Kritik an Uni-Professoren Wissenschaftsrat rügt Vorlesungsniveau

Schlechte Studentenbetreuung, schwache Vorlesungen: Der Wissenschaftsrat hat die Lehrqualität an deutschen Unis hart kritisiert. Professoren seien "weitgehend Autodidakten", bemängeln die Experten. SPIEGEL-Informationen zufolge fordern sie über eine Milliarde an zusätzlichen Mitteln.


Hamburg - Schlechtes Zeugnis vom wichtigsten Beratungsgremium für die Wissenschaftspolitik: Der deutsche Wissenschaftsrat sieht die Lehre an den deutschen Hochschulen vernachlässigt. Informationen des SPIEGEL zufolge kritisiert der Rat in seiner neuesten Stellungnahme, dass die Lehre an den Hochschulen einen wesentlich geringeren Stellenwert habe als die Forschung. Das Papier soll am Montag offiziell veröffentlicht werden.

Vorlesung an der Uni Tübingen: Profs sind "weitgehend Autodidakten"
DDP

Vorlesung an der Uni Tübingen: Profs sind "weitgehend Autodidakten"

Besonders hart geht das Gremium mit der Qualifikation der Professoren ins Gericht. Die Hochschullehrer seien "weitgehend Autodidakten" und bedürften einer "professionell durchgeführten Aus- und Weiterbildung", heißt es in dem Dokument. "Selbst eine offensichtliche Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung wird allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert".

Noch immer hänge die Karriere eines Wissenschaftlers fast ausschließlich von seinen Forschungsleistungen ab: "Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen."

Der Wissenschaftsrat fordert deshalb zusätzliche 1,104 Milliarden Euro pro Jahr für die Lehre an deutschen Unis: "Allein mit dem Appell an mehr Engagement der Lehrenden ist es nicht getan, es braucht vielfältige institutionelle Anstrengungen - und es braucht auch mehr Geld", erklärte der Wissenschaftsratsvorsitzende Peter Strohschneider.

Unter anderem sollten damit mehr Professorenstellen geschaffen werden, vor allem in den Sprach- und Kulturwissenschaften, sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Für diese Fächer fordere der Wissenschaftsrat einen Zuwachs um 33 Prozent, für andere Fächer um zehn Prozent. Zudem seien Lehr-Professuren nötig, die zwölf Stunden anstelle der üblichen acht oder neun Stunden unterrichten müssten.

Der deutsche Wissenschaftsrat, der 1957 gegründet wurde, berät die Bundesregierung und die Landesregierungen in Fragen von Hochschule, Wissenschaft und Forschung und spricht regelmäßig Empfehlungen aus.

amz/AP



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