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Schießen mit Licht: Nicht tot zu kriegen

Foto: Lasertag GmbH

Lasertag gegen Schüler Unterschätze nie einen Zwölfjährigen!

Was spielt Barney aus "How I Met Your Mother" am liebsten? Lasertag, das Schießspiel aus den grellen Neunzigern. Unispiegel-Autor Hendrik Steinkuhl hat sich einem Kindergeburtstag angeschlossen und sich ins Lichtstrahlen-Geballer gestürzt.

Das Schönste an Kindern ist doch, dass sie einem meist vorurteilsfrei begegnen. Da betritt man mit einem Dutzend zwölfjähriger Jungs einen riesigen dunklen Raum mit niedriger Decke, überall stehen Hindernisse - und noch bevor man sich richtig orientiert hat, ballern sie einen genauso ab wie ihre Freunde.

Lasertag heißt das Spiel, in dem man Lichtstrahlen auf seine Gegner feuert. Wie vieles, das leuchtet, Geräusche macht und Tasten hat, kommt der Funsport aus Amerika. Zurzeit überrennt Lasertag Deutschland, fast jeden Monat eröffnet eine neue Halle.

Der Boom wäre keiner, gäbe es nicht Barney Stinson. In der Konsens-Sitcom "How I Met Your Mother" kann man dem größten Don Juan seit Don Juan immer wieder dabei zusehen, wie er sich beim Lasertag mit Kindern duelliert. Wer es ihm gleichtut, sollte seine mahnenden Worte im Kopf haben: "Unterschätze nie einen Zwölfjährigen!"

Tatsächlich sind diese kleinen Monster wahnsinnig flink. Ich spiele mit einer mir unbekannten Kindergeburtstagsgesellschaft in der 600 Quadratmeter großen Arena Frankfurt-Ost. Wenn ich aus meiner Deckung auftauche, lauert fast immer jemand hinter mir und schießt mich ab. Wobei "abschießen" hier ein böses Wort ist. "Bei uns wird markiert", sagt Andreas Djassemy, der Sprecher der Lasertag GmbH.

Hier wird markiert, nicht geschossen

Das Vokabular ist pazifistentauglich, für die Technik gilt dasselbe: Mein Phaser, der mit einer Weste verbunden ist, sieht nicht aus wie eine Waffe, sondern wie ein Modell vom Raumschiff Enterprise. In dem Phaser stecken Infrarotdioden und ein Lichtsignalgeber. Das Licht lässt mich erkennen, wohin ich gerade ziele (nicht: schieße!), mit den Infrarotpunkten markiere ich Sensoren an den Westen meiner minderjährigen Gegner. Es gibt klar definierte Trefferzonen, zu denen der Kopf bewusst nicht gehört. Wer durch die Playstation auf Kopftreffer konditioniert ist, schießt beim Lasertag immer daneben.

"Markiert" man einen Gegner, zieht man ihm damit Energie ab. Durchaus ermüdend ist, dass der Phaser mir bei jedem Treffer "You are hit!" sagt. Wenn mir dann sämtliche Energie entzogen wurde, muss ich zum Aufladen zur Team-Basis laufen, der Phaser erinnert mich daran mit einem "Recharge!" in Endlosschleife. Irgendwann nervt das sabbelnde Gerät so, dass ich am liebsten sofort die Batterien ausbauen würde.

Die Arena selbst sieht dank Schwarzlicht und fluoreszierender Farben aus wie die Welt des Science-Fiction-Klassikers "Tron". Über allem steht das unsichtbare Motto: futuristisch ja, militaristisch nein. Was sagt es dann über mich aus, dass ich bei Spielbeginn den Phaser mit angewinkelten Armen nach oben strecke, mich an den Hindernissen entlangdrücke und Dolph Lundgren in "Universal Soldier" vor Augen habe?

Der Killer in mir verabschiedet sich aber zügig wieder, und das liegt am Spielmodus. Ich werde derart häufig getroffen und muss zum Energie-Aufladen so oft zur Basis rennen, dass sich kein MasteroftheUniverse-Gefühl einstellen mag.

Da ich allerdings nicht nur oft getroffen werde, sondern auch selbst häufig treffe, leide ich irgendwann an Reizüberflutung. Jetzt auf Escape drücken, in den Garten gehen und Vogelstimmen zuordnen!

Nach 20 Minuten ist tatsächlich "Game over". Wir gehen verschwitzt in die Lounge, dort steht ein PC, der mit unseren Trefferwesten kommuniziert. Das Spielergebnis: Mein Team hat gewonnen, ich bin Zweiter in der Einzelwertung. Selten kam ein Podestplatz in meinem Leben so unerwartet.

Und der Kindergeburtstag? Ist im Rausch. "Super, das hat voll Spaß gemacht!"

Grundschullehrerinnen ziehen lassen - was würde Barney sagen?

Ich lasse die Jungs in Ruhe nachschwitzen und ziehe mich mit Lasertag-Sprecher Djassemy in die Katakomben zurück. Er erzählt, "How I Met Your Mother" habe die Geschäftsführer inspiriert, ins Lasertag-Geschäft einzusteigen. Mittlerweile betrieben sie sieben Hallen in Deutschland.

So harmlos das Spiel auch ist: Im Deutschland entstehe keine Lasertag-Arena ohne Störgeräusche. "Die Ämter kennen es nicht und können es erst mal nicht einordnen", sagt Andreas Djassemy. Phaser auf Menschen richten, andere Teams mit möglichst vielen Treffern ausschalten - besorgte, technikaverse Bürger und Jugendschützer finden das ähnlich bedenklich wie Computerspiele, in denen am Bildschirm geschossen wird. Das Frankfurter Jugendamt veranstaltet Mitte Juli eine Fortbildung mit dem Titel: "Lasertag - ein 'Funsport' zum Totschießen pädagogisch betrachtet". Die Teilnehmer sollen dabei "selbst das Spiel ganz pragmatisch erspüren".

Als ich mich gerade verabschieden will, lässt sich eine Gruppe Lehramtsstudenten einweisen. Es müssen zukünftige Grundschullehrer sein, denn ich sehe zwei Männer und sonst nur Frauen. Statt mich unter die Gruppe zu mischen und als Lasertag-Naturtalent zu präsentieren, trete ich den Heimweg an.

Barney Stinson würde mir das nie verzeihen.

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