Interview Wozu an einer Privat-Uni studieren?

Private rivalisieren mit staatlichen Hochschulen. Volker Meyer-Guckel, 48, rät Studieninteressenten zum genauen Hinsehen - nicht immer sei der Mehrwert der Privaten überzeugend, sagt der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.


UniSPIEGEL: Herr Meyer-Guckel, die Privat-Universität Witten-Herdecke ist vor ein paar Wochen nur knapp dem Ruin entkommen, auch andere private Hochschulen haben immer wieder mit ihrer Finanzierung zu kämpfen. Raten Sie Studienanfängern ab, sich an einer privaten Universität einzuschreiben? Am Ende geht sie pleite, während man mitten im Studium steckt.

Stifterverband/StandOut Bussenius & Reinicke

Meyer-Guckel: Ein solches Szenario halte ich für sehr unwahrscheinlich - auch wenn wir derzeit in einer Wirtschaftskrise stecken. Bisher ist noch keine bedeutende Privat-Uni in Deutschland pleitegegangen, und auch Witten-Herdecke hat letztendlich ja eine Lösung gefunden. Ich würde den Abiturienten aus einem ganz anderen Grund raten, sich das mit der privaten Hochschule genau zu überlegen.

UniSPIEGEL: Der da wäre?

Meyer-Guckel: Die teuren Gebühren! In den vergangenen Jahren haben sich die Bedingungen an vielen staatlichen Hochschulen enorm verbessert. Da muss man sich schon die Frage stellen, welchen Mehrwert eine private Universität noch bieten kann.

UniSPIEGEL: Welchen Mehrwert können Sie denn noch erkennen?

Meyer-Guckel: Nach wie vor gilt, dass die Jobaussichten der Absolventen renommierter privater Universitäten sehr gut sind. Die Betreuung ist gut, und die Netzwerke nach dem Abschluss sind sehr nützlich. Das gilt vor allem für Management- und Wirtschaftsfächer.

UniSPIEGEL: Und was ist mit Medizin?

Meyer-Guckel: Meine Prognose ist, dass die Zukunft von Fächern wie Medizin, die eine teure Infrastruktur erfordern, eher bei den staatlichen Universitäten liegt.



© UniSPIEGEL 1/2009
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