Langzeitstudenten Bummeln erlaubt!

Gut 20 Jahre lang waren zwei Studenten an der Nürnberger Universität immatrikuliert, obwohl sie das Campusgelände nie betreten hatten. Dann wurden die beiden Bummelstudenten rausgeschmissen - und zogen die Konsequenz.

Eine Lücke im Bayerischen Hochschulgesetz wurde der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg jetzt zum Verhängnis: Zwei Bummelstudenten, beide schon über 20 Jahre an der Uni eingeschrieben, waren exmatrikuliert worden. Die Studenten klagten – und bekamen Recht. "Wir haben die Exmatrikulation abgelehnt und wenn sich die beiden Studenten rechtzeitig rückgemeldet haben, sind sie wieder immatrikuliert“, erklärt der Pressesprecher des Bayerischen Verwaltungsgerichtes in Ansbach Thomas Kranig.

Ernsthaft studiert wird wohl nicht

In der Urteilsbegründung heißt es, die Universität habe aufgrund der engen Fassung der Vorschriften keine Handhabe gegen die beiden Studenten. Sie hatten sich immer ordnungsgemäß immatrikuliert und während der Anfangszeit auch ihre Leistungsnachweise erbracht. Jedoch äußerte auch der Richter gewisse Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Studiums, eine "missbräuchliche Inanspruchnahme“ der Vorteile des Studentendaseins sei wohl zutreffend.

Inzwischen wurde dem Ganzen zumindest ein kleiner Riegel vorgeschoben. Für Diplom- und Magisterstudiengänge gibt es Zwischenprüfungsordnungen und Regel- und Höchstsemesterzahlen. Für Geisteswissenschaftler sind das zwölf Semester.

Probleme gibt es jedoch bei Studiengängen die über Bundesrecht geregelt sind, also Medizin, Pharmazie oder auch Jura, wie in diesem speziellen Fall. Uni-Kanzler Thomas Schöck will sich in Zukunft allerdings für eine Neuregelung einsetzen.

In Niedersachsen dagegen ist jetzt Schluss mit lustig. Als zweites Bundesland nach Baden-Württemberg geht es den Studenten hier nun an den Geldbeutel. Pro Semester sind nun 500 Euro Studiengebühren für all jene fällig, die ihre Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschritten haben.

Nach der jüngsten Statistik, die sich auf das Wintersemester 2001/2002 bezieht, müssten rund 33.000 der 135.000 Studierenden in Niedersachsen die Geldbörse zücken. 11.500 haben schon über 20 Semester an der Uni zugebracht.

Beschlossen wurde diese so genannte Lenkungsgebühr schon 2001, allerdings gegen die Stimmen von CDU und Grünen. Hauptbetroffene seien nach Michael Golibrzuch von den Grünen eher die Studierenden, die sich ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren müssten. Auch Heidemarie Mundlos (CDU) bemängelte, dass an den schlecht ausgestatteten Hochschulen ein zügiges Studium kaum möglich sei.

Jeder Zweite sucht das Weite

Die Uni Hannover hat jetzt erstmal 6394 Bescheide verschickt, gezahlt haben bis jetzt nur 1043 Studierende. Auch Wissenschaftsminister Thomas Oppermann denkt, dass die meisten Studenten über dem Limit nicht mehr ernsthaft studieren und er mit seinem Beschluss deshalb ins Schwarze getroffen hat.

Rückendeckung von der neuen CDU/FDP-Regierung wird es für die Studenten nicht geben. Auch sie wollen an den Gebühren festhalten.

In Baden-Württemberg blieb übrigens nur jeder zweite Bummelstudent an der Uni. Von der Einführung 1997 bis 2002 hätten die Gebühren rund 44 Millionen Euro eingebracht, die an die Universitäten zurück geflossen seien. Die Zahl der Langzeitstudenten sei um 44 Prozent zurückgegangen.