Kunst-Panne in Berkeley US-Uni verhökert Millionen-Skulptur für 150 Dollar

Des einen Verlust, des anderen Gewinn: In einem Lagerraum der US-Uni Berkeley verstaubte ein Kunstwerk mit einem Schätzwert von über einer Million Dollar, berichtet die "New York Times". Die Hochschule verscherbelte es jedoch für gerade mal 150 Dollar plus Steuern.

Huntington Library / Art Collections / Botanical Gardens

Etwa sieben Meter misst die Holzpaneele, in die der afro-amerikanische Skulpturkünstler Sargent Johnson goldfarbene Gazellen eingearbeitet hat, ebenso Vögel und Pflanzen. Der Mann, der zu einem der wichtigsten Vertreter der Harlem Renaissance zählt, schuf das Werk im Jahr 1937. Kunsthistoriker schätzen den Wert mittlerweile auf über eine Million Dollar. Lange gehörte es der Universität von Kalifornien in Berkeley, doch jetzt berichtet die "New York Times", die Hochschule habe das Kunstwerk erst verschludert und dann zu einem Spottpreis verkauft.

Das Kunstwerk sei, so berichtet die Zeitung, in den achtziger Jahren in einem Lager verstaut worden, für die Dauer von Renovierungsarbeiten. Es gab zwei dieser Holzpaneele, doch nur eines kehrte nach dem Ende der Arbeiten an seinen richtigen Platz zurück. Das andere blieb dem Bericht zufolge im Lager, niemand erkannte es. Als die Uni dann im Jahr 2009 das Gebäude, in dem sich das Lager befand, verkaufen wollte, verschleuderte sie das Kunstwerk bei einem Räumungsverkauf. Ein Möbelhändler kaufte es für 164,63 Dollar inklusive Steuern, wie die Zeitung berichtet, ohne etwas von seinem Wert zu ahnen.

Das Kunstwerk musste restauriert werden nach den Jahren im Uni-Lager und so kontaktierte der Möbelhändler dem Bericht zufolge einen Kunstexperten - in Berkeley. Der war ziemlich verblüfft, wie er in einer Mail schreibt, die der Zeitung vorliegt, dass die Uni das wertvolle Kunstwerk überhaupt verkaufte. Erst nach diesem Gespräch wurde dem Möbelhändler klar, was er für einen Deal gemacht hatte.

"Wir bedauern das sehr", sagte ein Uni-Manager der "New York Times". Die Zeitung zitiert außerdem Harvey Smith, den Vorsitzenden der "National New Deal Preservation Association" mit den Worten: "Man kann sich kaum vorstellen, etwas zu verlieren, das länger ist als ein Pickup-Truck." Berkeley habe unfassbare Inkompetenz bewiesen.

Ein Versuch, das Kunstwerk für 215.000 Dollar zurückzukaufen, scheiterte, wie die Zeitung schreibt, weil die Uni nicht genug Geld aufbringen konnte - in den vergangenen Jahren wurde auch dort das Geld knapp. Schließlich kaufte es die Huntington-Bibliothek und Kunstsammlung. Dort soll es ab 2014 zu sehen sein. Wie viel das Museum bezahlte, ist unklar.

otr



insgesamt 9 Beiträge
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Stäffelesrutscher 26.02.2012
1.
»Etwa sieben Meter misst die Holzpaneele...« »Demnach hat die Holzpaneele einen Wert von über einer Million Dollar.« Das Wort heißt im Singular Paneel und ist Neutrum. Also misst das Paneel etwa sieben Meter und hat einen Wert von jenseits von gut und böse.
silenced 26.02.2012
2. <->
'mit einem Schätzwert', der nur genau das ist: eine Schätzung. Wo genau ist also die Aufregung?
Stelzi 26.02.2012
3. Ganz ein schlauer!
Zitat von silenced'mit einem Schätzwert', der nur genau das ist: eine Schätzung. Wo genau ist also die Aufregung?
Glaubst du etwa, der Verkaufswert würde näher an 150 als an einer Million Dollar liegen? Mann, denk mal nach, statt den Oberschlaubi zu spielen.
Listerholm 26.02.2012
4. Schöner Beleg
Zitat von StelziGlaubst du etwa, der Verkaufswert würde näher an 150 als an einer Million Dollar liegen? Mann, denk mal nach, statt den Oberschlaubi zu spielen.
für die Rezeptionstheorie in der Ästhetik. Ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk genau im Auge des Rezipienten. Ich lach drüber. Was wir heute an einem van Gogh schätzen, war damals Schrott. Ein Filzhut von Beuys - meine Güte, der ist vielleicht drei Dollar wert. Der Wert ist irreal und liegt im Auge des Betrachters. Und die 1 Million Dollar sind virtueller Verlust. Berkeley hat genau das bekommen, was es erwartet hat. Und verloren. Über den Kunstwert sagt das nichts aus. Spaßig Eine von mir kürzlich auf dem Dachboden entdeckte eisenbeschlagene Holztruhe mit raffiniertem Schließmechanismus aus dem Ende des 18. Jahrhunderts ist da sicherlich zehnmal mehr wert. Es ist solide Arbeit, schön anzusehen und außerdem auch heute noch nützlich :-) L.
geotie 27.02.2012
5. yooh
Jeder angehende Künstler weiß es: Nicht die Herstellung ist die Kunst, sondern einen besonders hohen Preis dafür zu erzielen.
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