Konfuzius-Institute an deutschen Unis Kultur aus Peking - unter Aufsicht der Partei

Konfuzius-Institute sollen die chinesische Sprache und Kultur an deutschen Unis fördern. Sie sind direkt der Regierung unterstellt. Kritiker werfen ihnen vor, Propaganda aus Peking zu verbreiten.
Sekretariat an der Tür des Konfuzius-Instituts der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

Sekretariat an der Tür des Konfuzius-Instituts der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

Foto: Matthias Balk/ DPA

Sprachkurse und Filmvorführungen, Kalligrafie- und Kochkurse, Vorträge, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Kurse in traditioneller Medizin. All das gehört zum Portfolio der sogenannten Konfuzius-Institute, die die chinesische Regierung in den vergangenen Jahren im Ausland eröffnen ließ.

19 solcher Institute gibt es in Deutschland. Sie sollen helfen, die chinesische Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten. Und sie sind - zumindest im Westen - teilweise sehr umstritten.

Der FDP-Bildungsexperte Jens Brandenburg warnte davor, dass die chinesische Regierung über die Institute Einfluss an deutschen Hochschulen nehmen könnte: "Hinter scheinbar harmlosen Teezeremonien und Sprachkursen versteckt sich die eiskalte Propaganda eines autoritären Regimes. Die direkte Einflussnahme der Kommunistischen Partei Chinas auf Lehrangebote an deutschen Hochschulen ist ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit", teilte er mit.

Die Konfuzius-Institute werden von der chinesischen Kulturorganisation Hanban geleitet. Diese sei dem Bildungsministerium zugeordnet und der Zentralen Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei Chinas unterstellt, schrieb die Bundesregierung in dieser Woche in ihrer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.

Anders als andere ausländische Kulturinstitute wie die Alliance française oder das spanische Instituto Cervantes ist die chinesische Variante zudem meist an eine Hochschule im Gastland angegliedert und oft auf deren Gelände untergebracht.

Mehr als 500 Institute weltweit

Es ist offensichtlich, dass der chinesische Staat große Anstrengungen unternimmt, um neben seinem politischen und ökonomischen Gewicht auch seinen kulturellen Einfluss auszubauen. 2004 wurde in Seoul das erste Konfuzius-Institut eröffnet. Inzwischen sind es mehr als 500 weltweit. Die Arbeit der Institute fokussiere sich auf den "Aufbau der sozialistischen Kultur", urteilt die Bundesregierung. Man verfolge diese Entwicklung.

Klar ist auch, dass die chinesische Seite mit der betreffenden deutschen Hochschule eine Vereinbarung trifft, wenn ein neues Institut gegründet werden soll. Diese dürften individuell verschieden sein. Was genau drinsteht, ist undurchsichtig. "Die vertraglichen Grundlagen der Zusammenarbeit wurden bisher in keinem Fall öffentlich gemacht", stellt die Bundesregierung fest.

Unterschiedliche Signale

Aus den Hochschulen kommen unterschiedliche Signale, was die Zusammenarbeit mit den Instituten betrifft. Üblicherweise sind sie hierzulande eingetragene Vereine. An der Universität Duisburg-Essen wird es von einem Direktorium geleitet, das nach eigenen Angaben über die inhaltliche Ausrichtung sowie die einzelnen Veranstaltungen und Projekte entscheidet.

Das Gremium besteht aus zwei deutschen Professoren und einer chinesischen Professorin. Letztere werde von der Partneruniversität in Wuhan entsandt, wenn die deutsche Seite dem Personalvorschlag zustimme, teilte die Hochschule auf Anfrage des SPIEGEL mit.

Das Institut und seine derzeit 15 Mitarbeiter nähmen keinen Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit der Universität, heißt es. Vielmehr sei ihre Rolle, mit Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige Verständnis zu leisten. Das Institut lege Wert auf eine kritische Begleitung der aktuellen Entwicklungen in China.

"Eine Einflussnahme seitens der chinesischen Regierung auf den Universitätsbetrieb können wir in aller Deutlichkeit ausschließen", sagte auch Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg, die ebenfalls mit einem Konfuzius-Institut kooperiert.

Keine Einrichtungen der Forschung und Lehre

Die Universität Hamburg teilte hingegen mit, man fahre die Kooperation mit dem dortigen Konfuzius-Institut seit 2017 kontinuierlich zurück. Beteiligte Hochschulen würden von chinesischer Seite aufgefordert, die Institute mitzufinanzieren. "Dies ist aus Sicht der Hochschule problematisch", hieß es. Die Institute seien keine Einrichtungen der universitären Forschung und Lehre und dürften als solche eigentlich von deutschen Hochschulen nicht subventioniert werden.

Bei allem offiziellen Fokus auf Kultur und Sprache spielt die Politik mitunter auch eine Rolle an den Instituten, wie ein Beispiel aus Hamburg zeigt: Dort wurde 2015 der damalige stellvertretende Geschäftsführende Direktor des Instituts nach China zurückbeordert, wie die Universität mitteilt. Das Institut hatte kurz zuvor eine Veranstaltung mit Zusammenhang zum Massaker beim Tiananmen-Platz 1989 durchgeführt.

In der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf heißt es, man habe den Kooperationsvertrag mit dem Institut zum April 2020 beendet. Eine Einflussnahme auf den Hochschulbetrieb habe man zwar in den vergangenen Jahren nicht beobachtet, sagte ein Sprecher. Doch der Verein habe mit seinem Angebot für Sprachkurse keine wissenschaftlichen Aufgaben erfüllt und könne seinen Status als sogenanntes An-Institut deswegen nicht länger behalten.

Heftige Kritik in den USA

In den USA fällt die Kritik an den insgesamt mehr als 80 dortigen Konfuzius-Instituten heftiger aus. Dort hatte ein Ausschuss des US-Senats zum Jahresbeginn einen Bericht  veröffentlicht, in dem er kritisierte: Kulturelle Veranstaltungen an den Instituten stellten China als "nahbar und sympathisch" dar und seien nur selten kontrovers.

Zudem würden chinesische Lehrkräfte, die an den Instituten arbeiten wollen, einen Vertrag mit der chinesischen Regierung unterzeichnen. Darin müssten sie versichern, dass sie die "nationalen Interessen Chinas" wahren. "Solche Einschränkungen versuchen, Chinas Zensur des politischen Diskurses zu exportieren", schreiben die Autoren des Berichts.