Streit um Islamgelehrten Muslimische Verbände attackieren Theologen Khorchide

Er sieht den Islam als Religion der Barmherzigkeit und will den Koran nicht wörtlich ausgelegt wissen: Mit seinen Thesen hat sich der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide viele Feinde gemacht. Jetzt wettern Islam-Verbände, der Mann sei als Lehrstuhlinhaber nicht geeignet.
Islamwissenschaftler Khorchide: Unhaltbare theologische Positionen?

Islamwissenschaftler Khorchide: Unhaltbare theologische Positionen?

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Als Islamgelehrter sei er "nicht tragbar", das Verhältnis sei "zerrüttet und irreparabel", seine Thesen seien "zweifelhaft" - mit harten Worten kritisieren große muslimische Verbände den Leiter des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) in Münster, Mouhanad Khorchide. Der Koordinationsrat der Muslime fordert jetzt eine "personelle und thematische Neuausrichtung" des Instituts, an dem Lehrer für islamischen Religionsunterricht und Religionsgelehrte für Moscheen ausgebildet werden.

Khorchide ist ein Verfechter einer liberalen Interpretation des Islam. Die jüngsten beiden Bücher von ihm heißen "Islam ist Barmherzigkeit" und "Scharia - der missverstandene Gott". Er kritisiert es, wenn der Koran wörtlich ausgelegt wird, und wirbt für einen freundlichen, aufgeschlossenen Islam, gibt dazu auch zahlreiche Interviews. "Der Sendungsbewusste", so hat die taz mal ein Porträt über ihn betitelt.

Der Koordinationsrat der Muslime hat sich nun nach eigenen Angaben mit Khorchides "Theologie der Barmherzigkeit kritisch auseinandergesetzt" und ein Gutachten  veröffentlicht. Ergebnis: Die Arbeit des Gelehrten entspreche keinem wissenschaftlichen Anspruch und sei nicht vereinbar mit der "Selbstverpflichtung zur bekenntnisgebundenen Islamtheologie". Ähnlich und zum Teil drastischer formulieren es Organisationen wie die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib-Verband, der beispielsweise die "einschlägigen Stellen" dazu auffordert, "angesichts vorgenannter Befindlichkeiten, entsprechende Schritte einzuleiten". Vom Islamrat und Schura-Rat war Ähnliches zu hören. Im Klartext: Khorchide soll weg.

Die Uni Münster, die im Verbund mit Osnabrück Imame ausbildet, hat bereits in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit den Islamverbänden gemacht. In der Debatte um die Ausbildung von Islamlehrern in Nordrhein-Westfalen hatten sich die Verbände gegen den Islamgelehrten und ehemaligen deutschen Konvertiten Sven Kalisch gestellt. Kalisch folgte daraufhin einem Vorschlag der Hochschulleitung, sich aus der Islamlehrerausbildung zurückzuziehen.

Kalisch hatte in einem Vortrag die historische Existenz des Propheten Mohammed angezweifelt und war daraufhin scharf angegriffen worden. Islamlehrer konnten in der Folge nicht an Kalischs Lehrstuhl in Münster ausgebildet werden, der Professor bekam nach Drohungen aus islamistischen Kreisen Polizeischutz. Mittlerweile hat sich Kalisch vom Islam abgewendet.

Khorchide und die Uni Münster waren zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

otr
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