Jahrestag der Rassenunruhen Mississippis verspätete Heldin

Als vor 40 Jahren schwere Rassenunruhen die Universität von Mississippi erschütterten, schrieb Sidna Brower in der Hochschulzeitung gegen den Hass an. Dafür tadelte sie damals der Studentensenat. Erst jetzt wurde die mutige Redakteurin rehabilitiert.


Blutige Proteste: Der Campus der Universität unmittelbar nach den Ausschreitungen
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Blutige Proteste: Der Campus der Universität unmittelbar nach den Ausschreitungen

Oxford - Der Anlass, die förmliche Rüge zurückzuziehen, ist der 40. Jahrestag der Universitätsöffnung für Afroamerikaner. Im Jahre 1962 war es wegen der Zulassung des ersten schwarzen Studenten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Kommilitonen, die die Anerkennung von James Meredith verhindern wollten, schleuderten Steine und warfen mit Flaschen auf Polizisten. Diese antworteten mit Tränengas.

Sidna Brower wandte sich damals als Redakteurin der Hochschulzeitung "The Mississipian" mit einem Aufruf gegen die Gewalt an die Studentenschaft. Wer sich an den Ausschreitungen beteilige, so Browers Aufruf, bringe "Scham und Schande" über die Universität. "Es ist schon genügend Blut geflossen und es wird weiter fließen, wenn die Leute den Ernst der Situation nicht bald erkennen", schrieb die Studentin am 1. Oktober 1962.

Zwei Monate später kam der Tadel des Studentensenats. Brower habe "in Zeiten einer ernsten Krise dabei versagt, die Rechte ihrer Kommilitonen zu vertreten und hochzuhalten", hieß es in dem Schreiben, das die Studentin diskreditieren sollte.

Held der schwarzen Bürgerrechtsbewegung: Der heute 69-jährige James Meredith im Mai mit seinem Sohn Joseph
AP

Held der schwarzen Bürgerrechtsbewegung: Der heute 69-jährige James Meredith im Mai mit seinem Sohn Joseph

Vergangene Woche nun, pünktlich zu den Feierlichkeiten, zog der Studentensenat die Resolution zurück und verabschiedete eine neue. In der, so die Zeitung "The Daily Mississippian", wird nun Browers "außergewöhnliche journalistische Courage" gelobt.

Sidna Brower, die heute mit zweitem Namen Mitchell heißt und in New Jersey lebt, zeigte sich erleichtert: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viel mir das bedeutet".

Zu der Zeremonie des Jahrestages, bei der der heute 69-jährige James Meredith im Mittelpunkt stand, ist sie wieder in Oxford erschienen. Auf der Homepage der Universität, an der heute fast 13 Prozent der Studenten Schwarze sind, wird die mutige Frau mit dem Satz zitiert: "Es ist nicht nur eine Zeit der Heilung, sondern auch so etwas wie ein großes Familientreffen." Es scheint, als habe sich Sidna Brower mit ihrer Universität versöhnt.

Stefan Kaiser

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