Indonesien Studentenzimmer ohne Türen - Ministerin hat Hintergedanken

Alles offen, ein Studentenwohnheim ohne Türen vor den Zimmern - das hat Indonesiens Sozialministerin an einer Uni beobachtet. Sie sieht darin einen entscheidenden Vorteil.

Indonesiens Ministerin Khofifah Indar Parawansa
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Indonesiens Ministerin Khofifah Indar Parawansa


Wenn die Zimmer der Studenten im Wohnheim keine Türen haben, sehen alle, was darin gerade passiert. Jeder kann jederzeit reingucken. Indonesiens Sozialministerin, Khofifah Indar Parawansa, hat das nach eigener Aussage an einer "prestigeträchtigen" Universität gesehen, deren Namen sie nicht nennen will - und war spontan begeistert.

Der Besuch habe sie sehr inspiriert, denn damit sei eine gründliche Überwachung der Studenten möglich - mit einem bestimmten Effekt. Der Ministerin geht es um die Verhinderung sexueller Freizügigkeit, vor allem zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.

"Man muss sich dann keine Sorgen mehr um Kontakte zwischen Männern und Männern sowie Frauen und Frauen machen", sagte Parawansa vor mehreren Reportern. "Ich habe gesehen, wie wirksam das ist. Das könnte ein Vorbild für andere Wohnheime sein."

Indonesische Studenten und Aktivisten lehnten den Vorschlag am Mittwoch rigoros ab. Das Konzept verletze die Privatsphäre und schränke außerdem die Sicherheit der Studenten ein. Sie könnten sich ohne Türen weder vor neugierigen Blicken noch vor Dieben oder anderen Kriminelle schützen.

"So ein Vorschlag, wenn er denn stimmt, macht überhaupt keinen Sinn", sagte Bonar Tigor Naipospos vom Setara Institut, einer indonesischen Nichtregierungsorganisation, die sich für Demokratie und Frieden starkmacht.

Eine Tür stehe für das individuelle Bedürfnis nach Privatsphäre, betonte er. "Und jetzt will der Staat aus moralischen Gründen diese Tür einbrechen und individuelle Menschen in ihrem Verhalten und Bewusstsein alle gleichmachen."

Der Vorschlag der Ministerin reiht sich ein in eine Politik der indonesischen Regierung, die Lesben, Schwule und Transgender (LGBT) diskreditiert. Nach einer Einschätzung der Organsation Human Rights Watch mit Sitz in New York sind diese Menschen in Indonesien in diesem Jahr unter "beispiellose Angriffe" von Regierungsvertretern und Behörden geraten.

Ein Regierungssprecher hatte im August gesagt, man habe in diesem Land keinen Platz für eine "LGBT-Massenbewegung, die andere beeinflusse, damit sie so werden sollen wie sie".

fok/Reuters



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