Uni Leipzig Fridays-for-Future-Aktivisten protestieren bei Lindner-Vortrag

Mit seiner Aussage, Klimaschutz sei "eine Sache für Profis", hatte Christian Lindner die Fridays-for-Future-Bewegung verärgert. Nun haben Aktivisten einen Vortrag des FDP-Chefs gestört. Mit ihm reden wollten sie aber nicht.

Christian Lindner
Rainer Unkel/ imago images

Christian Lindner


Mit Zwischenrufen und einem Transparent haben Aktivisten von "Fridays for Future" einen Vortrag von FDP-Chef Christian Lindner an der Universität Leipzig unterbrochen, wie unter anderem die "Welt" berichtet.

Auf einem Video, das Lindner auf seinem Twitter-Account veröffentlichte, sind Jugendliche und junge Erwachsene zu sehen, die ein Transparent mit der Aufschrift "Klimaschutz nur von Profi-teur*innen umweltzerstörender Politik? Nur über unsere Leichen" hochhalten. Auf dem Boden vor der Bühne liegen einige Demonstranten auf dem Boden.

In dem Video ist zu hören, wie Lindner auf den Soziologen Jürgen Habermas verweist: In einer Demokratie müsse es herrschaftsfreien Diskurs geben und den zwanglosen Zwang des besseren Arguments. Der Politiker lud die Demonstranten daraufhin unter Applaus des Publikums zur Diskussion ein, doch die Aktivisten verließen nach ihren gerufenen Forderungen den Raum.

Der Protest am Dienstag sei laut des Tweets der Fridays-for-Future-Ortsgruppe aus Leipzig gemeinsam mit "Students for Future Leipzig", der Leipziger Gruppe der Anti-Braunkohle-Aktivisten "Ende Gelände" und der Bewegung "Extinction Rebellion Leipzig" durchgeführt worden.

Lindner hatte die Fridays-for-Future-Bewegung im Frühjahr gegen sich aufgebracht, indem er Klimaschutz als eine "Sache für Profis" bezeichnete. Bei Twitter äußerte er sich enttäuscht über den Protest der Demonstranten.

Der Politiker sagte der Zeitung "Die Welt", er habe seinen geplanten Vortrag zum Thema "Liberalismus versus Autoritarismus" nach der Aktion noch halten können.

ngo

insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
angst+money 19.06.2019
1.
In Sachen Rhetorik ist Lindner auf jeden Fall ein Profi, der jeden unvorbereiteten Kontrahenten an die Wand reden kann. In dem Fall war es also nicht die schlechteste Idee der Aktivisten, Fersengeld zu geben anstatt sich auf eine "Diskussion" einzulassen, bei der Lindner wahrscheinlich Oberwasser behalten hätte. Aber auf Dauer eine offene Flanke der Bewegung, an der sie arbeiten sollte. Denn oft setzt sich eben nicht das bessere Argument durch, sondern das bessere Werbesprech.
quark2@mailinator.com 19.06.2019
2.
Tja, das ist die moderne Progressivität - oft genug nicht in der Lage, mit Meinungsäußerungen umzugehen, die nicht auf der eigenen Linie sind. Statt faktenbasierte Diskussion liebe DePlattforming, Eierwürfe und Störungen, aber keine Bereitschaft zur Diskussion. Ist viel leichter eine Person anzugreifen, als zu argumentieren, viel leichter zu sagen "die sind unbelehrbar" oder "die sind eine Erwiederung nicht wert", als sich die Mühe zu machen, zu verstehen, woher der andere eigentlich gedanklich kommt und wieso beide Seiten trotz ehrlichem Interesse an einer besseren Zukunft zu unterschiedlicher Meinung darüber kommen, wie man eine solche erreicht.
g_bec 19.06.2019
3. Echt?
Zitat von quark2@mailinator.comTja, das ist die moderne Progressivität - oft genug nicht in der Lage, mit Meinungsäußerungen umzugehen, die nicht auf der eigenen Linie sind. Statt faktenbasierte Diskussion liebe DePlattforming, Eierwürfe und Störungen, aber keine Bereitschaft zur Diskussion. Ist viel leichter eine Person anzugreifen, als zu argumentieren, viel leichter zu sagen "die sind unbelehrbar" oder "die sind eine Erwiederung nicht wert", als sich die Mühe zu machen, zu verstehen, woher der andere eigentlich gedanklich kommt und wieso beide Seiten trotz ehrlichem Interesse an einer besseren Zukunft zu unterschiedlicher Meinung darüber kommen, wie man eine solche erreicht.
Wollen Sie uns hier ernsthaft erzählen, dass Lindner an einer "faktenbasierten Diskussion" interessiert gewesen wäre? Gelächter. Der wollte die mit seiner aalglatten Rhetorik mal so richtig vor Publikum fertig machen und hinterher darüber hämisch twittern. Tun Sie doch nicht so, als ob Herr Lindner kein Profi in Sachen Eigenmarketing auf Kosten anderer wäre und nahezu jeden mit Worthülsen an die Wand quatschen könnte. Ein neoliberaler aus dem Lehrbuch, der auf Kosten anderer Reibach machen will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Man muss ja nicht freiwillig zur Schlachtbank gehen.
beyman 19.06.2019
4. @ g_bec
Wenn ich nichts zu sagen habe, sollte ich eben die Bühne meiden. So hat das Ganze nun mal etwas von Kindergarten.....wir stören deine Rede, weil wir mit deinen Ansichten nicht einverstanden sind, aber sagen wollen wir nichts.
wombie 19.06.2019
5.
Zitat von beymanWenn ich nichts zu sagen habe, sollte ich eben die Bühne meiden. So hat das Ganze nun mal etwas von Kindergarten.....wir stören deine Rede, weil wir mit deinen Ansichten nicht einverstanden sind, aber sagen wollen wir nichts.
Bezüglich Klimaveränderung ist die letzten dreißig Jahre alles belegt, das Grundlegende erforscht und gesagt. Lindner sollte Naturwissenschaften den Profis überlassen, die sich ihr Wissen und ihre Fähigkeiten über Jahrzehnte angeeignet haben. Die Erkenntnisse und physikalischen Gesetze lassen sich nicht weglabern, das Eintreffen von Realitäten lässt sich nur durch Handeln ändern, da helfen auch keine Ankündigungsgipfel mit Schokokeksen. Die Klimamodelle sind realistisch, selbst der Ölkonzern Exxon konnte schon vor 37 Jahren die heutige Erderwärmung ziemlich genau prognostizieren. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/exxon-sagte-co2-gehalt-der-atmosphaere-fuer-2019-genau-voraus-a-1267915.html
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.