Krach an der Hochschule Darmstadt Alle gegen Maria

Studenten und Professoren der Hochschule Darmstadt wollen ihre Präsidentin loswerden: Der Senat forderte sie bereits zweimal zum Rücktritt auf. Präsidentin Maria Overbeck-Larisch sagt nur, dass sie bleibt - und verbietet allen anderen den Mund.

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Sie will einfach nicht aufgeben. Zum zweiten Mal in sechs Wochen hat sich der Senat der Hochschule Darmstadt (HDA) gegen seine Präsidentin Maria Overbeck-Larisch gestellt. Mit 15 zu 2 Stimmen forderte das Gremium am Dienstag die Präsidentin zum Rücktritt auf. Damit ist der Senat erneut mit einem Angriff auf die Präsidentin gescheitert.

Umstritten: Maria Overbeck-Larisch, Präsidentin der Hochschule Darmstadt
Hochschule Darmstadt / Britta Hüning

Umstritten: Maria Overbeck-Larisch, Präsidentin der Hochschule Darmstadt

Overbeck-Larisch, die die Sitzung des Hochschulgremiums leitete, verließ den Saal vor der Abstimmung aus Protest gegen die geplante Resolution. Über die Pressestelle ließ die angeschlagene Präsidentin am Mittwoch vermelden, sie werde dem Rücktrittsgesuch nicht nachkommen. Sie habe alle Argumente vorsichtig abgewogen, ihr Rücktritt hätte "für die Hochschule gravierende negative Konsequenzen".

Weil eine Resolution aber nur eine Aufforderung ist, konnte die Präsidentin diese schlicht zurückweisen. Anders lag der Fall vor sechs Wochen: Damals hatte ein Professor der Darmstädter Fachhochschule ein offizielles Abwahlverfahren eingeleitet. Die Abstimmung endete mit elf zu vier für die Entlassung, bei zwei Enthaltungen. Die seit 2003 amtierende Hochschulleiterin war damit so gut wie aus dem Amt.

Honoratiorenrunde bremste Hochschulsenat aus

Aber nur so gut wie. Das Honoratiorengremium der Fachhochschule, ein vom Präsidium und vom Wissenschaftsministerium bestellter Hochschulrat, verhinderte die Abwahl der Hochschulchefin. Overbeck-Larisch wusste damit trotzdem die Mehrheit ihrer Mitarbeiter gegen sich. Im Senat sitzen neun Professoren, fünf Studenten und drei Mitarbeiter der Hochschule, die sich jetzt zum zweiten Mal mit klarer Mehrheit gegen sie aussprachen. Allein die Intervention des Hochschulrates rettete die wankende Leiterin der Hochschule.

Nach der jüngsten Attacke auf ihre Amtsführung hält die Präsidentin jetzt eine Vermittlung "für nicht mehr vorstellbar". Auch Sebastian Lang, einer der studentischen Vertreter im Senat der Hochschule, sagt, dass "kein Vertrauen mehr zwischen Präsidium und Senat besteht".

Welche Probleme der Senat genau mit seiner Präsidentin hat, dazu möchte Lang sich nicht äußern. Schon beim Abwahlversuch im Mai führte der Senat recht allgemein "mangelhafte Kommunikation" und "Unfähigkeit" der Präsidentin ins Feld. Overbeck-Larisch bemängelt, es sei bisher "kein einziges Beispiel für die im Abwahlantrag erhobenen Vorwürfe benannt" worden - freilich ohne die Vorwürfe selbst zu nennen.

Will der Senat die Präsidentin also aus fadenscheinigen Gründen loswerden? In der vergangenen Woche hatte Overbeck-Larisch zumindest eine Kostprobe gegeben, wie autoritär sie ihre Hochschule zu führen versteht. Sie ließ den Mitarbeitern durch ihre Kanzlerin Ellen Göbel Gespräche mit der Presse verbieten. In dem Brief der Kanzlerin stand, der "konstruktive Prozess" solle "nicht durch eine in der Öffentlichkeit geführte Diskussion gestört" werden, meldete das "Darmstädter Echo" Ende Juni.

Präsidentin verhängte ein Redeverbot

"Das war klar ein Maulkorberlass", sagt dazu Lang, der im Senat über die Anträge gegen die Präsidentin mitentschieden hat. Dem widerspricht Pressesprecher Martin Wünderlich: "Die Präsidentin lässt in dem Schreiben auf die gesetzlichen Bestimmungen hinweisen." Mit der Presse spreche nur "die Präsidentin oder ihr Beauftragter", so Wünderlich zu SPIEGEL ONLINE.

Auf "gesetzliche Bestimmungen" verweisen Hochschulchefs gerne, wenn ihnen intern Kritik entgegenschlägt. Wie ein Beispiel aus Hamburg aus dem Mai 2007 zeigte, genügt manchmal schon die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation, um den Zorn der Hochschulleitung auf sich zu ziehen. Dort hatte sich eine Geschichtsdozentin sehr allgemein über die prekäre Lage von Lehrbeauftragten im Fernsehen beschwert. Es folgte die Absage ihres Seminars durch die Universität Hamburg. Begründung: Bei heiklen Fragen müsse die Universität einheitlich auftreten. Pluralismus? Fehlanzeige.

Fortsetzung folgt ... - nach der Sommerpause

Das Verhältnis zwischen Leitung und Mitarbeitern ist schon seit längerem gestört. Bernhard May, Professor für Kunststofftechnik an der Hochschule Darmstadt, galt unter Studenten als umgänglich, Senatsstudent Lang nennt ihn einen "Ansprechpartner der Studierenden". Sieben Monate nach Mays Wiederwahl zum Vizepräsidenten trat dieser wegen "unüberbrückbaren Differenzen" mit der Hochschulleitung im August 2007 zurück. Overbeck-Larisch zeigt sich in einer schriftlichen Mitteilung "über die Art und Weise des Rücktritts bestürzt".

Vor Oktober wird sich im Ringen um die Macht in der Darmstädter Hochschule nichts mehr tun, so Senatsstudent Lang. Er vermutet, die Präsidentin wolle sich jetzt erst einmal "in die Sommerpause retten". Erst dann könne der Senat wieder zusammentreten und weitere Schritte unternehmen. Welche das sein sollen, weiß Lang noch nicht - "ich habe keine Kristallkugel." Er könne nur sagen, dass 2009 das Präsidium neu gewählt werde.



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