Küchenphilosophie "Das Rauchverbot ist ein Riesenfortschritt"

Sachverständige, Wirtschaftsweise, Experten: Bei Streitthemen kommen alle zu Wort. Nur Studenten fragt niemand nach ihrer Meinung. Fast niemand - der UniSPIEGEL hört neuerdings den WG-Rat in der Wohnheimküche an. Folge eins: das Rauchverbot.

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Heidelberg, Neuenheimer Feld 135. Das nagelneue Studentenwohnheim versteckt sich zwischen den klotzigen Gebäuden des Universitätsklinikums auf dem naturwissenschaftlichen Campus. Wenige Meter entfernt fließt träge der Neckar vorbei, am gegenüberliegenden Ufer ist das Puppenstuben-Panorama der Altstadt und des Heidelberger Schlosses zu sehen. Im zweiten Stock teilen sich seit September 2007 Emmanuelle Sané, Veronica Zilli, Leonard Burtscher und Lars Dittrich eine Wohnung. Die Mitbewohner versammeln sich gern und häufig in der Küche. Ihre Bewerbung überzeugte unter den vielen Einsendungen beim WG-Rat-Wettbewerb des UniSPIEGEL (05/2007) vom vergangenen Herbst am meisten: Bei vier Herkunftsländern und vier grundverschiedenen Studienfächern können eigentlich keine Fragen offenbleiben, oder? Also los: Was ist vom Rauchverbot zu halten?

UniSPIEGEL: Wer an diesem Tisch ist Raucher und muss nun häufig draußen bleiben? Allgemeines Kopfschütteln. Unser WG-Rat besteht also aus vier Nichtrauchern.

UniSPIEGEL: Nicht einmal ein Ex-Raucher dabei, nie probiert?

Veronica: Ich habe zu Schulzeiten ein paarmal geraucht, so mit 15 oder 16 Jahren. Aber ich mochte es nicht.

Leonard: Mir wurde schon als Kind gesagt, dass es später einmal nicht leicht sein würde, damit aufzuhören. Das habe ich mir gemerkt.

UniSPIEGEL: Dann begrüßt ihr sicherlich die neuen Regelungen, oder?

Emmanuelle: Ich finde das gut. Nur sammeln sich jetzt vor manchen Uni-Gebäuden so viele Raucher, dass es auch wieder störend ist. Wer die Uni-Bibliothek betritt, muss sich durch eine regelrechte Wolke an der Eingangstür hindurchkämpfen.

Lars: Irgendwo müssen die Leute ja rauchen. Wenn sie es drinnen nicht mehr dürfen, dann eben draußen.

Emmanuelle: Mich nervt es, wenn sich jemand an der Bushaltestelle direkt neben mir eine Zigarette anzündet. Der könnte doch auch ein paar Meter weiter gehen. Ich zeige dann, dass es mich stört, aber häufig reagieren die Leute einfach nicht.

UniSPIEGEL: Also noch schärfere Gesetze?

Leonard: In den USA müssen in einigen Bundesstaaten Raucher ja einen Mindestabstand zu Gebäuden und Mitmenschen einhalten. Dort würde so etwas wie am Bibliothekseingang oder an der Bushaltestelle nicht passieren. Das finde ich aber schon ein bisschen extrem.

UniSPIEGEL: Wie vertragen sich Raucher und Nichtraucher hier im Studentenwohnheim?

Veronica: Das muss ich als Wohnheimsprecherin natürlich wissen (lacht). Also: Das Rauchen ist in allen Gemeinschaftsräumen verboten, auch in der Bar. In den Wohnungen darf, glaube ich, geraucht werden, wenn alle Mitbewohner das erlauben. Normalerweise gehen die Leute aber nach draußen zum Rauchen, auch wenn irgendwo eine Party in der Wohnung ist.

UniSPIEGEL: Lässt sich so noch richtig feiern?

Leonard: Auf jeden Fall. Gerade das Rauchverbot in Gaststätten und Discos halte ich für einen Riesenfortschritt. Vorher waren zum Beispiel die Studentenkneipen extrem verraucht. Wenn ich nach einem Kneipenbesuch nach Hause kam, habe ich immer gleich die Kleider gewechselt.

Veronica: Da hieß es erst einmal: ab unter die Dusche und die Klamotten raus auf den Balkon hängen.

Lars: Jetzt riecht man eben andere Dinge, zum Beispiel den Schweiß auf der Tanzfläche, das ist auch nicht so angenehm. Aber eine Verbesserung ist es auf jeden Fall.

UniSPIEGEL: Habt ihr Verständnis dafür, dass sich manche Raucher gegängelt fühlen?

Emmanuelle: Ja klar, in der Heidelberger Studentenzeitung nölten einige Studenten, sie würden nun nicht mehr an den Folgen des Rauchens sterben, weil sie zuvor erfrieren, während sie vor der Tür ihre Zigarette rauchen.

Leonard: Der Staat muss den Menschen helfen, ihre Gesundheit zu schützen. Eine Studentin, die in einer Kneipe arbeitet, war dort bislang einer großen Gefährdung durch den Rauch ausgesetzt. Für andere Arbeitsplätze gelten dagegen sehr strenge Regelungen, zum Beispiel, welche Dosis an Radioaktivität erlaubt ist.

UniSPIEGEL: Darf der Staat zum Schutz seiner Bürger so stark deren Verhalten reglementieren?

Leonard: Ich finde das im Vergleich zu anderen Eingriffen eher marginal. Der Staat schreibt mir ja auch vor, dass ich einen Sicherheitsgurt anlege, wenn ich Auto fahre. Dabei schadet es bei einem Unfall am ehesten mir selbst, wenn ich mich nicht anschnalle. Wer in einem geschlossenen Raum raucht, schadet dagegen nicht nur sich selbst, sondern auch allen anderen. Da ist ein Verbot doch nur logisch.



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