Interview zu Elite-Unis Was die Rektoren fordern

Die deutschen Unis sind besser als ihr Ruf, meint die Hochschulrektorenkonferenz. Im Gerangel um deutsche Elite-Universitäten hoffen die Rektorewn auf zusätzliche Finanzmittel. Mit besserer Förderung lasse sich auch die Abwanderung junger Wissenschaftler bremsen, sagt HRK-Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel im Interview.


Die SPD-Führung will Eliten stärker fördern und drängt auf Hochleistungs-Universitäten. Hat dieser Begriff Sie geärgert?

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Christiane Ebel-Gabriel:

Nein, auf keinen Fall, denn wir wissen ja, dass wir hochleistungsfähige Universitäten in Deutschland haben und dass diese auch international angesehen sind. Aber sie haben natürlich in der gegenwärtigen Situation große Probleme, ihren Stand zu halten und weiter nach vorne zu bringen.

Wie müssten Elite-Universitäten zusätzlich oder außerhalb der bestehenden Universitäten Ihrer Ansicht nach aussehen?

Ebel-Gabriel: Ich glaube, wir wissen inzwischen, dass diese Forderung nach Förderung von Exzellenz, nach Elite-Hochschulen nicht gemeint ist als Einrichtung zusätzlicher Universitäten. Wir haben schon genug davon und genug leistungsfähige. Die sollten wir fördern und in der Tat auch Spitzenleistungen an den Hochschulen nicht zu Lasten andere Einrichtungen fördern, sondern zusätzlich. Wenn also die ganze Aufmerksamkeit, die jetzt zu Jahresbeginn der Wissenschaft gewidmet ist, auch nur ein kleines bisschen Früchte trägt, insofern, dass wir zusätzliche Möglichkeiten bekommen, dann wäre das eine sehr gute Nachricht.

Nun hat Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn gesagt, sie möchte mindestens zehn Eliteuniversitäten installieren, die dann möglicherweise mit mehr Mitteln des Bundes gefördert werden sollen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Ebel-Gabriel: Es wäre sicherlich eine gute Nachricht, wen tatsächlich zusätzliche Mittel des Bundes zur Verfügung gestellt werden, etwa für Einrichtung von Forschungsschwerpunkten, für Graduiertenzentren, wie es ja auch die DFG vorgeschlagen hat, für internationale Kooperationen, etwa auch im Nachwuchsbereich oder für Forschergruppen. Die Hochschulen müssten die Möglichkeit haben, sich um diese Mittel zu bewerben, unterstützt durch ihre jeweiligen Länder. Und dann wird sich von ganz alleine eine Pyramide herausbilden, bei der die Besten Erfolg zeigen und wir sozusagen schon eine Intensivierung bisher erkennbarer Rankings haben. Es wird aber ganz wichtig sein, darauf zu achten, dass die Feststellung von Exzellenz oder Elite ja immer eine Verständigung über die Ziele oder Maßstäbe voraussetzt. Wir haben nicht nur darin einen Auftrag, Spitzenforschung zu fördern, sondern auch herausragende Lehre, die Standards setzt. Wir haben auch einen Auftrag, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. Da können sich unterschiedliche Maßstäbe und natürlich auch Förderinstrumente und dann wieder Leistungspyramiden bilden - und so sollte es auch sein.

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Der Präsident der Deutschen Forschungsgesellschaft hat vorgeschlagen, an bis zu zehn Hochschulen bundesweit Graduiertenschulen zu gründen. Das würde seiner Ansicht nach bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr kosten. Halten Sie diese Vorschläge für realistisch?

Ebel-Gabriel: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft nimmt damit einen Vorschlag auf, der in einigen Ländern ja schon Wirklichkeit ist. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben begonnen, Graduiertenschulen einzurichten und aus Landesmitteln zu fördern. Sicherlich ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine der ganz großen Herausforderungen für uns, denn wir haben ja die Abwanderung junger Wissenschaftler in andere Länder. Wie man das beziffert, ist eine Frage des Umfangs, in dem man fördern will und die Länder dazu bekommt, sich zu beteiligen. Wir können den Bund nur mahnen, es mit der zusätzlichen Förderung auch tatsächlich ernst zu meinen und nicht etwa die Mittel, die jetzt im Hochschulbau gestrichen werden sollen, nur zu einem Bruchteil in neue Maßnahmen umzuwidmen und das dann als zusätzliche Förderung zu verkaufen. Das wäre nicht fair.

"Campus & Karriere" / Deutschlandfunk




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