Studie Ängstliche Abiturienten wollen Lehrer werden

Fitte und leistungsstarke Abiturienten können sich kaum vorstellen, Lehrer zu werden. Attraktiv scheint der Beruf für Schüler mit wenig Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft, zeigt eine neue Bildungsstudie.
Lehrerin: Ein wenig attraktiver Beruf?

Lehrerin: Ein wenig attraktiver Beruf?

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Als Schüler fragt man sich ab und zu: Wer wird eigentlich freiwillig Lehrer? Meist ahnt man ja die Pädagogenkarriere nicht unbedingt für die beliebtesten Mitschüler voraus. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Unternehmensberatung McKinsey haben jetzt auch gefragt, welche Schüler später die Fronten wechseln.

Das Ergebnis: Nicht die Abiturienten mit Top-Noten, sondern die eher mittelmäßigen wollen Lehrer werden. "Während fast die Hälfte aller Abiturienten mit einer Durchschnittsnote zwischen 2,1 und 4,0 am Lehrerberuf 'eher' bis 'sehr' interessiert ist, trifft dies nur für 38,1 Prozent der Abiturienten mit einem Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 2,0 zu", heißt in einer neuen Studie. "Zudem geben nur wenige der guten Abiturienten (17 Prozent) den Lehrerberuf als eine tatsächlich infrage kommende Option an."

Die Befragung ist Teil des "Hochschulbildungsreports", den der Stifterverband jetzt zum zweiten Mal herausgibt (hier der Überblick im Netz ). Der Verband ist einer der wichtigsten Geldgeber der Wissenschaft: Er sammelt bei Konzernen, Firmen und Einzelspendern Millionen ein und finanziert damit zum Beispiel Stiftungsprofessuren, schreibt Preise aus, fördert Institute und Forschungsprojekte.

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Die jährlich erscheinenden "Hochschulbildungsberichte" sind Studien, die nicht nur feststellen, was aus Sicht der Unternehmen schiefläuft im Bildungssystem, sondern die auch "messbare" Ziele für das laufende Jahrzehnt und Empfehlungen formulieren. Mit ein bisschen gutem Willen lässt sich die Serie als Agenda 2020 für die Hochschulen bezeichnen.

Bildungspolitischer Rundumschlag

In diesem Jahr haben die Autoren den Schwerpunkt auf Lehrerbildung gelegt. Demnach zählen Abiturienten zwar den Lehrerberuf zu den hoch angesehenen Jobs, in einer Liga mit Ärzten, Polizisten, Richtern und Uni-Professoren. Doch so richtig attraktiv scheint er für die fittesten Schüler nicht zu sein: Sie vermissen demnach vor allem Aufstiegschancen.

Unter denjenigen, die sich ernsthaft vorstellen können, Lehrer zu werden, sind zudem nicht unbedingt die Selbstbewusstesten: Nur 13 Prozent sagen über sich, sie könnten sich gut durchsetzen. Nur knapp 16 Prozent haben nach eigenen Angaben ein hohes Selbstvertrauen. Immerhin glaubt jeder Vierte, er könne andere gut motivieren.

Schon der erste Bericht im vergangenen Jahr war ein bildungspolitischer Rundumschlag mit den Mitteln der Unternehmensberatung. Die Autoren sammeln Daten anderer Berichte und Statistiken und werten sie aus, um auf mehreren "Handlungsfeldern" zu Ergebnissen zu kommen - und die sind durchwachsen:

  • Noch immer wollen zu wenig Männer Lehrer werden, noch immer werden Lehramtsstudenten zu schlecht betreut, noch immer ist die Ausbildung nicht praktisch genug.
  • Etwas gerechter geht es laut der Studie an Schulen und Unis zu: So werden demnach "bildungsferne Schichten" besser betreut. Und es gelingt mehr Jugendlichen, die keinen deutschen Pass haben, einen deutschen Schulabschluss zu schaffen.
  • Studenten klagen in vielen Uni-Städten nach wie vor über hohe Mieten - das zeigte gerade auch eine Allensbach-Umfrage.
  • Studenten finden, so heißt es in dem Papier, ihr Studium habe zu wenig mit dem Beruf zu tun. Sie bewerten den Praxisbezug schlechter als im Vorjahr.
  • Positiv bewerten die Autoren, dass an den Hochschulen mehr Studenten aus dem Ausland studieren und mehr Dozenten aus dem Ausland lehren.
  • Nach wie vor gibt es dem Bericht zufolge zu wenig Absolventen in den technischen und mathematischen Fächern.

Die Autoren empfehlen unter anderem, dass Unis bei der Lehrerausbildung künftig mit "Campusschulen" kooperieren, so wie das bei Medizinstudenten in Lehrkrankenhäusern üblich ist. So rücke die Ausbildung näher an die Praxis - und der ein oder andere Schüchterne fragt sich vielleicht rechtzeitig, ob er tatsächlich Lehrer werden will.

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