Studentenaufstände in Indien Regierung verhängt Flaggen-Pflicht für Unis

In Indien herrschen die schlimmsten Studentenunruhen seit 25 Jahren. Und ausgerechnet jetzt verlangt die Regierung den Unis ein patriotisches Zeichen ab: Sie sollen die Landesflagge prominent anbringen.
Demonstrierende Studenten in Neu-Delhi: "In 60 Metern Höhe"

Demonstrierende Studenten in Neu-Delhi: "In 60 Metern Höhe"

Foto: AP/dpa

Die indische Regierung hat alle größeren Universitäten des Landes angewiesen, die Nationalflagge sehr sichtbar zu platzieren. Die Hochschulen sollen sie mehr als 60 Meter hoch anbringen. Mit diesem Schritt will sich die Regierung wohl versichern, dass die Universitäten hinter ihr und hinter dem Land stehen. Zurzeit herrschen die größten Studentenunruhen seit 25 Jahren in Indien.

Landesweit, Neu-Delhi, Bangalore, Jaipur und Chennai eingeschlossen, demonstrieren die Menschen für Kanhaiya Kumar. Der Studentenführer der Jawaharlal-Nehru-Universität (JNU) war in der vergangenen Woche festgenommen worden, weil er an einer Demonstration gegen die Todesstrafe teilgenommen hatte. Diese soll zugleich stattgefunden haben, um eines ermordeten Separatisten zu gedenken. Die Regierung wirft Kumar vor, während der Demo "antiindische Slogans" gerufen zu haben, und spricht deshalb auch von "Volksverhetzung".

Vor dem Gericht, in dem Kumar in dieser Woche an Anhörungen teilnahm, kam es zu Tumulten. Anhänger der Regierung griffen Studenten, Dozenten und Journalisten an. Auch Kumar soll im Gericht geschlagen worden sein.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, haben sich nun 46 Universitäten dem Wunsch der Regierung gebeugt. "Die Flaggen sollen an einem prominenten Ort der Uni stolz und prominent wehen", hieß es in einem Statement des Bildungsministeriums.

"Das ist psychologische Kriegsführung", sagte der Vorsitzende eines Instituts für Medienforschung in Neu-Delhi, N. Bhaskara Rao. "Der Regierung sind die Studenten nicht patriotisch genug, deswegen unternimmt sie etwas dagegen."

kha/Reuters/AP
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