Leben "Nur für Aufbaustudien zahlen"

Dieter Schäferbarthold vom Studentenwerk zu Studiengebühren


Dieter Schäferbarthold, 61, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, über die Auswirkungen von Studiengebühren

UniSPIEGEL:

70 Prozent der Steuerzahler, die nicht studieren, zahlen für 30 Prozent Privilegierte, die später auch noch mehr verdienen. Ist das gerecht?

Schäferbarthold: Das ist ein Mythos, der sich nicht belegen lässt. Die meisten Akademiker gehören nach dem Studium zu den Besserverdienenden. Sie zahlen also höhere Steuern, und zwar in der Regel mehr als ihr Studium den Staat gekostet hat. Die Gesellschaft hat ein Interesse an gut ausgebildetem Nachwuchs, das zeigt ja die Debatte um die Green Card.

UniSPIEGEL: Der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann meint, dass die Studenten durch Gebühren unter dem Strich sogar noch sparen, weil mit diesen Mitteln die Lehre verbessert und so das Studium verkürzt werde.

Schäferbarthold: Jeder Student versucht, schnell zu studieren, weil er rechnen kann. Je eher er in den Beruf kommt, desto schneller verdient er Geld. Zwei Drittel arbeiten neben dem Studium. Hier muss mit einer Verbesserung der Studienfinanzierung angesetzt werden, um die Studiendauer zu verkürzen.

UniSPIEGEL: Gibt es Gebührenmodelle, die positive Effekte haben und Härten vermeiden?

Schäferbarthold: Das Studienkonten-Modell des rheinland-pfälzischen Bildungsministers Jürgen Zöllner könnte sinnvoll sein. Jedem Studierenden stünde ein Kontingent an Lehrveranstaltungen zu, mit dem er ein Studium absolvieren kann. Der normale Hochschulzugang bliebe kostenfrei, nur für Aufbau- und Zweitstudien könnten Gebühren fällig werden.



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