Lernen vom schwarzen Schaf FH-Präsident entfernt "Guttenberg-Ecke"

An der Hochschule Ansbach zeigte eine Tafel mit Beispielen aus Guttenbergs Doktorarbeit den Studenten, wie man nicht wissenschaftlich arbeiten sollte. Der Hochschulpräsident war not amused und ließ das plakative Lehrstück aus der Bibliothek entfernen.

Abschreckendes Beispiel: Mittwoch fanden die Mitarbeiter die Guttenberg-Ecke noch lustig
dapd

Abschreckendes Beispiel: Mittwoch fanden die Mitarbeiter die Guttenberg-Ecke noch lustig


Nur fünf Tasten hatte die Computer-Tastatur auf einem Tisch der Hochschulbibliothek an der Fachhochschule Ansbach: Strg, A, X, C und V. Daneben klebte der Hinweis: "In Ansbach reicht dieses Tastatur-Layout nicht aus."

Die Tastatur war Teil einer liebevoll gestalteten Info-Ecke zum richtigen wissenschaftlichen Arbeiten. Nachdem die ersten Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg aufgekommen waren, hatten Mitarbeiter sie eingerichtet. Eine Schautafel mit konkreten Beispielen von abgekupferten Passagen aus der Doktorarbeit des Ex-Ministers und CSU-Politikers sollte Studenten auf typische Fehler aufmerksam machen. Eine gute Idee, fanden die Bibliotheksmitarbeiter - bis Donnerstag vormittag Hochschulpräsident Gerhard Mammen intervenierte.

Mammen ließ die Info-Ecke entfernen und soll seinen Mitarbeitern auch einen Maulkorb verpasst haben, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Sie und ihre Kollegen dürften Presseanfragen hierzu nicht beantworten, sagte eine Mitarbeiterin der Bibliothek. Sie erklärte, die Ecke sei "als Abschreckungsbeispiel gedacht" gewesen. Angesichts der hohen Bekanntheit Guttenbergs habe es sich angeboten, seine Arbeit hierfür zu verwenden.

Präsident fürchtet "Nebenwirkungen"

Die "Nürnberger Zeitung" hatte am Donnerstag eine große Geschichte über das Projekt veröffentlicht. Am Telefon beschwerte sich Hochschulpräsident Mammen bei der dapd-Journalistin über "Nebenwirkungen" einer Berichterstattung zur Info-Ecke. Das Thema zu Guttenberg sei für ihn ohnehin längst durch und der Ex-Minister nur eine Randfigur.

Auch in anderen Uni-Bibliotheken sorgt Guttenbergs Verfasssungsvergleich, den er als Doktorarbeit an der Uni Bayreuth eingereicht hatte, für Wirbel: In Göttingen und Osnabrück wurden die Exemplare der Arbeit mit Warnungen an die Studenten versehen, nicht mehr aus der Arbeit zu zitieren, berichtete die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine". Die Uni-Bibliothek Münster plant ebenfalls eine solche Warnung und lässt die Doktorarbeit zudem vor Souvenir-Jägern bewachen.

juf/dapd



insgesamt 47 Beiträge
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felisconcolor 10.03.2011
1. ...
In Ansbach zeigt der Präsident leider wie man es nicht machen sollte. Ich finde eine durchaus kritische Auseinandersetzung auch für neue Studenten sehr hilfreich. Warum allerdings die Arbeit, oder sollte ich besser sagen die Kopie, des Herrn Guttenberg noch in Bibliotheken zu finden ist, ist mir ein Rätsel. Oder ist es nicht üblich eine Doktorarbeit aus dem Bestand zu nehmen, wenn der dazugehörige Grad aberkannt wurde. Zumal aus den bekannten Gründen. Man verzeihe mir da mein Unwissen.
menne61 10.03.2011
2. Dreist!
Für so einen Arroganten Schnösel noch Steuergelder verschwenden? Ist ja so dreist gewesen und hat sogar noch von seinem Doktor-Vater abgeschrieben. Hoffe, der bleibt von der Politischen Bühne verschwunden. Nicht solche Männer braucht das Land sondern, Männer wie Helmut Schmidt braucht das Land.
bibernell 10.03.2011
3. Der Hochschulpräsident weiß
Zitat von sysopAn der Hochschule Ansbach*zeigte eine Tafel mit*Beispielen aus Guttenbergs Doktorarbeit den Studenten, wie man nicht wissenschaftlich arbeiten sollte. Der Hochschulpräsident war not amused und ließ das plakative Lehrstück aus der Bibliothek entfernen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,750158,00.html
eben zwischen kritischer Auseinandersetzung und billiger Hetze und Dauervorführung eines Menschen zu unterscheiden. Offensichtlich hat er sich seine humanistischen Anteile bewahrt, was viele andere nicht von sich behaupten können, auch nicht der akademische Nachwuchs. Da fehlt noch was in der "Gesamtbildung". Etwas, worüber man aber nicht dissertieren kann.
k4l 10.03.2011
4. nt
Zitat von bibernelleben zwischen kritischer Auseinandersetzung und billiger Hetze und Dauervorführung eines Menschen zu unterscheiden. Offensichtlich hat er sich seine humanistischen Anteile bewahrt, was viele andere nicht von sich behaupten können, auch nicht der akademische Nachwuchs. Da fehlt noch was in der "Gesamtbildung". Etwas, worüber man aber nicht dissertieren kann.
ahja, humanismus unterdrueckt also die kritische auseinandersetzung? man man die deutschen und ihre "vorbilder"; auch nach fast ueber 70 jahren...
bibernell 10.03.2011
5. Ach...
Zitat von k4lahja, humanismus unterdrueckt also die kritische auseinandersetzung? man man die deutschen und ihre "vorbilder"; auch nach fast ueber 70 jahren...
lesen Sie doch mal richtig hin !! Ich habe etwas anderes zum Ausdruck gebracht. Dieses zu erkennnen scheitert an Ihrer Sprachkompetenz. Oder wie- oder was !? Und diese "Nazikeule" lassen Sie mal im Sack, die führt zur Redardierung, besonders Ihrer.
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