Fotostrecke

Kunststudenten: Lillien Grupe

Foto: Lillien Grupe

Kunststudentin Lillien Grupe "Ich habe nicht genug Lebenszeit, um all das zu malen, was ich möchte"

Dutzende Kunststudenten haben dem SPIEGEL ihre Werke gezeigt. Die Leser waren vor allem von einer Künstlerin begeistert: Lillien Grupe, 21. Hier erzählt sie von ihrer großen Leidenschaft - dem Malen.

"Meine Mutter ist freie Künstlerin, sie hat mir den Pinsel quasi in die Hand gelegt, als ich drei Jahre alt war. Von da an habe ich überall, wo ich war, nur noch gemalt oder gezeichnet. Manchmal sogar auf den Schulbänken. Die Kunst wurde zu meiner großen Leidenschaft.

Inzwischen nutze ich fast jede freie Minute zum Malen. Manchmal sitze ich acht, neun Stunden am Tag an einem Bild und mache nur wenige kurze Pausen. Kaum habe ich ein Gemälde angefangen, kommt mir schon die Idee zu einem neuen. Ich glaube, ich habe einfach nicht genug Lebenszeit um all das zu malen, was ich möchte.

Zur Person
Foto: Lillien Grupe

Lillien Grupe, 21, studiert im dritten Semester freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie porträtiert Menschen gern in dunklen Tönen.

Ich studiere nun seit einem Jahr Freie Kunst in Braunschweig und muss natürlich auch zu Vorlesungen gehen. Manchmal juckt es mich dann schon in den Fingern, weil ich nicht im Hörsaal sitzen will, sondern im Atelier. Ich weiß ja, was ich alles noch vorhabe.

Als ich mich nach dem Abi an der Kunsthochschule beworben habe, hätte ich nie gedacht, dass ich genommen werde. In meine Mappe hatte ich 22 möglichst unterschiedliche Bilder gelegt. Es heißt ja immer, die Bewerber sollen zeigen, dass sie Potenzial haben. Erst zwei Wochen nach Studienbeginn kam bei mir wirklich an, dass ich es geschafft hatte.

Fotostrecke

Kunststudenten: Lillien Grupe

Foto: Lillien Grupe

Ich mag das Studium, wir sind 25 Studenten in meinem Jahrgang und halten alle zusammen. Die Professoren lassen uns viel Freiraum, es gibt ein Gruppenatelier und wenn jemand ein Gemälde fertig hat, wird es von einem Prof kritisiert. Wir müssen lernen, mit der Kritik umzugehen und viel einstecken können. Aber Kunst ist ja subjektiv und es ist klar, dass nicht jedem alles gefällt.

Für ein großes Gemälde brauche ich drei Monate Zeit. Ich wünschte mir manchmal, ich käme schneller voran, aber ich bin sehr perfektionistisch. Wenn mir zum Beispiel eine Tischplatte nicht gefällt, dann male ich auch schon mal acht Stunden daran, bis sie perfekt ist.

Auf meine Motive komme ich durch Intuition und ich versuche, mit den Bildern bestimmte Gefühle auszudrücken. Ich überfrachte sie aber nicht, denn der Betrachter soll zum Nachdenken angeregt werden.

Fotostrecke

Kunst von Studenten: Stürmische Seen, Licht am Himmel

Foto: Tammy Langhinrichs

Mein großes Vorbild ist der skandinavische Maler Albert Edelfeld. Er ist ein Meister des Kunsthandwerks. Ich könnte vor Ehrfurcht fast weinen, wenn ich mir seine Gemälde anschaue. Vor liebevoll gemalten Bildern kann ich zehn Minuten stehenbleiben, gerade so dicht, dass ich den Alarm im Museum nicht auslöse. Ich versuche mir dann, alles Mögliche zu merken: Wie hat er die Farben aufeinander gelegt, wie hat er gearbeitet?

Für mein Studium brauche ich gar nicht so viel Geld, weil ich zum Glück noch zu Hause wohnen kann. Ich male meist auch sehr viel hier - zusammen mit meiner Mutter Manuela. Sie ist auch meine beste Beraterin, wir geben uns gegenseitig Tipps, zum Beispiel zur Bildaufteilung, und teilen uns sogar die Farben. Finanzieren kann ich mich aber selbst, weil ich bereits einige Gemälde verkaufe.

Natürlich weiß ich, wie hart es in der Kunstbranche zugeht. Mir ist auch bewusst, dass nur die wenigsten Künstler von ihrem Beruf leben können. Aber diesen Anspruch habe ich auch gar nicht, ich muss nicht so bekannt wie Gerhard Richter werden. Ich möchte meine Leidenschaft leben und möglichst viele Menschen mit meinen Bildern berühren."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.