Interview zur Studentenschwemme "NCs sind Notwehr"

Wie sollen die deutschen Hochschulen gleichzeitig Spitze sein und eine Masse von Abiturienten ausbilden? Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, über Gebühren, den künftigen Studentenansturm und die Unterfinanzierung der Unis.


UniSPIEGEL: Die deutschen Universitäten sind derzeit im Umbruch. Wo stehen sie im internationalen Vergleich?

Margret Wintermantel, 59, steht seit März der Hochschulrektorenkonferenz vor. Die Psychologieprofessorin ist Präsidentin der Universität des Saarlandes.
Universität des Saarlandes

Margret Wintermantel, 59, steht seit März der Hochschulrektorenkonferenz vor. Die Psychologieprofessorin ist Präsidentin der Universität des Saarlandes.

Wintermantel: Sehr viele Institute erbringen hervorragende Lehr- und Forschungsleistungen. Allerdings sind unsere Hochschulen nach wie vor drastisch unterfinanziert. In den Massenfächern gibt es viele überfüllte Veranstaltungen, und insgesamt benötigen wir viel mehr Lehrpersonal. Denn wer junge Leute auf hohem Niveau ausbilden will, braucht kleine Gruppen, in denen eine Diskussion mit Forschern möglich ist.

UniSPIEGEL: Stattdessen müssen die Unis einen nie dagewesenen Ansturm an Abiturienten bewältigen. Hat Deutschland zu viele Studenten?

Wintermantel: Aktuell studieren rund 36 Prozent eines Altersjahrgangs. Es gibt den politischen Willen, diesen Anteil auf 40 Prozent zu erhöhen. Ich halte das für richtig, weil gutausgebildete junge Leute bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben.

UniSPIEGEL: Immer mehr Hochschulen führen lokale NCs ein. Wie sollen sich Studieninteressierte bei dem Flickenteppich an Angeboten und Beschränkungen überhaupt noch zurechtfinden?

Wintermantel: Lokale NCs sind als Notwehrreaktion der Hochschulen zu verstehen. Wenn sie die Türen weit aufmachen würden, könnten sie die heutige Qualität der Lehre nicht aufrechterhalten. Das Wort "Flickenteppich" ist mir aber zu negativ. Wenn wir die Differenzen transparent machen können, ist das doch gleichzeitig ein Vorteil für Studienanfänger: Sie können sich das Angebot aussuchen, das zu ihnen passt. Um ihnen die Orientierung zu erleichtern, müssen wir ihnen aber helfen, beispielsweise indem wir unsere Angebote differenziert beschreiben und die Studienberatung intensivieren.

UniSPIEGEL: Wie werden sich Studiengebühren auf die Hochschulen auswirken?

Wintermantel: Die zusätzlichen Ressourcen sollen ausschließlich für die Lehre eingesetzt werden, das ist die Position der Hochschulrektoren. Die Verbesserungen müssen für die Studierenden unmittelbar erkennbar sein.



© UniSPIEGEL 3/2006
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