Manipulationsverdacht Sozialpsychologe verzichtet auf renommierten Forscherpreis

Er galt als international angesehener Sozialpsychologe und sollte ein Fünf-Millionen-Projekt an der Uni Bochum betreuen. Dann wurden Manipulationsvorwürfe gegen Jens Förster laut. Nun verzichtet er auf die Auszeichnung.

Verzichtet nach Manipulationsvorwürfen auf den renommierten Forscherpreis: Sozialpsychologe Jens Förster
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Verzichtet nach Manipulationsvorwürfen auf den renommierten Forscherpreis: Sozialpsychologe Jens Förster


Im Oktober 2013 fand man noch lobende Worte, stellte ihn als Koryphäe dar. "Jens Förster zählt zu den international produktivsten und renommiertesten Experimentalpsychologen im Bereich Soziale Kognition und Motivation", schrieb die Alexander-von-Humboldt-Stiftung damals. Mit einem Millionenbetrag sollte Försters Arbeit an der Ruhr-Universität Bochum unterstützt werden.

Kurz bevor die Förderung im vergangenen Jahr beginnen sollte, wurden allerdings Vorwürfe laut, Förster habe wissenschaftlich unsauber gearbeitet. Nun verzichtet der Sozialpsychologe auf die Alexander-von-Humboldt-Professur. Das teilte die Stiftung am Mittwoch mit. Sie hatte bereits im April 2014 die Auszeichnung von Förster vertagt. Nun verzichtet sie auf weitere Beratungen.

"Wir respektieren Herrn Professor Försters Entscheidung und wünschen ihm, dass die gegen ihn erhobenen und in der Fachwelt weiterhin kontrovers diskutierten Vorwürfe umfassend aufgeklärt werden", erklärte der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz.

Unfairen Angriffen aus dem Weg gehen

Förster sollte mit dem Fördergeld der Stiftung Mitte 2014 von der Universität Amsterdam an die Ruhr-Universität Bochum wechseln. Dann wurden jedoch die Vorwürfe laut, wonach Förster für eine Studie aus dem Jahr 2012 Daten manipuliert haben soll. Das Nationale Gremium für Integrität der Forschung (LOWI) der Niederlande untersuchte den Fall und hielt Förster für verantwortlich. Seine Publikation wurde zurückgezogen.

Förster selbst sieht den Verzicht auf den Preis nicht als Schuldeingeständnis. Er wolle vielmehr weiteren unfairen Angriffen aus dem Weg gehen. "Die Organisation eines Fünf-Millionen-Projekts mit ca. 50 Mitarbeitern ist unter diesen Umständen allerdings schwer zu bewältigen", schreibt er in einer Stellungnahme auf seiner Homepage. Seine Forschungen an der Uni Bochum könne er auch ohne den renommierten Förderpreis betreiben. "Ich könnte hier ohne Probleme auch weiterhin Massen an Artikeln publizieren."

Die Alexander-von-Humboldt-Professur ist über einen Zeitraum von fünf Jahren dotiert und soll Forscher aus dem Ausland wieder an deutsche Unis locken. Sie wird vom Bundesbildungsministerium finanziert. Deutsche Hochschulen nominieren die Kandidaten.

bkr/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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Fred Widmer 22.04.2015
1. Die Gestaltung der verlinkten Webseite
Die Gestaltung der verlinkten Webseite spricht nicht gerade für die Seriösität des genannten Professors. Auf der Webseite gibt er an, daß er auch so "Massen von Artikeln" schreiben kann. Wahrscheinlich "write only"-Artikel ... Vielleicht sollte er, anstatt "mit seinem Mann in den Bergen zu wandern", einmal einen Abend in seine Web-Außenwirkung investieren.
tko2 22.04.2015
2.
Besser wären wenige Artikel mit Klasse.
Newspeak 22.04.2015
3. ...
"Ich könnte hier ohne Probleme auch weiterhin Massen an Artikeln publizieren." Genau darin liegt doch das Problem der heutigen Wissenschaft. Akademiker werden an der Quantität statt Qualität ihrer Artikel gemessen, weil Auswahlkommissionen zu bequem sind, sich wirklich mit der Vita der Kandidaten zu befassen, und oft auch intellektuell zu unterbelichtet, um gute Forschung überhaupt beurteilen zu können. Am Ende stellen dann Herrscharen von mittelmäßigen Vielschreibern andere mittelmäßige Vielschreiber ein, wohlwissend, daß manche Kandidaten nicht mal das wirklich können, sondern auch dabei noch betrügen. Ein Professor, dem es um Masse statt Klasse geht, ist nur erbärmlich.
BettyB. 22.04.2015
4. Ironie?
Zitat: "Wir... wünschen ihm, dass die gegen ihn erhobenen und in der Fachwelt weiterhin kontrovers diskutierten Vorwürfe umfassend aufgeklärt werden."
GustavLecter 23.04.2015
5. Sozialpsychologe?
Ich hätt da ein dankbares Objekt für sein Fachgebiet... sein Foto... Die Haare und die Kleidungswahl... da stecken etliche Doktorarbeiten drin.... ALso, so mancher Professor war auch schon zu meiner Studienzeit schon "probelmatisch". Aber heute studieren...? Nein, danke.
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