Iran 99 Peitschenhiebe für feiernde Studenten

Sie feierten ihren Abschluss am College - und wurden dafür brutal bestraft. In Iran sind mehr als 30 Studenten ausgepeitscht worden, weil sie sich "unzüchtig verhalten" haben sollen.

Nicht alle Frauen halten sich in Iran an die strengen Regeln zur Verschleierung
AFP

Nicht alle Frauen halten sich in Iran an die strengen Regeln zur Verschleierung


Mehr als 30 Studenten sind in Iran zu je 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Die Behörden wollten ihnen damit eine Lektion erteilen und an die strengen Gesetze des Landes erinnern. So fiel zumindest die Begründung des zuständigen Generalstaatsanwalts aus.

Die jungen Frauen und Männer hätten gemeinsam in einem Haus bei Ghaswin gefeiert, obwohl sie einander nicht kannten, sagte Esmail Sadeghi Nijaraki dem Onlinedienst Mizanonline. Nach seiner Darstellung waren die Studenten "halbnackt" - die Frauen trugen keine langen Kleider und Mäntel.

Die Studenten hätten Alkohol konsumiert und sich "unzüchtig verhalten", sagte Nijaraki. Damit hätten sie "gegen die öffentliche Meinung verstoßen": "Wir hoffen, dass dies eine Lektion für all diejenigen ist, die islamische Regeln an privaten Orten brechen."

In der Islamischen Republik ist es Männern und Frauen verboten, gemeinsam zu tanzen - erst recht, wenn die Frauen nicht verschleiert sind. Alkohol ist ebenfalls verboten. Trotzdem gab es Partys in Iran in der Vergangenheit immer öfter, vor allem in größeren Städten.

Polizei stürmt private Partys

Einen Tag vor der Auspeitschung hatte das Regime in einigen Städten gezielt Razzien durchgeführt und private Partys gestürmt, berichtet die "New York Times". In Kerman habe die Polizei 23 Menschen festgenommen. In Semnan seien "verschmutzte Häuser gesäubert worden", hieß es in der Wortwahl der Behörden. 97 Menschen kamen in Gewahrsam.

Vorab hatte die Polizei fast 60 Single-Haushalte wochenlang überwacht, weil sie dort einen Bruch mit den Regeln vermutete. Die Regierung von Präsident Hassan Rohani gilt zwar nicht als ultrastreng bei der Verurteilung eines westlichen Lebensstils, wohl aber die von konservativen Klerikern dominierte Justiz.

Ihr hartes Vorgehen löste im Land Entsetzen aus. In sozialen Netzwerken war die Anteilnahme an dem Schicksal der bestraften Studenten riesig. Eine iranische Frau schrieb bei Facebook: "Es tut mir nur weh. Diese seelische Qual wird sie nach diesem Ereignis bis zu ihrem Lebensende verfolgen."

Ein Mann meinte: "Diese Nachricht von der Auspeitschung der Studenten zeigt mir, dass es für mich besser wäre, den Rest meines Lebens im Ausland zu verbringen und dort Toiletten zu putzen, als in diesem Land zu bleiben. Das ist grauenvoll, und ich bin nur wütend."

fok/nma/afp



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