Korruptionsverdacht Doktortitel gegen Geld

Gegen einen Juraprofessor der Universität Hannover wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Er steht im Verdacht, für die Betreuung von Doktoranden 51.000 Euro kassiert zu haben. Außerdem soll er eine Studentin, bei der er wohnte, bei der Notengebung bevorzugt haben.


Gleich mehrere Studentinnen wendeten sich an die Frauenbeauftragte der Universität Hannover. Alle erzählten das gleiche: Der Professor der Rechtswissenschaften habe sie belästigt. Einer Studentin habe er sogar einen Job an seinem Lehrstuhl angeboten - gegen körperliche Zuwendung. Die Studentin wies das Angebot empört ab.

Die Universität Hannover erstattete bereits im Herbst 2004 Strafanzeige. Denn nicht nur die Belästigungen warfen ein schlechtes Licht auf den Akademiker: Ein Beratungsunternehmen aus Bergisch Gladbach soll dem Juraprofessor Doktoranden vermittelt haben, die die formalen Voraussetzungen für eine Promotion nicht erfüllten. Der Professor soll sie trotzdem betreut und dafür 51.000 Euro von der Beratungsfirma erhalten haben, erklärte Oberstaatsanwalt Jürgen Lendeckel. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die finanzielle Situation des Juraprofessors als "angespannt".

Wegen Bestechung und wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen wird außerdem gegen die Studentin ermittelt, die bei dem Professor als studentische Hilfskraft arbeitete. Der Akademiker wohnte auch bei ihr. Die Studentin soll Klausuren erstellt haben, die sie selbst noch schreiben musste und die Lösungen im Freundeskreis verbreitet haben.

Mit zwei Staatsanwälten und mehreren Beamten wurden am gestrigen Donnerstag neben dem Büro des Professors an der Universität auch Wohnungen und Geschäftsräume in Hamburg und Bergisch Gladbach durchsucht. Dabei wurden Unterlagen und Dateien beschlagnahmt, die nun ausgewertet werden müssen, erklärte Oberstaatsanwalt Lendeckel. Die Universität Hannover prüft nun, ob weitere rechtliche Schritte gegen den Professor möglich sind und erwägt Presseberichten zufolge, ihn vom Dienst freizustellen. "Das ist allein Sache des Dienstherren", betont Lendeckel. Allen Beschuldigten drohen Freiheitsstrafen, sollte sich der Verdacht bestätigen.



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