Langzeit-Studiengebühren "Diffamierung der Studenten"

Das "Bündnis gegen Studiengebühren" macht in Niedersachsen Druck auf Wissenschaftsminister Thomas Oppermann, der Langzeitstudenten zur Kasse bitten will. Den Studenten werde Faulheit unterstellt und auf Abschreckung statt auf Öffnung der Hochschulen gesetzt, heißt es in einer Resolution.


Bitte zahlen: Langzeitstudenten droht die Einführung von Gebühren

Bitte zahlen: Langzeitstudenten droht die Einführung von Gebühren

Die Regelstudienzeiten sind das Papier kaum wert, auf dem sie geschrieben stehen: Nur ein Bruchteil der Studenten schafft es innerhalb der Bafög-Höchstdauer bis zum Examen, wie kürzlich das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilte. Mit Strafzöllen wollen einzelne Bundesländer die Studenten zu mehr Tempo antreiben. In Baden-Württemberg müssen Studenten nach dem 13. Semester bereits 2000 Mark jährlich zahlen, Niedersachsen will bald nachziehen.

In zwei Jahren will der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) das Inkasso-Unternehmen eröffnen; die Zustimmung des Kabinetts hat er bereits. Oppermann gilt als einer der hartnäckigsten Gebühren-Befürworter bundesweit und machte sich damit auch bei den niedersächsischen Sozialdemokraten nicht nur Freunde. Gegen die Langzeit-Studiengebühren hat sich nun ein Bündnis aus Studentenvertretern, Gewerkschaften, einzelnen Studentenwerken, Grünen, Jusos und PDS gebildet.

In einer gemeinsamen Resolution fordert das Bündnis die Landtagsabgeordneten auf, die Gebühren-Einführung abzulehnen. "Langzeitstudiengebühren produzieren Abbrüche statt Abschlüsse", heißt es darin. Junge Menschen würden vom Studium abgeschreckt, noch mehr Studenten müssten ihr Studium durch Erwerbstätigkeit finanzieren. Deutschland müsse jedoch im internationalen Vergleich bei den Studierendenquoten aufholen und für das Studium werben.

Anstelle von "staatlichen Steuerungs- und Druckmitteln" setzt das Bündnis auf "innere Reform und Beseitigung überflüssiger Stofffülle" und sprach sich zudem für die Einführung von Teilzeitstudiengängen aus. Till Schneidewind von der Landes-ASten-Konferenz nannte Oppermanns Pläne eine "Diffamierung der Studierenden", denn ihnen werde unterstellt, dass sie faul seien.

Die Landesregierung rechnet nach Angaben des Grünen-Landtagsabgeordneten Michel Golibrzuch mit 30 Millionen Mark Einnahmen für den Haushalt bei Erhebung von Langzeitstudiengebühren. Der bürokratische Aufwand koste etwa ein Drittel dieser Einnahmen. Außerdem werde ein Rückgang der Studentenzahl erwartet.



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