Lady-Gaga-Kurs US-Uni auf den Spuren des Ruhms

Lady Gaga an der Uni - wer auf ein laues Seminar mit Beschallung und netten Videos hofft, ist bei Matthieu Deflem falsch. Der US-Dozent ist zwar bekennder Fan, doch sein soziologisches Seminar zur Lady soll keine Spaßveranstaltung werden: zu anspruchsvoll für Erstsemester, warnt er.

Gesamtkunstwerk Lady Gaga: Soziologische Forschung vom Ansatz bis in die Spitzen
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Gesamtkunstwerk Lady Gaga: Soziologische Forschung vom Ansatz bis in die Spitzen


Bis auf ihr erstes Album " The Fame", also der Ruhm, im Jahr 2008 und der EP "The Fame Monster" ist von Lady Gaga bisher nicht viel erschienen. Einerseits. Andererseits hat es die 24-jährige Sängerin damit schon sehr, sehr weit gebracht.

Auf allen medialen Kanälen ist sie dauerpräsent, fiel auf mit einem Kleid aus Fleisch und ähnlich spaßigen Kostümen und mit Auftritten, die Stephanie zu Guttenberg, Gattin des deutschen Verteidigungsministers, für pornographisch hält. Außerdem gewann sie beeindruckende acht MTV Video Music Awards, räumte mit über 800.000 verkaufte Platten in Deutschland vierfach Platin ab und landete eine Reihe von Nummer-eins-Hits. Lady Gaga ist nicht nur Sängerin - sie ist vor allem Gesamtkunstwerk.

Ihr Erfolg wird nun Thema eines soziologischen Uni-Seminars in den USA. Die Universität von South Carolina will den Kurs "Lady Gaga und die Soziologie der Berühmtheit" im Frühjahr 2011 anbieten, es geht um Popkultur und Star-Ruhm.

Durch ihren Bekanntheitsgrad eigne sich die Popsängerin als Wissenschaftsobjekt bei der Untersuchung von Popkultur und den aktuellen Bedingungen von Berühmtheit, sagte der Professor Matthieu Deflem, der das Fach unterrichten wird. "Die Berühmtheit von Lady Gaga ist ein aktuelles Phänomen und lässt sich mit den Interessen der Studenten verbinden", so Deflem.

Der Dozent gibt sich demonstrativ streng

Niemand möge teilnehmen, weil es nach einer Spaßveranstaltung klingt - der Kurs soll eine sehr ernsthafte soziologische Veranstaltung werden. Drei bis vier Stunden Lesezeit sollen die Studenten einplanen, schreibt Dozent Matthieu Deflem in der Seminarbeschreibung. Drei Tests, zwei Aufsätze und eine Abschlussklausur sind für eine Note nötig. Erstsemestern rät der Dozent vom Lady-Gaga-Seminar ab: Wissenschaftlich sei der Kurs für sie zu anspruchsvoll.

Deflem betont, es handle sich weder um ein kulturwissenschaftliches noch um ein musikologisches Seminar. Vielmehr soll die soziologische Dimension der Berühmtheit Lady Gagas erklärt werden, bezogen auf ihre Musik, ihre Videos und ihre Kleidung. Ebenfalls Gegenstand des Seminars: Vermarktungsstrategien und die Rollen alter und neuer Medien sowie der Fans und Live-Konzerte.

Zum Thema Fan-Kult kann der Dozent aus eigenem Erleben beitragen. Matthieu Deflem ist bekennender Fan der Sängerin. Ihr erstes Album "The Fame" (mit den Hits "Poker Face" und "Just Dance") verkaufte sich 15 Millionen Mal, im Februar 2011 erscheint Lady Gagas neue Platte "Born this way".

Damit übermütige Erstsemester gleich wissen, was im Lady-Gaga-Kurs auf sie zukommen wird, stellt Deflem der Kursbeschreibung ein Zitat von Theodor W. Adorno voran: "Von Musik angefärbt wird eher die Ode des inneren Sinns. Sie ist die Dekoration der leeren Zeit." Es wird also ziemlich sicher nicht nur um Musikvideos gehen.

cht/AFP



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