Kinder an der Uni Knirpse fragen, Professoren antworten

Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm - jeden Dienstag hat die Universität Tübingen im Sommer Kinder zu Vorlesungen eingeladen. Der Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger, 75, sprach über Witze. Und lernte noch einige neue.


SPIEGEL:

In den vergangenen Wochen haben Professoren der Uni Tübingen Vorlesungen für Kinder gehalten. Durften die Kinder die Themen selbst bestimmen?

Kinder lernen nicht freiwillig, lesen nie? Papperlapapp!
DPA

Kinder lernen nicht freiwillig, lesen nie? Papperlapapp!

Bausinger: Nein, die haben wir uns vorher überlegt. Wir versuchen, den Kindern Warum-Fragen zu beantworten. Warum speien Vulkane Feuer, warum sterben wir, warum gibt es Männer und Frauen? Mein Thema war: Warum lachen wir über Witze? Ich habe mich auf diese Vorlesung sogar länger vorbereitet als üblich.

SPIEGEL: War das ein einmaliges Experiment?

Bausinger: Die Veranstaltungen sind so gut angekommen, dass wir die Reihe im nächsten Jahr mit Sicherheit fortsetzen werden.

SPIEGEL: Wie viele Kinder kamen jeweils in den Hörsaal?

Bausinger: 500 bis 800 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren bei jeder Vorlesung. Erst wurden Kinderstudentenausweise verteilt, dann die Eltern hinausgeschickt. Dann folgte ein 30minütiger Vortrag.

SPIEGEL: Was war das für ein Gefühl, vor so vielen Kindern zu dozieren?

Bausinger: Ich war ein bisschen nervös. Aber als ich eine halbe Stunde vor Beginn in den Hörsaal kam, saßen da schon 200 Kinder. Ich spürte sofort die freundliche Atmosphäre.

SPIEGEL: Was unterscheidet Kinder von Studenten?

Bausinger: Die Kinder sind interessierter, sie stellen mehr Fragen. Sie sind aufgeschlossener und sehr aufmerksam. Für sie ist der Uni-Besuch ein besonderes Erlebnis, für Studenten nicht mehr. Sie besuchen ja Woche für Woche ihre Vorlesungen.

SPIEGEL: Was haben Sie in der Vorlesung von den Kindern gelernt?

Bausinger: Sie haben mir Witze erzählt, die ich noch nicht kannte. Und manche habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht verstanden.




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