Klamme Unis Zu schüchtern beim Bildungsbetteln

In den USA umgarnen die Universitäten Spender und Sponsoren nach allen Regeln der Kunst und sammeln jedes Jahr Milliarden ein. Die deutschen Hochschulen sind dagegen eine Laienspielschar - bisher können nur wenige beim Fundraising auftrumpfen.

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Wenn beim Alumni-Treffen einer amerikanischen Hochschule der Spendenhut reihum wandert, liegen am Ende oft mehrere Millionen drin. Vor allem die privaten Nobel-Unis sind es, die das Fundraising längst stark professionalisiert haben: Sie beschäftigen vielköpfige Teams von (oft hochbezahlten) Experten und unterhalten ganze Abteilungen nur für das Einsammeln von Spenden. Sie laden ihre Absolventen zu Campus-Ereignissen ein und umgarnen sie zum Beispiel in der VIP-Lounge beim Heimspiel des College-Basketballteams. Sie baggern ohne Unterlass bei Unternehmen, denn oft sitzen in den Chefetagen erfolgreiche Absolventen, die ihre einstige Alma mater nur zu gern unterstützen.

Gute US-Hochschulen - private wie staatliche - können mit ihren Pfunden wuchern. Schon die Studieninteressenten sollen einen guten Eindruck bekommen. Um Erstsemester kümmern die Colleges sich rührend, verwöhnen die Studenten und Doktoranden mit erstklassiger Betreuung, helfen ihnen auch beim Berufsstart nach Kräften. An den besten Unis sind die Dozenten stets gesprächsbereit und sehen die Studenten als Bereicherung, nicht als lästigen Sand im Forschungsgetriebe. Zusammenhalt ist die Folge und zugleich die frohe Botschaft, die wiederum emsig unters Uni-Volk gestreut wird: "We are family".

So viel Einsatz zahlt sich für die Hochschulen aus. Sie verkaufen nicht nur erfolgreich Uni-Devotionalien vom T-Shirt bis zur Kappe, alles mit ihrem Logo. Auch die Ehemaligen sind stolz auf ihre akademischen Wurzeln, geben daher viel und gern. Auf 540 Millionen Dollar summierten sich die Spenden im Haushaltsjahr 2003/2004 allein an der Universität Harvard, weltweit der Krösus unter den Hochschulen. Auch andere private Unis wie Stanford (425 Millionen Dollar) oder Cornell (386 Millionen) räumten ab. Insgesamt nehmen amerikanische Hochschulen rund 24 Milliarden Euro jährlich ein.

Unfassbare Summen für deutsche Hochschulen, die von solchem Reichtum nur träumen können. Bisher sind sie beim Sammeln privater Gelder ziemlich erfolglos. In einer neuen Studie gaben 65 Hochschulen Auskunft über ihre Fundraising-Aktivitäten im Jahr 2003. Demnach nahmen die Universitäten im Schnitt lediglich 1,5 Millionen Euro aus privater Hand ein, bei den Fachhochschulen waren es 91.000 Euro. Die Zuwendungen stammten in erster Linie von Unternehmen, Stiftungen und vermögenden Privatpersonen. Dagegen sind die Spenden der Alumni, der Absolventen, kaum der Rede wert.

Mannheim, München, Heidelberg punkten

Das "Bildungsbetteln" betrieben die Hochschulen nur "zögerlich und laienhaft", folgerte die "Zeit". Die Wochenzeitung hat die Untersuchung gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung und dem Deutschen Fundraising-Verband erstellt. Anders als in den USA verstehen die deutschen Rektoren und Präsidenten Fundraising selten als Chefsache, generell hapert es an kundigem Personal. Knapp die Hälfte der 65 befragten Hochschulen beschäftigt keinen einzigen Mitarbeiter speziell für diese Aufgabe, nur sieben haben dafür mehr als eine Stelle.

Bei all der Tristesse und Zaghaftigkeit orteten Petra Giebisch und Markus Langer, die Autoren der Studie, auch einige Lichtblicke. Zum Beispiel an der privaten Universität Witten/Herdecke: Sie ist stark auf private Zuwendungen angewiesen, verfügt über acht Stellen im Fundraising und arbeitet erfolgreich - mit 11,6 Millionen Euro Einnahmen, somit gut ein Drittel des Gesamtetats. Die ebenfalls private WHU in Vallendar kam auf stattliche 6,6 Millionen Euro.

Hochschulen mit technischem oder wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt tun sich beim Buhlen um Spender generell leichter, weil die Kontakte zu Unternehmen enger sind. Bei den staatlichen Universitäten trumpfen die TU München sowie die Unis in Mannheim und Heidelberg auf. Mannheim, keine der Mammut-Hochschulen, ragt mit den höchsten Einnahmen pro Student heraus, sammelte 2003 aus privater Hand insgesamt 13,6 Millionen Euro ein und ist damit klarer Spitzenreiter. An der TU München waren es 7,6, an der Universität Heidelberg 7,4 Millionen Euro. Bei den Fachhochschulen kam allein die Technische FH Stuttgart auf mehr als eine Million Euro, bei den meisten blieben die jährlichen Einnahmen unter 100.000 Euro.

Meist sei das Spendensammeln an den erfolgreichen Hochschulen zentral koordiniert, heißt es in der Untersuchung.
Insgesamt erreicht der Anteil der Mittel aus Fundraising aber nur in Ausnahmefällen mehr als fünf Prozent am Gesamtetat einer Hochschule. "Ein professionelles Fundraising braucht Fachwissen, Geld und Leidenschaft. An deutschen Universitäten fehlt - bis auf wenige Ausnahmen - alles", resümiert die "Zeit".

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