Klippensprung-Ass Anna Bader "Wie ein Tanz auf dem Drahtseil"

Ist es nur für den Kick, für den Augenblick? Anna Bader, Dreifach-Europameisterin im Klippenspringen, stürzt sich verwegen aus 20 Metern in die Tiefe. Derzeit springt die Studentin auch von Hamburger Segelmasten, Kränen, aus Fenstern - spektakulär hinein ins Hafenwasser.

Von Roman Höfner und


Anna Bader ist 24 und studiert in Mainz. Ihr Alltag ist unspektakulär, wenn sie Seminare in Anglistik, Hispanistik und Geografie besucht. Aber es gibt ein Leben neben der Uni, und das ist ganz anders. Für Anna hält es immer neue Herausforderungen bereit: Als Klippenspringerin hat sie schon dreimal den Titel als Europameisterin abgeräumt, trainiert dafür viel und ist ständig auf Reisen.

Derzeit ist Anna Bader in Hamburg zu Gast. Ein Hersteller von Energiegetränken veranstaltet diese Woche im Hafengebiet einen "Diving Contest". Das Finale beginnt am Samstag um 18.30 Uhr, die Teilnehmer werden sich vom schönen Hamburger Museumsschiff Rickmer Rickmers in die Tiefe stürzen. "Diesmal springen wir nicht von Felsen, sondern von Segelmasten", freut sich Anna schon.

Aber auch das Programm der letzten Tage hatte es bereits in sich. So sprangen sechs der weltbesten Klippenspringer, darunter der neunfache Weltmeister Orlando Duque aus Kolumbien, am Dienstag aus 22,5 Metern Höhe in ein Fleet der Speicherstadt. Dort ist das Wasser normalerweise nur drei bis vier Meter tief, die Veranstalter hatten darum extra den Wasserstand erhöht. Etwa 500 Schaulustige waren bei den Sprüngen von Anna Bader und ihren Kollegen dabei.

Mit 90 Stundenkilometern in die Tiefe

Mittwoch folgten Sprünge vom Schiffskran am Unikai des Hamburger Hafens und von Bord eines israelischen Containerfrachters; die Springer drehten ihre Salti und Schrauben aus bis zu 25 Metern Höhe. Noch höher hinaus, bis zu 27 Meter, ging es am Donnerstag bei Einzel- und Synchronsprüngen von Museumskränen.

Solche Sprünge sorgen für einen Adrenalin-Kick, sie sind alles andere als ungefährlich. Mit 90 Stundenkilometern geht es dem Wasser entgegen, zwei Sekunden bleiben für waghalsige Akrobatik in der Luft. Die Springer müssen möglichst kerzengerade mit gestreckten Füßen zuerst eintauchen, damit sie keine schweren Verletzungen davontragen.

"Es ist ein Tanz auf dem Drahtseil", sagt Anna Bader, die bei einem Sprung aus 21 Metern Höhe schon einmal mit dem Rücken aufgeschlagen ist und mit Prellungen davonkam, aber eine Weile pausieren musste. Der Sport verlangt Mut, dazu perfekte Körperbeherrschung und volle Konzentration.

Anna Bader begann ihre sportliche Karriere mit 13 Jahren als Turnerin, mit 16 hatte sie es bereits in die Nationalmannschaft der Kunst- und Turmspringer geschafft. Doch das ist eine ganz andere Sportart: "Beim Klippenspringen hat man viel mehr Freiheit", sagt Anna, es geht deutlich höher hinaus, zudem sind Klippenspringer eine international verschworene Gemeinschaft.

Die Schule kann warten

Vom großen Zusammenhalt schwärmt Anna Bader besonders, auch von ihren vielen Reisen im Training und zu Wettkämpfen. Das ermöglicht ihr das "Abschalten vom Alltag, eine ganz andere Perspektive".

Für Sprünge von Klippen oder Brücken fährt sie mit den Springerkollegen in die Schweiz, nach Frankreich oder Spanien und trainiert ansonsten in der Schwimmhalle. In Mainz gibt es allerdings nur einen kleinen Turm, die nächsten Zehn-Meter-Bretter findet sie in Aachen oder Frankfurt am Main.

Anna Bader möchte jetzt zunächst ihr Studium abschließen. Aber sofort Referendarin und dann Lehrerin werden, das ist nicht ihr Plan, zu sehr genießt sie die Freiheit, die Reisen, das Prickeln bei großen Sprüngen.

"Erst mal konzentriere ich mich auf den Sport", sagt Anna. Auf die Mainzer Studentin warten noch viele Wettkämpfe und Showauftritte - "da lasse ich mich überraschen, was das Leben mir anbietet."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.