenkostenabrechnung... (je nach Regelung) ;)
nochfragen? 19.07.2015
3. Lächerlich
Ausziehen und fertig. Wäre im übrigen sofort angesagt gewesen. Für den Zeitraum der Kündigungsfrist doppelte Miete zahlen ist nun einmal so. Was es da an psychologischen Ratschlägen bedarf mag sich mir nicht erschließen.
kasam 19.07.2015
4. Sorry, Saskia
Aber du musst eine Schraube locker haben, Oder ???. Im Grunde willst du gar nicht weg. Denn wer so etwas freiwillig verlängert, der kann ohne die anderen nicht mehr leben. Bleib weiterhin dort wohnen, beschränke deine Hirnwindungen auf diese Stufe, das macht dir Freude. Weiter so-----
Rotter 19.07.2015
5. So gut geht es denen heute,...
dass sie sich derartige Spielchen leisten können?! Und sie studieren auch noch? Die Eltern müssen was falsch gemacht haben. Was für Probleme!
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