Lehrer als Langfinger "Erotisches Verhältnis zu Büchern"

Ein Gymnasiallehrer hat massenweise Bücher aus Bibliotheken gemopst. Seine Ausrede: Er habe den Stoff für wissenschaftliche Abhandlungen gebraucht. Auf den Pädagogen warten noch drei weitere Betrugsverfahren. Er wurde vom Dienst suspendiert.


Verlags-Werbung: "Bücher machen Leute, Leute machen Bücher"
DPA

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Wegen Bücherdiebstahls ist ein Gymnasiallehrer am Montag vom Landgericht München zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. 165 meist wissenschaftliche Bücher aus Bibliotheken hat der Geschichts- und Sozialkundelehrer geklaut. Kurios war die Entschuldigung, mit der der 54-jährige Pauker das Delikt zu entschuldigen versuchte: "Ich habe ein erotisches Verhältnis zu Büchern."

Das Gericht erlegte dem Pädagogen, der promoviert ist, zusätzlich noch 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf. Er hatte schon des öfteren Bekanntschaft mit der Polizei gemacht, etwa wegen eines Überweisungsbetrugs. Der Lehrer war schon 2001 beim Diebstahl eines billigen Radioweckers erwischt worden. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei die Bücher, darunter ein unersetzbares Werk.

Seither ist der Lehrer vom Dienst suspendiert. In erster Instanz hatte ihn das Amtsgericht München im Jahr 2002 zu 22 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Im Berufungsprozess vor dem Landgericht billigte ihm ein psychiatrischer Gutachter aber verminderte Schuldfähigkeit wegen einer seelischen Störung zu. Dies führte schließlich zur Bewährungsstrafe.

"Dramatisch abgestürzt"

Der Angeklagte sei 1996 von seiner Lebensgefährtin verlassen worden und danach "dramatisch abgestürzt", sagte sein Verteidiger. So habe er mehrmals wöchentlich harten Sex bei kostspieligen Prostituierten gesucht und sei in Schulden geraten. Die Bücher habe er für seine Nebentätigkeit benötigt - wissenschaftliche Abhandlungen für eine der CSU nahe stehende Stiftung.

Auf den verurteilten Lehrer warten drei weitere Betrugsverfahren. Er soll unter anderem in 565 Fällen Kreditkartenschwindel begangen haben.



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