Im Rätsel-Trainingslager Wie werde ich zum Quizknacker?

Joachim Telgenbüscher war von Rateshows besessen und finanzierte sieben Jahre lang sein Studium mit Quiz-Siegen. Seine härteste Vorbereitung absolvierte er für Jauchs Millionensendung. In einem Buch verrät er nun, wie er akribisch Fakten paukte - SPIEGEL ONLINE veröffentlicht Auszüge.

Endstation Jauch: Erst als der Quizknacker dem Meister gegenüber saß, war für ihn Schluss
DPA

Endstation Jauch: Erst als der Quizknacker dem Meister gegenüber saß, war für ihn Schluss


Nachdem ich die Zusage von "Wer wird Millionär?" bekommen hatte, litt ich plötzlich unter einer besonderen Form des Wahnsinns: dem Vorbereitungsfieber. Drei Wochen hatte ich Zeit bis zur Sendung, und mich trieb nur noch ein einziger Gedanke: Ich muss alles wissen! Wie heißt die Hauptstadt von Madagaskar, wo entspringt der Mississippi, welches Sternzeichen ist Heidi Klum?

Überall, wohin ich schaute, lauerten mögliche Fragen. Ich las morgens die "Bild"-Zeitung und ertappte mich dabei, wie ich die Namen irgendwelcher Promikinder auswendig lernte. Am Abend sah ich mir die Tagesschau an und surfte danach so lange auf Wikipedia, bis ich alle erwähnten Personen und Städte nachgeschlagen hatte. Manchmal wachte ich auch mitten in der Nacht auf und konnte erst wieder einschlafen, wenn ich endlich den Namen des letzten Physiknobelpreisträgers herausgefunden hatte.

Zum Glück besaß ich das ideale Mittel für mein neues Leiden: den 24-bändigen Brockhaus, den ich bei "Risiko" gewonnen hatte. Drei Jahre lang hatten die fünf Kartons unausgepackt im Keller meiner Eltern gestanden, nun studierte ich die Lexika wie ein Mönch die Bibel. Ich habe wirklich bei "A" angefangen und das Monstrum von vorne bis hinten durchgeblättert. Natürlich habe ich nicht jeden Artikel gelesen, sondern immer nach Einträgen gesucht, die sich für eine "WWM?"-Frage eigneten. Schon auf der ersten Seite wurde ich fündig: An welchem Fluss liegt Aachen? A: Schlange, B: Wurm, C: Egel oder D: Natter. Klar, Antwort "B" ist richtig.

Wenn ich hier versagte, würde ich es niemals schaffen

Bald füllte sich mein kleines schwarzes Notizbuch mit Hunderten solcher Fragen. Als der Tag der Sendung näher rückte, lieh ich mir noch zusätzlich die Brockhaus-CD aus und übte am PC. Denn die digitale Ausgabe des Nachschlagwerks enthielt eine Funktion, die aus Zigtausenden Artikeln automatisch ein Quiz zusammenstellte. Das war zwar nicht so witzig wie Jauch, aber für meine Zwecke reichte es.

Großer SPIEGEL-Wissenstest
DER SPIEGEL
Allgemeinbildung hat jeder - aber wie gut ist Ihre? Mit 45 Fragen aus Geschichte, Politik und Gesellschaft stellen wir Ihr Wissen auf eine harte Probe. Von mehr als einer halben Million Teilnehmern wussten beim letzten Test nur 26 alle Antworten.

Jetzt haben Sie eine neue Chance: Sind Sie dem SPIEGEL-Wissenstest gewachsen?.
Um mich an die Atmosphäre bei "WWM?" zu gewöhnen, spielte ich geschätzte 100.000 Partien im Internettrainingslager der Sendung - und gewann fast jedes Mal eine sechsstellige Summe. Danach hielt ich mich schon fast für einen echten Quizmillionär.

Meine größte Sorge galt der Eingangsfrage. Wenn ich die Singles von Madonna nicht in der richtigen Reihenfolge aufsagen konnte, dann half mir mein Brockhaus-Studium auch nicht weiter. Die erste Runde war entscheidend. Wenn ich hier versagte, würde ich es niemals auf den heißen Stuhl schaffen. Aber wie sollte ich mich bloß darauf vorbereiten? Ich hatte keine Ahnung.

Nichts war mir zu blöde

Also setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee an meinen Schreibtisch und begann zu überlegen: Was konnte man denn alles sortieren und nach welchen Prinzipien? Ich hatte die Sendung oft genug gesehen, um zu wissen, dass die Eingangsfragen meist nach demselben Muster gestrickt waren. Mal mussten die Antworten chronologisch geordnet werden (von damals bis heute), mal geographisch (von Nord nach Süd und von Ost bis West) und dann wieder nach Größe, Höhe oder Gewicht. Und dann gab es noch die Redewendungen, bei denen die Kandidaten die Wörter sinnvoll umgruppieren mussten.

Ich nahm mir einen Zettel und schrieb all die Dinge darauf, die man nach diesen Regeln sortieren konnte: Bundeskanzler und Big-Brother-Gewinner, Ozeane und Obstsorten, Mittelgebirge und Miss Germanys. Nichts war mir zu blöde. Das Ergebnis war eine Liste mit über 200 Themen, die ich nun mühsam recherchierte, aufschrieb und auswendig lernte.

Als die drei Wochen um waren, hatte ich natürlich weder den Brockhaus komplett durchgelesen, noch war meine Sortierliste vollständig, aber zumindest hatte ich nun das Gefühl, ich hätte alles versucht. Und für den Rest blieb mir ja immer noch die Zugfahrt.

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Selsya 06.10.2010
1. ...
Diese Abkürzungen bezeichnen aber meines Wissens keine TeeSORTEN, sondern so Dinge wie die Gradierung (große Stückchen, kleine Stückchen, welche Teile von den Blättern und Blüten) und die Erntezeit im Jahr, die Aufschluss über Qualitätsunterschiede auch beim Tee der selben Sorte kennzeichnen.
schabroenkel 06.10.2010
2. Quizknacker?
Entschuldigung, aber was soll das denn bitte für ein Buch sein, wenn sich der Mensch als "Quizknacker" bezeichnet, bei "Wer wird Millionär" aber bei 32.000 Euro aufgeben muss? Offensichtlich hat er dieses Quiz eben NICHT geknackt. Das wäre so, als würde ich ein Buch namens "Der Busfahrer" veröffentlichen, aber ich habe es nur bis zum Gogomobil gebracht. So ein Unfug.
SNA 06.10.2010
3. LoL
"Wie heißt die Hauptstadt von Madagaskar, wo entspringt der Mississippi, welches Sternzeichen ist Heidi Klum?" Noch wichtiger: Wie und wo lerne ich die deutsche Sprache: Heidi Klum ist kein Sternzeichen. Wassermann ist ein Sternzeichen. Heidi Klum wurde in einem Sternzeichen geboren, vielleicht hat sie auch eins. aber: "welches Sternzeichen ist Heidi Klum" sollte ein Buchautor wohl besser nicht schreiben.
The Hu 06.10.2010
4. gesamt
wieviel hat er denn insgesamt verdient? 32000 Euro in 7 Jahren ist aber, selbst für einen studenten, sehr wenig. Von ~ 380 Euro im Monat kommt man nicht sehr weit. Aber für die Antwort auf meine Frage muss ich mir wohl das Buch kaufen, oder? ;-)
Weginsfreie 06.10.2010
5. Jaja
Vom Sofa aus bin ich auch schon mehrere Male Millionär geworden. Der Typ war bei University Challenge, macht das erstmal.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.