Jura-Staatsexamen Prüfungsangst ist kein Wiederholungsgrund

Ein gescheiterter Jurastudent kämpfte juristisch um eine letzte Chance - vergebens, Koblenzer Richter bremsten ihn aus. Er hatte Prozesskostenbeihilfe beantragt, um sich einen dritten Anlauf zum Staatsexamen zu erklagen. Die Richter befanden: Prüfungsangst ist kein Härtefall.

Pauken fürs Examen: Das Risiko des Scheiterns ist bei Juristen besonders hoch
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Für Jurastudenten ist es der ultimative Alptraum: das Scheitern am Staatsexamen. Denn dann sind Jahre harten Studierens, Paragraphenreitens und ausdauernder Schönfelder-Lektüre völlig für die Katz. Wer das Staatsexamen im ersten und im zweiten Versuch nicht packt, wird nie Anwalt oder Richter werden. Und die Durchfallquote bei den Juristen ist höher als in jedem anderen Studiengang.

Gründe für eine erneute Wiederholung gibt es zwar - aber Prüfungsangst zählt nicht dazu. Sie berechtigt einen erfolglosen Kandidaten nicht, zu einer weiteren Wiederholungsprüfung antreten zu dürfen, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz in Koblenz in einem am Montag veröffentlichten Beschluss. Nach Auffassung der Richter ist der Gesetzgeber nicht verpflichtet, überhaupt eine weitere Wiederholungsprüfung zuzulassen (Aktenzeichen 10 D 10529/10.OVG).

Das Gericht lehnte es ab, einem Jurastudenten ohne Abschluss Prozesskostenhilfe für eine Klage zu bewilligen, und bestätigte damit eine Entscheidung der Vorinstanz. Die Richter sahen dafür keine Erfolgsaussichten. Der Kläger war zweimal am juristischen Staatsexamen gescheitert. Daraufhin wollte der Student nun auf einen dritten Versuch klagen, weil ihn das Justizprüfungsamt nicht zu einer zweiten Wiederholungsprüfung zulassen wollte.

Streng, aber nicht unverhältnismäßig

Der Kläger führte an, er sei wegen seiner Prüfungsängste ein besonderer Härtefall, und die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen für eine zweite Wiederholungsprüfung seien zu streng. Rheinland-Pfalz verlangt neben der Anerkennung als Härtefall, dass Jura-Anwärter in der Prüfung, in der sie gescheitert sind, mindestens 3,5 Punkte nachgewiesen haben - und damit "das dem Gesetzgeber für eine weitere Wiederholungsprüfung erforderlich erscheinende Mindestwissen". Die Regelung "mag strenger als entsprechende Regelungen anderer Bundesländer sein", so die Richter; sie sei aber weder unverhältnismäßig noch widersprüchlich.

Außerdem sei die Ursache, also die vom Kläger angeführte Prüfungsangst, jeweils "vor bzw. alsbald nach Beginn der Klausurtermine aufgetreten". Der Prüfling sei das Risiko des Nichtbestehens zweimal bewusst eingegangen und nicht rechtzeitig zurückgetreten. Eine besondere Härte könne darum nicht festgestellt werden, weil das die prüfungsrechtlich zu beachtende Chancengleichheit gefährden würde, so die Richter in ihrer Begründung.

Das OVG teilte die Auffassung des Klägers in beiden Punkten nicht. Prüfungsängste seien grundsätzlich kein Härtefall. Außerdem verbiete es das Grundrecht der Berufsfreiheit dem Gesetzgeber nicht, die Zulassung zu einer weiteren Wiederholungsprüfung auf eng begrenzte Ausnahmefälle zu beschränken.

cht/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
.sagittarius. 21.06.2010
1. .
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht! Der Jura-Student bekommt doch mit oder ohne Examen keinen vernünftigen Job. Wie in anderen Studiengängen werden doch nur die Besten herausgepickt, und bei Jura ist das besonders extrem. Der Rest wird Taxifahrer oder lässt sich von Leihbuden ausbeuten.
jdm11000 21.06.2010
2. Prüfungswillkür - Prüfungsangst
Zitat von sysopEin gescheiterter Jura-Student kämpfte juristisch um eine letzte Chance - vergebens, Koblenzer Richter bremsten ihn aus. Er hatte Prozesskostenbehilfe beantragt, um sich einen dritten Anlauf zum Staatsexamen zu erklagen. Die Richter befanden: Prüfungsangst ist kein Härtefall. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,701936,00.html
Das Schlimme bei einem Staatsexamen ist, daß der Prüfling zumeist der vollkommenen Willkür eines Prüfers ausgesetzt ist. Selbst wenn der Prüfling hervorragende Kenntnisse sich angeeignet hat, die Technik des Interpretierens usw, trotzdem wird er aussortiert - nur weil der Prüfer sich "beweisen" muß! In der Mathematik ist es so, daß die Prüfung richtig nachvollzogen werden kann - bei Jura ist es so, daß eine Prüfung nur vom Weh eines mehreren Prüfers abhängig ist. Es werden regelmässig hunderte von jungen Menschen ihres Abschlusses betrogen - nur weil es Leute gibt, die vollkommen arrogant in so einem Gremium sitzen und selber nicht überprüft werden. Ich bin dafür, daß Juristen und Professoren sich regelmässig an ihren Leistungen - sprich den Urteilen usw - messen lassen müssen. Bei Fehlurteilen - weg mit ihnen!
tubelayer53 22.06.2010
3. Das Schlimme bei einem Staatsexamen
Zitat von jdm11000Das Schlimme bei einem Staatsexamen ist, daß der Prüfling zumeist der vollkommenen Willkür eines Prüfers ausgesetzt ist. Selbst wenn der Prüfling hervorragende Kenntnisse sich angeeignet hat, die Technik des Interpretierens usw, trotzdem wird er aussortiert - nur weil der Prüfer sich "beweisen" muß! In der Mathematik ist es so, daß die Prüfung richtig nachvollzogen werden kann - bei Jura ist es so, daß eine Prüfung nur vom Weh eines mehreren Prüfers abhängig ist. Es werden regelmässig hunderte von jungen Menschen ihres Abschlusses betrogen - nur weil es Leute gibt, die vollkommen arrogant in so einem Gremium sitzen und selber nicht überprüft werden. Ich bin dafür, daß Juristen und Professoren sich regelmässig an ihren Leistungen - sprich den Urteilen usw - messen lassen müssen. Bei Fehlurteilen - weg mit ihnen!
Das ist doch stark übertrieben. Bei der Mündlichen prüfen normalerweise 4-5 Prüfer, da geht es mit Sicherheit nicht willkürlicher zu als in anderen Studiengängen. Außerdem ist es die Regel, daß Zuhörer den Prüfungen beiwohnen. Im Schriftlichen werden die Leistungen vollkommen anonymisiert, so daß die Prüfer nur eine Nummer sehen. Da würde die Willkür dann ja jeden gleich treffen. Im übrigen ist doch später auch in juristischen Berufen der Normalfall, daß man unter Druck Leistung bringen muß. Da kann man sich ja auch nicht auf irgendwelche Ängste berufen.
twellb 22.06.2010
4. aus eigener Erfahrung
bitte ich den Kandidaten dringend, sich auf Morbus Basedow testen zu lassen.
eile15 23.06.2010
5. umdenken
Ich verstehe nicht, warum der Staat (also die Unis) 3,5-4,5 Jahre Juristen ausbildet, die dann zu einem viel zu hohen Anteil scheitern. Ob sie nun faul, untalentiert oder krank sind, spielt doch keine Rolle. Warum lässt man diese Studenten erst auflaufen und dann so hart scheitern? Dass sich solche Prüfungsängste entwickeln ist doch nur verständlich, wenn es so wahrscheinlich ist, dass man durchfällt. So etwas greift auch das Selbstvertrauen an! Ein System, welches Prüfungsängste so fördert, darf die betroffenen Studenten nicht so hängen lassen! Es wäre doch besser, wenn die "Aussiebung" schon früher geschehen würde, wenn man nach 2 Semestern schon an den Ergebnissen sehen könnte, ob sich das Studium für einen lohnt und auf eine alles entscheidende Horrorprüfung am Ende verzichten würde.
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