Kurioses Fußball-Diplom Düngen im Dauerlauf

Wenn die Kicker kreuz und quer über den Platz sausen, können sie auch gleich düngen. Aus dieser Idee entwickelte Designstudent Daniel Wilhelms Fußballschuhe mit Rasen-Wachstumshelfer in den Stollen - was jetzt auch die Industrie interessiert.


"Rasenfläche betreten verboten - Pflegemaßnahmen!" Schilder mit dieser Aufschrift könnten bald von Bolzplätzen und Fußballfeldern verschwinden. Stattdessen düngen die Kicker den Rasen spielend, so die Idee von Daniel Wilhelms. In seiner Diplomarbeit, die im Februar an der Fachhochschule Trier veröffentlicht wurde, beschreibt der Designer das Verfahren: Neuartige Fußballschuhstollen werden mit Rasendünger gefüllt. Die Idee wurde bereits von Sportartikelherstellern ausgezeichnet und stößt auch bei der Pharmaindustrie auf Interesse.

Inzwischen habe er Kontakt zu einem Unternehmen, das den passenden Dünger produzieren will, sagt Wilhelms. Sein Verfahren sei als sogenanntes Gebrauchsmuster mit dem Titel "Ausbringen von Dünger unter Schuhen" beim Deutschen Patent- und Markenamt in Jena angemeldet. Inzwischen ist Wilhelms Junior Art Director bei einer Kölner Werbefirma.

Die Idee, düngende Stollen zu entwerfen, kam dem Freizeitkicker im Frühjahr 2006 auf dem heimischen Bolzplatz in Ellenz-Poltersdorf an der Mosel. Er konnte wieder mal nicht spielen, weil das Feld für die Rasenpflege gesperrt war. Im Gespräch mit dem Platzwart ging es dann um das sogenannte Aerifizieren. Dabei werden mit einer kleinen Walze Löcher in den Rasen gestoßen, damit er atmen kann. "Da war mir klar, dass diesen Vorgang auch die Stollen an den Fußballschuhen übernehmen können", sagt Wilhelms. "Was fehlte, war noch der Dünger."

Preis bei einer Sportmesse abgeräumt

Der nächste Schritt war die Entwicklung eines Schraubstollens, in den ein Langzeitdünger eingearbeitet werden kann. Wilhelms geht davon aus, dass seine Düngerstollen nach vier Monaten ausgewechselt werden müssen. "Der Knackpunkt ist natürlich die Gefahr der Überdüngung", sagt der Designer. Um das zu verhindern, müsse man sich absprechen und eine spezielle Düngekarte für genaue Dosierungen auf dem jeweiligen Spielfeld erstellen.

Wenn sich sechs Spieler einen Ausrüstungssatz zulegen, wäre dem heimischen Bolzplatz und den Plätzen von Amateurvereinen schon geholfen, sagt Wilhelms. Bei höherklassigen Vereinen sieht er vorerst keine Chancen für sein System. "Die haben spezielle Warte für ihre Grünflächen." Zudem bleibt ein Manko: Alles ist bisher nur theoretisch durchgespielt. "Auf Plätzen habe ich das noch nicht getestet. Fest steht jedoch, es ist technisch machbar."

Das glaubt offenbar nicht nur die Pharmabranche, sondern auch die Sportindustrie. Daniel Wilhelms gewann mit seiner Diplomarbeit im Juli auf der Sportmesse ispo 2007 in München den "BrandNew Award" in der Kategorie "Hardware Accessories Award". Die Auszeichnung in dem weltgrößten Jungunternehmer-Wettbewerb der Sportindustrie gilt in Fachkreisen als Barometer für Zukunftstrends.

Von Karlheinz Adamek, ddp



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