Konzern-Uni in den Startlöchern Studienbeginn schon im Herbst

In Berlin wollen einige große Unternehmen eine eigene Elitehochschule der Wirtschaft gründen. Die ESMT soll international in der Top-Liga mitspielen, der Lehrbetrieb bereits im Oktober anfangen. Doch bislang hadern die Konzernchefs noch mit der Berliner Bürokratie.


Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte: Die Wunschherberge der Konzerne
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Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte: Die Wunschherberge der Konzerne

Mit Kritik an den staatlichen Hochschulen sparen die Verbände der deutschen Wirtschaft selten. Zu theorielastig und zu behäbig, zu bürokratisch und zu langsam - an der akademischen Ausbildung lassen die Konzern-Kapitäne kein gutes Haar. Bisher waren sie allerdings kaum bereit, größere Summen in eigene Projekte zu investieren. Private Hochschulen wurden in den letzten Jahren zwar reihenweise gegründet. Aber weil fast alle große Mühe haben, ihre Angebote zu finanzieren, erheben sie teils horrende Studiengebühren und kassieren überdies durchweg Zuschüsse vom Staat.

Nun wollen einige große Unternehmen eine eigene Elitehochschule in Berlin starten, die "European School for Management & Technology" (ESMT). Forciert haben das Prestigeprojekt die Vorstandsvorsitzenden der Konzerne Allianz, DaimlerChrysler, E.ON und ThyssenKrupp. Rund 30 weitere deutsche Unternehmen sollen ebenfalls beteiligt sein, darunter die Deutsche Bank, Siemens, BMW, Bertelsmann, SAP und die Deutsche Telekom.

Klotzen statt kleckern: 100 Millionen Euro Stiftungskapital

In die Karten schauen lassen wollten sich die Planer zunächst nicht und hielten sich mit konkreten Informationen lange bedeckt. Auf Journalisten-Anfragen hieß es stets, das sei "nicht der richtige Zeitpunkt" oder man wolle "sich nicht an Spekulationen beteiligen".

Inzwischen ist klar, dass die ESMT mit einem ansehnlichen Stiftungskapital von rund 100 Millionen Euro ausgestattet werden soll. Daran beteiligt sich nach Informationen der "Berliner Zeitung" auch die gemeinnützige Hertie-Stiftung. Jährlich soll das Stiftungskapital Zinseinnahmen von vier bis sechs Millionen Euro für den Lehrbetrieb abwerfen.

Als Studenten will die Nobelhochschule hoch qualifizierte Interessenten aus deutschen Unternehmen sowie internationale Bewerber aufnehmen, die in der Unterrichtssprache Englisch den Master of Business Administration (MBA) erwerben können. Für die Ausbildung soll die Stiftung allerdings nicht allein aufkommen - geplant sind Studiengebühren in einer international üblichen Höhe. Zu den Vorbildern zählen die Harvard Business School und das elitäre Insead-Institut in Fontainbleu bei Paris, wo jeder Studenten für ein zehnmonatiges Studium 35.000 Euro zahlen muss.

Wie die "Berliner Zeitung" am Mittwoch berichtete, sollen rund 60 Top-Professoren an der Hochschule lehren. Neben Betriebswirtschaft und Technologiemanagement stehe Wirtschaftsethik auf dem Studienplan.

Eiertanz um den Standort

Um den Sitz gab es monatelanges Gerangel. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber schien wild entschlossen, das Prestigeprojekt in den Freistaat zu locken. Nun muss München sich jedoch mit einem "ESMT-Kompetenzzentrum" bescheiden. Den Zuschlag für die Hochschule erhielt bereits vor einigen Wochen Berlin - alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus frohlockten über die Entscheidung, Stoiber grämte sich.

Noch suchen die Initiatoren nach einem repräsentativen Platz im Herzen der Stadt. Ins Auge gefasst haben sie das ehemalige Staatsratsgebäude. Dort residierte einst ausgerechnet Erich Honecker, zwischenzeitlich aber auch Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die DDR-Symbolik scheint die Wirtschaftsbosse nicht weiter zu stören - Hauptsache, der Preis stimmt. Zum Sonderkurs von einem Euro wollen die Wirtschaftsbosse die schmucke Immobilie dem Bund abkaufen und alle weiteren Kosten der Elitehochschule selbst tragen. Ob sie das Gebäude bekommen, ist noch offen. Es sei bereits für andere Zwecke reserviert, meint Berlins Kultursenator Thomas Flierl.

Die ersten Beobachter befürchten bereits, dass sich das Projekt in der Hauptstadt-Bürokratie verheddern könnte: "Das ist wie bei Kafka", sagte ein Insider gegenüber der "Berliner Zeitung", "es hakt in den Niederungen der Tagespolitik."



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