Rat einer Langzeitstudentin Immer locker bleiben

Erst Sozialwissenschaften, dann Geschichte und Englisch auf Magister, jetzt auf Lehramt: Langzeit-Studentin Marina Kavelj, 32, hat eine akademische Hafenrundfahrt hinter sich. Jetzt steht sie kurz vor dem Abschluss. Ihr Tipp nach 13 Jahren Hochschule: nicht so verbissen sein.

Langzeitstudentin Kavelj: "Alle sind weitergezogen, nur ich stand still"
privat

Langzeitstudentin Kavelj: "Alle sind weitergezogen, nur ich stand still"


UniSPIEGEL: Glückwunsch, Frau Kavelj, nun haben Sie es fast geschafft.

Kavelj: Ja, danke. Dass ich bald einen Studienabschluss habe, kann ich selbst kaum glauben.

UniSPIEGEL: Sie haben drei verschiedene Studiengänge probiert. Was würden Sie den vielen Erstsemester-Studenten nun zum Start raten?

Kavelj: Ich empfehle, nicht so verbissen zu sein und das Studium lockerer zu nehmen. Außerdem, nur das zu studieren, wofür man sich wirklich begeistert. Und man sollte die Zeit auch nutzen, um bei Musik und Bier viele Freundschaften zu schließen.

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UniSPIEGEL: Sie haben 13 Jahre lang studiert. Was hat denn da so lange gedauert?

Kavelj: Ich habe mit 19 Jahren direkt nach dem Abi angefangen. Zuerst Sozialwissenschaften. Da war Statistik mein Problem. Ich habe das Vordiplom nicht geschafft und wurde nach einigen Semestern exmatrikuliert. Danach habe ich Geschichte und Englisch auf Magister probiert. Meine Freunde haben gefragt: Was willst du damit? Ich habe mich das dann auch gefragt. Deshalb bin ich wieder gewechselt.


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UniSPIEGEL: Wie anstrengend ist so ein Studienwechsel?

Kavelj: Jedes neue Studium hat mich vorher viel Kraft und schlaflose Nächte gekostet. Aber irgendwann kommt man einfach an einen Punkt, an dem man sich fragt: Und was jetzt? Alle um mich herum sind weitergezogen, nur ich stand still.

UniSPIEGEL: Mit 28 Jahren haben Sie sich entschlossen, Lehramt zu studieren. Die richtige Entscheidung?

Kavelj: Absolut. Ich habe zu meinen alten Fächern, also Englisch und Geschichte, noch Deutsch dazugenommen und bin jetzt glücklich. Für mein Ziel habe ich einige Umwege gemacht, aber auch viele Einsichten gewonnen.

UniSPIEGEL: Etwa, dass Sie Hausarbeiten nicht immer in der Nacht vor der Abgabe schreiben sollten?

Kavelj: Ich kann nicht anders. Ich habe es wirklich versucht. Gestern musste ich meine Abschlussarbeit abgeben. Drei Monate waren dafür vorgesehen, geschrieben habe ich sie nur in einem Bruchteil der Zeit. Ich habe mich damit abgefunden.

UniSPIEGEL: Was sagen eigentlich Ihre Eltern zu allem?

Kavelj: Die haben damit gerechnet, dass ich etwas früher fertig werde. Aber mittlerweile sind sie froh, dass es mit dem Abschluss klappt. Es war nicht immer leicht.

UniSPIEGEL: Wenn Sie bald Lehrerin sind, dann haben Sie sicher viel Verständnis für Schüler, die etwas länger brauchen?

Kavelj: Ehrlich gesagt, bin ich da ziemlich streng.

UniSPIEGEL: Bitte?

Kavelj: Sie haben recht, vielleicht sollte ich durch meine Erfahrung auch bei meinen Schülern zukünftig etwas verständnisvoller und nachsichtiger sein.


DPA
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lindenbast 23.10.2013
1.
Ich bin wirklich die letzte, der nicht klar ist, dass im Leben nicht immer alles geradeaus läuft. Aber dieses Herumgeeiere muss wirklich nicht sein. "Nach einigen Semestern zwangsexmatrikuliert" - ja, war denn das nicht vorher zu merken, dass man dem Mathe-Anteil des Studiums einfach nicht gewachsen ist?
mzbx 23.10.2013
2. Toll
Papa, ..wenn ich groß bin, will ich auch Loser werden.
canUCme 23.10.2013
3. Na gut, ...
... ganz so extrem haben wir es nicht ausgereizt, aber Ende der 70er und in den 80ern haben wir uns auch schon ein wenig länger Zeit gelassen mit dem Studieren. Die Zeit möchte wohl keiner meiner Ex-Kommilitonen und auch ich nicht missen. Heute entgeht den jungen Leuten etwas, wenn sie in verschulten Bachelor-Studiengängen nur so durch das Curriculum hetzen. Auch wenn man es in Deutschland oft nicht glaubt: Das Leben besteht aus mehr als nur Arbeit - und der unfreie(re) Teil kommt noch früh genug....
Layer_8 23.10.2013
4. Nun...
Zitat von mzbxPapa, ..wenn ich groß bin, will ich auch Loser werden.
...wenn die danach ihr Auskommen finden, haben die vielleicht doch alles richtig gemacht?
eule134 23.10.2013
5. Schön
und so jemand unterrichtet später mal meine Kinder...
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