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25. Februar 2011, 13:25 Uhr

Kopier-Minister

Zweite Guttenberg-Arbeit unter Verdacht

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Den Doktortitel ist er los, aber die Plagiatejäger lassen nicht locker: Auch in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz zur Beziehung zwischen der Türkei und der EU soll Karl-Theodor zu Guttenberg Fremdpassagen übernommen haben, ohne die Urheber zu nennen. Sein Büro wiegelt ab.

Guttenberg, die Zweite: Internetaktivisten, die auf der Plattform GuttenPlag in den vergangenen Tagen schon die Doktorarbeit des Verteidigungsministers seziert und zahlreiche Ungereimtheiten aufgedeckt hatten, nehmen sich jetzt eine zweite Veröffentlichung vor. 2004 hatte der damalige Bundestagsabgeordnete Guttenberg für die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung eine schmale 29-Seiten-Analyse zu den "Beziehungen zwischen der Türkei und der EU" verfasst. Die Veröffentlichung ist in einer Reihe mit politischen Analysen der Stiftung erschienen und steht unter der Signatur 00/ML 9384 G985 auch in der Universitätsbibliothek Bayreuth.

Auch in diesem Bändchen finden sich Passagen, die mit minimalen Änderungen aus anderen Quellen übernommen wurden, etwa mehrere Absätze aus einem Strategiepapier der Europäischen Kommission. Guttenberg benutzt hier immer wieder eingestreute Anführungszeichen und kurze Zitate von Textfragmenten. So entsteht der Eindruck, er fasse in seinem Text eine längere Argumentation der Kommission zusammen, in Wahrheit jedoch hat er nur die Verben in den Konjunktiv umgewandelt, ansonsten aber nahezu wortgleich abgeschrieben.

Neben der EU-Kommission nutzt Guttenberg dabei auch Ideen aus einem Diskussionspapier dreier Unionsbundestagsabgeordneter als Quelle - wiederum, ohne wörtliche Übernahmen zu kennzeichnen.

Frappierende Ähnlichkeit

So heißt es bei Guttenberg etwa auf Seite 14 zu politischen und administrativen Veränderungen in der Türkei:

Beim Blick ins Strategiepapier der EU-Kommission "Die Erweiterung fortsetzen" vom 5.11.2003 wird klar, dass es sich hier um die Vorlage handelt:

Weitere Passagen in der Broschüre wurden nach dem selben Muster übernommen. Ein GuttenPlag-Rechercheur berichtet von einer Übereinstimmungsquote von 47 Prozent zwischen der Hanns-Seidel-Studie und anderen Quellen im Internet. Und eine 19-seitige Analyse mit dem Software-Tool "PlagScan", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, zählt 416 plagiatsverdächtige Fundstellen in Guttenbergs Aufsatz auf - darunter allerdings auch etliche, bei denen sich die Übereinstimmung nur auf kurze Halbsätze und Formulierungen bezieht.

Keine wissenschaftliche Arbeit

Auch handelt es sich bei der Türkei-Analyse nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern "um einen redaktionellen Text", heißt es in Guttenbergs Abgeordnetenbüro auf Nachfrage. In einer Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte ein Sprecher: "Bei redaktionellen Texten werden Fußnoten lediglich dann gesetzt, wenn es redaktionelle Zusätze oder ähnliches gibt. So ist es hier geschehen." Im Übrigen seien alle Quellen im angehängten Literaturverzeichnis angegeben.

Außerdem, so die Erklärung weiter, könne es sich nicht um ein Plagiat handeln, denn bei den auffälligen Textstellen gehe es "um Fundstellen aus frei verfügbaren Texten der Europäischen Kommission bzw. des Rates. Es sind vorwiegend Zwischenberichte oder Mitteilungen der Europäischen Kommission bzw. Beschlüsse des Rates. Es ist davon auszugehen, dass diese als amtliche Werke (...) nicht dem Urheberschutz unterliegen. Von einem Plagiat kann daher auch aus diesem Grund keine Rede sein."

Juristisch vielleicht nicht - ein Geschmäckle hat der Vorgang dennoch.

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