Uni Kassel AfD zieht in erstes Studentenparlament ein

Die AfD steckt im Chaos, doch ihre Nachwuchsorganisation feiert einen Erfolg: Zum ersten Mal übernimmt ein Vertreter der Jungen Alternative einen Sitz in einem Studentenparlament.
Hörsaal der Universität Kassel (Symbolbild)

Hörsaal der Universität Kassel (Symbolbild)

Foto: A3295 Uwe Zucchi/ picture alliance / dpa

An der Universität Kassel ist erstmals ein Vertreter der rechtspopulistischen Partei AfD in ein Studentenparlament gewählt worden. Die Junge Alternative (JA), die Jugendorganisation der AfD, erhielt einen Sitz.

Die Gruppe verkündete auf ihrer Facebook-Seite, sie sei bundesweit die erste, die einen JA-Vertreter in ein Studentenparlament schicke. Die Pressestelle der AfD bestätigte dies. Im Studentenparlament der Fernuni Hagen ist eine Gruppierung mit ähnlichem Namen vertreten, sie zählt aber offiziell nicht zur AfD.

Um sich den Sitz in Kassel zu sichern, benötigte die Junge Alternative nach den Zahlen des Asta  vergleichsweise wenige Stimmen. Denn an der Wahl hatten sich Ende Juni nur 3070 von insgesamt 22.906 Studenten beteiligt - das entspricht einer Wahlbeteiligung von 13,4 Prozent. Der Jungen Alternative reichten damit 113 Stimmen (4 Prozent), um künftig in der Hochschulpolitik mitzumischen.

Sorge um rechten Einfluss auf dem Campus

"Wir sehen das sehr kritisch", sagt Ben Seel, Vorstandsmitglied des Bündnisses "Zusammenschluss freier StudentInnenschaften" (fzs). "Hochschulen waren bisher nicht das Hauptkampffeld der AfD. Es waren zwar immer wieder Gruppen aktiv, die auf dem Campus Mitgliederakquise betrieben haben, aber die sind oft auch schnell wieder untergegangen. Ich fürchte, dass sich das jetzt ändern könnte."

Der fzs habe in seiner letzten Mitgliederversammlung beschlossen, in der Hochschulpolitik nicht mit AfD-Vertretern zusammenzuarbeiten, so Seel. Auch Vertreter von Kasseler Hochschulgruppen haben bereits angekündigt, dass sie den JA-Vertreter im Studentenparlament isolieren wollen.

Die AfD-Jugend in Kassel stehe selbst in der AfD sehr weit rechts, sagt Marcel Breidenstein von der Grünen Hochschulgruppe: "Eine Zusammenarbeit kommt für uns nicht infrage. Wir wollen der JA aber auch nicht die Möglichkeit geben, sich in eine Opferrolle zu begeben, sondern uns - soweit möglich - inhaltlich auseinandersetzen."

Raphaela Becker, zweite Vorsitzende des Asta der Uni Kassel, sieht den Erfolg der JA gelassen: "Wir müssen diese Wahl akzeptieren, mit einer Stimme kann die Gruppe am Ende ohnehin nichts reißen."

Die Junge Alternative hatte in ihrer Wahlkampagne Tausende Faltblätter verteilt, in denen sie verkündete, sie wolle "political correctness eine Absage" erteilen und "Gender-Ideologie in ihre Schranken weisen".

Ähnliche Ziele verfolgt die Afd-Hochschulgruppe in Düsseldorf. Sie hat den Verdacht, dass die Hochschulwahlen an der Heinrich-Heine-Universität Anfang Juli ihretwegen abgebrochen wurden - um einen Wahlerfolg zu verhindern. "Womöglich hofft man, dass man uns durch die Verschiebung des Wahltermins in das nächste Semester stoppen kann", schreibt die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite.

Studenten des Wahlausschusses geben formale Gründe dafür an,  dass die Wahl überraschend abgebrochen und verschoben wurde. Man sehe die "Richtigkeit der Wahl in Gefahr". Als Beispiele führen sie eine fehlende Nachprüfung der Wahlvorschläge und Unterstützungslisten an.

Wie es bundesweit mit der AfD weitergeht, bleibt abzuwarten. In der Partei herrscht gerade Chaos. Auslöser ist ein Machtkampf in der Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Nach Antisemitismus-Vorwürfen trat ein Abgeordneter zurück. Der Parteichef Jörg Meuthen hat eine neue Fraktion gegründet. In den Streit mischte sich die Bundesvorsitzende Frauke Petry ein, was wiederum zu Zwist mit ihrem Stellvertreter Alexander Gauland führte.

fok