Jacobs University Happy Birthday, Kaffee-Uni

Ausgerechnet in Bremen steht eine der teuersten Unis Deutschlands: 20.000 Euro kostet ein Jahr an der Jacobs University. Sie lockt vor allem internationale Studenten - und überlebte die ersten zehn Jahre nur dank großzügiger Gaben von Staat und Stiftern.

DPA

Rose Field, 20, wollte nicht einfach nur studieren. "Ich wollte eine Erfahrung machen." Deshalb zog es sie nach Bremen. Gerade ist die Amerikanerin ins dritte Bachelor-Jahr gekommen. Ihr Fach heißt Integrated Cultural Studies, die Unterrichtssprache ist Englisch. Fields Kommilitonen stammen aus Kolumbien, Indien oder Italien, die Mitbewohnerin aus Russland. Wie Field entschieden sie sich gegen ein Studium in ihrer Heimat und kamen stattdessen an die Campus-Universität in Norddeutschland, die Jacobs University.

Rund 1300 Bachelor- und Masterstudenten sowie angehende Doktoranden sind inzwischen an der Privathochschule eingeschrieben - und damit zehnmal so viele wie zu ihrem Start im September 2001. Junge Menschen aus 110 Ländern studieren und leben zurzeit auf dem Campus im Norden der Hansestadt, weniger als ein Drittel stammt aus Deutschland. Die mehr als 40 Studiengänge decken das gesamte Spektrum von den Natur- und Ingenieurwissenschaften bis zu den Geistes- und Sozialwissenschaften ab.

Der Präsident der Jacobs University, Joachim Treusch, spricht deshalb von einer Erfolgsgeschichte. "Sie ist die internationalste Universität dieser Bandbreite in ganz Europa, wahrscheinlich sogar der Welt." 110 private Hochschulen gibt es dem Wissenschaftsrat zufolge in Deutschland, nur zwei davon bieten bislang ein so breites Fächerspektrum, dass sie den Namen Universität verdienen: die Uni Witten/Herdecke und eben die Jacobs University.

Finanzielles Auf und Ab: Wie aus der IUB die Jacobs-Uni wurde

An diesem Samstag feiert die nach einem Bremer Kaffeeunternehmer benannte Uni ihr zehnjähriges Bestehen - und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Gestartet war das Schmuckstück 1999 noch als International University Bremen (IUB) mit dem ehrgeizigen Ziel, als erste deutsche Privatuniversität ein umfassendes Fächerspektrum zu bieten - und mit handverlesenen Studenten aus aller Welt als exklusiv und international zu glänzen.

Das Land Bremen unterstützte die Gründung mit einer Anschubfinanzierung von rund 110 Millionen Euro und den Grundstücks- und Gebäudeflächen der alten Kaserne im Stadtteil Grohn. Zunächst sprudelten die Spenden, Professoren kamen, gemeinsam mit den ersten Studenten.

Anfang 2002 wurde das Geld dann knapp - doch es gelang Joachim Treusch, das Steuer herumzureißen. Er bewog Klaus J. Jacobs, Gründer der Jacobs Foundation, am Tag von Treuschs Amtseinführung als Präsident, einen großen Batzen aus dem Verkauf des Familienkonzerns Jacobs Suchard in die IUB zu investieren. Die Stiftung verpflichtete sich im Oktober 2006 dazu, stolze 200 Millionen Euro in die Privat-Universität zu stecken und rettete sie damit aus der Finanzklemme. Daher auch der heutige Name Jacobs-University - denn ohne den Gönner von damals gäbe es heute wohl nichts zu feiern.

Anders als an staatlichen Hochschulen hat das neue Semester bereits begonnen. Trotzdem wirkt das 34 Hektar große Gelände der ehemaligen Roland-Kaserne der Bundeswehr wie leer gefegt. Überfüllte Kurse oder Vorlesungen mit mehreren hundert Studenten hat Frank Richter in seiner ganzen Zeit an der Universität noch nicht erlebt. Der 21-Jährige studiert im dritten Jahr Biochemie und Zellbiologie. "In meinem Semester sind wir 16 Leute."

"Man ist nicht nur eine anonyme Nummer, sondern es besteht wirklich persönlicher Kontakt", erzählt Richter. Ein Professor kümmert sich um gerade mal zehn Studenten. Für die Hochschule zahlt sich die intensive Betreuung nach Angaben von Treusch aus: 95 Prozent der Studenten schaffen ihren Abschluss - obwohl Englisch bei den meisten nicht die Muttersprache ist und viele bei Studienbeginn erst 17 oder 18 Jahre alt sind.

"Nicht viel teurer als eine staatliche Uni in den USA"

Die vorzüglichen Lernbedingungen haben ihren hohen Preis: 20.000 Euro kostet ein Studium im Jahr. Die Hochschule versteht sich als Elite-Universität und will "die Führungskräfte von morgen darauf vorbereiten, sich den globalen Herausforderungen von heute verantwortungsbewusst zu stellen".

Zumindest beim Jacobs-Absolvent Petar Perkovic, 29, scheint das gut funktioniert zu haben. Perkovic wollte eigentlich in den USA studieren, doch dann erfuhr der Serbe von der Uni, die damals noch IUB hieß. Perkovic gehörte zum ersten Jahrgang der einzigen deutschen privaten Campusuniversität nach anglo-amerikanischem Vorbild. "Eine neue fortschrittliche Uni in Europa, das hat mich interessiert", sagt Perkovic rückblickend. Er studierte Sozialwissenschaften und Psychologie und kam anschließend bei der Firma unter, in der er auch sein Pflichtpraktikum absolvierte. Dort leitet er nun den Bereich globale Kommunikation im Personalbereich. "Meine Karriere hat sich gut entwickelt", sagt der 29-Jährige.

Präsident Treusch sieht in den mehreren Zehntausend Euro hohen Gebühren kein soziales Hindernis. "Bei der Zulassung spielt Geld keine Rolle. Es kommt allein auf die Qualifikation der Bewerber an", sagt er. Mit Stipendien und Darlehen werde dafür gesorgt, dass auch Studenten aus armen Familien nach Bremen kommen können. Die Erziehungsgewerkschaft GEW in Bremen sieht das naturgemäß anders und spricht von einer großen Hürde. Ein Darlehen stelle ein großes finanzielles Risiko dar, das die Studenten später schultern müssten.

Eine Diskussion, die nach Ansicht der Amerikanerin Rose Field typisch deutsch ist. Für die Amerikanerin ist es selbstverständlich, dass sie ihr Studium bezahlen muss. "Für mich ist es nicht viel teurer, als würde ich eine staatliche Uni in den USA besuchen."

Irena Güttel, dpa/dapd, cht

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