Kuschel-Campus Balzen für Anfänger und Fortgeschrittene

Zum Frühlingsflirt bietet selbst die hässlichste Uni ausreichend verwunschene Winkel - man muss nur wissen wo. Almut Steinecke hat sich an einigen Hochschulen im Ruhrgebiet umgesehen und fünf lauschige Plätze entdeckt.

1. Abenteuer in der Anatomie

Das Anatomie-Magazin einer medizinischen Fakultät bietet Schüchternen besondere Vorteile: Hier werden die Plastikorgane aufbewahrt, die in der Vorlesung zur Anschauung dienen. Der verliebte männliche, aber scheue Student punktet schon damit, an den Schlüssel gekommen zu sein - den Raum mit den wertvollen Modellen nachgebauter Körperteile darf man ja nicht einfach so betreten. Wer nicht die richtigen Worte findet, kann eindeutige Taten sprechen lassen und seiner Wunschpartnerin eines der sauteuren Herzen zu Füßen legen.

Fotostrecke

Campus-Flirt: Lauschige Orte für Frühlingsgefühle

Foto: Michael Godehardt

Zudem fördern die zahlreichen Skelette und die angrenzenden Präpariersäle das Bedürfnis nach Anlehnung: Er legt kühn den Arm um ihre Schultern, sie drückt sich leicht verängstigt an seine Brust - zarte Annäherungen erscheinen in dieser gruseligen Umgebung besonders schlüssig. Und was schweißt mehr zusammen als ein gemeinsames Abenteuer?

2. Date auf dem Dach

Jens Wylkop von der Pressestelle der Ruhr-Universität Bochum hat einen guten Tipp parat: die Himmelstürmer-Nummer. Er hat sie selbst erfolgreich getestet - und einst im Frühling seine damalige Freundin mit Champagnertrinken auf dem Dach der Ingenieurwissenschaften rumgekriegt.

Oben auf dem Betonklotz ziehen die Wolken nahe vorbei, die Blicke gehen in die Ferne. Bei schönem Wetter der perfekte Ort, um eine Decke auszubreiten, das vorbereitete Picknick auszupacken und gemeinsam in den Himmel zu schauen.

3. Ab in die Botanik

Wenn das Herzklopfen Hochsaison hat, ist auch der Botanische Garten eine gute Adresse. Der Bochumer Campus lockt Verliebte mit einem kleinen Extra: Auf der chinesischen Insel stehen puppenstubige Pavillons mit geschwungenen Dachpfannen. Die Sonne tupft tanzende Lichter auf Teiche, bunte Fische ziehen im Wasser ihre Bahnen. Da wird der Kennenlernmodus flink übersprungen - und schon weckt das Fernweh-Feeling Gedanken an den ersten gemeinsamen Urlaub.

4. Herzklopfen in der H-Bahn

Beim Flirten immer gern genommen: Körperkontakt jenseits des eigenen Verschuldens. Im Dortmund war's im Zweifel die H-Bahn. Sie schwebt vom Campus Nord zum Campus Süd und sieht aus wie ein eingelaufener Tram-Waggon, der in luftiger Höhe und in freier Natur an der Trasse entlang schaukelt - einzigartig an deutschen Unis.

Aus der Kabine mit den Plastiksitzen können Pärchen den Blick auf die frühlingshaft ausschlagenden Baumkronen der Uniparks genießen. Und das Wägelchen rumpelt und ruckelt so unerhört, dass man erfreulich oft das Gleichgewicht verliert.

5. Rückzug zwischen die Regale

Die Dortmunder sind privilegiert, doch auch an anderen Hochschulen liegt das Gute so nah. Wer das erkannt hat, sieht die Fachbibliotheken schwach frequentierter Fakultäten mit ganz anderen Augen.

Naturwissenschaften an der Uni Essen zum Beispiel studieren vergleichsweise wenige Kommilitonen - entsprechend verschwiegen ist die Fachbücherei und lockt zum Rückzug in die schmalen Gänge. Dort wallt der stille Charme einer Bibliothek: eine Einladung zu Küssen zwischen Bücherwänden. Oder zu weit deftigeren Begegnungen.


Die Wiedergabe wurde unterbrochen.