Kampfansage an Länder Schavan will Bundesuniversitäten gründen

Es wäre eine kleine Revolution im deutschen Föderalismus: Bildungsministerin Schavan will, dass herausragende Unis in die Zuständigkeit des Bundes wechseln - auf diese Weise soll die Exzellenzinitiative fortgeführt werden. Widerstand der Länder ist programmiert.
Bildungsministerin Annette Schavan: "Nur nach dem Bund rufen, läuft nicht"

Bildungsministerin Annette Schavan: "Nur nach dem Bund rufen, läuft nicht"

Foto: dpa

Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan lehnt sich gegen die Bildungsmacht der Länder auf. Die CDU-Politikerin hält es für möglich, dass leistungsstarke Universitäten mit hohem Finanzbedarf mittelfristig in die Zuständigkeit des Bundes wechseln. Nach dem Auslaufen der Exzellenzinitiative 2017 werde eine Debatte über eine dauerhafte Finanzierung exzellenter Strukturen einsetzen, sagte sie der "Berliner Morgenpost". "Spätestens dann wird sich die Frage nach Standorten von Bundesuniversitäten stellen."

Schavan ermahnte zudem die Bundesländer, mehr Geld für die Hochschulen bereitzustellen. "Wenn eine politische Ebene in den letzten Jahren überdurchschnittlich in Wissenschaft investiert hat, dann ist das der Bund. Auch die Länder müssen aber ihren Anteil erbringen und die Wissenschaftsetats zur Finanzierung der zusätzlichen Studienplätze entsprechend aufstocken. Nur nach dem Bund rufen, das läuft nicht."

Mit der Exzellenzinitiative fördern Bund und Länder bis 2017 herausragende Forschung an Universitäten. Für die letzte Förderrunde von 2012 bis 2017 ist ein Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro vorgesehen. Vor der Einigung auf die Exzellenzinitiative war dem Bericht zufolge schon einmal über die Gründung von Bundesuniversitäten diskutiert worden.

"Die Wirtschaft akzeptiert den Bachelor"

Schavan sieht die Reformen im deutschen Hochschulsystem ansonsten auf einem guten Weg. "Die Wirtschaft akzeptiert den Bachelor, und das auf breiter Front", sagte sie der Zeitung. Sie werde im April eine große Studie zur Akzeptanz dieses Abschlusses vorlegen, die das beweise. Es sei eine Legende, dass die Absolventen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Schavan sagte, die Zahl der Hochqualifizierten in Deutschland steige stark. "Noch 2005 haben 36 Prozent eines Jahrgangs ein Studium begonnen, jetzt sind es 46 Prozent", sagte die Ministerin.

Das zeige, dass es allgemein eine große Zustimmung zur neuen Studienstruktur gebe. Ärger gebe es dort, wo Hochschulen nur das Etikett von Studiengängen verändert hätten, ohne die Inhalte zu reformieren. In den alten Magister- und Diplomstudiengängen habe es früher aber Abbrecherquoten von bis zu 80 Prozent gegeben.

sto/dpa/dapd
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