Machtkampf um Katholische Universität Bischof räumt Kanzler aus dem Weg

Eklat an der Universität Eichstätt: Der bisherige Kanzler Heydte wurde mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Grund seien Zweifel an seiner Arbeitsweise, teilte Bischof Hanke mit - der Kampf um mehr kirchlichen Einfluss an der Hochschule hat einen neuen Höhepunkt erreicht.


Eichstätt - Im Mai war der Theologe Ulrich Hemel am Widerstand der Kirche als Präsident gescheitert - jetzt wird auch noch der bisherige Kanzler der Universität, Gottfried Freiherr von der Heydte, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das teilte der Sprecher von Bischof Gregor Maria Hanke am Montag mit. Der Kampf um mehr kirchlichen Einfluss an der einzigen katholischen Universität im deutschen Sprachraum hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Katholische Universität Eichstätt: Die Kirche ringt um Einfluss
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Katholische Universität Eichstätt: Die Kirche ringt um Einfluss

Hintergrund war der Streit um den früheren Topmanager Hemel, der im Januar mit zwölf Ja- und vier Neinstimmen zum Präsidenten gewählt wurde. Er scheiterte, weil der Vatikan die Unbedenklichkeitserklärung ("nihil obstat" - "nichts steht entgegen") verweigerte. Ohne konkrete Gründe zu nennen, weigerte sich daraufhin der Eichstädter Bischof Hanke - der gleichzeitig Großkanzler der Universität ist -, Hemel zum Präsidenten der Hochschule zu ernennen. Hintergrund dafür dürfte vor allem Hemels Privatleben sein: Er gilt nicht nur als Kritiker von Papst Benedikt XVI., sondern ist auch zum dritten Mal verheiratet.

Heydte war im November 2006 unbefristet zum Kanzler bestellt worden. Offizielle Gründe wurden nun auch für seine sofortige Beurlaubung nicht genannt. Nur soviel ist bekannt: Nach Angaben des Bischöflichen Ordinariats soll es in der jüngsten Vergangenheit kirchenintern erhebliche Zweifel an der Transparenz der hochschulinternen Vorgänge gegeben haben. Die eingesetzte Prüfungskommission werde die derzeit gültige Grundordnung der Universität überarbeiten und auch die Haushalts- und Wirtschaftsführung der Hochschule beleuchten.

Der Stiftungsrat erwarte, dass so eine solide Ausgangslage für die neue Präsidentenwahl Anfang 2009 geschaffen werden könne. Es gehe darum, "die personellen, finanziellen wie verfahrensmäßigen Bedingungen für die Arbeit der Hochschule transparenter und profilstärkend zu gestalten und auf eine nachhaltig verlässliche Basis zu stellen", hieß es in der Mitteilung des Bischöflichen Ordinariats.

Der Vorsitzende der katholischen Bischöfe Bayerns, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, betonte, alle Oberhirten trügen die Entscheidungen Hankes voll mit. Hanke setze "wichtige Schritte für eine von uns allen gewünschte gute Zukunft unserer Hochschule". Den Bischöfen gehe es um eine Profilierung und Weiterentwicklung der KU und eine bessere Positionierung.

Die Ankündigung Hankes, den Einfluss der katholischen Kirche auf die Hochschule auszuweiten, hatten Studenten und Lehrende in den vergangenen Tagen scharf kritisiert. Der bisherige kommissarische Vorsitzende der Hochschulleitung, Stefan Schieren, hatte vor kurzem angekündigt, dieses Amt Ende Juni niederzulegen. Auch der Senatsvorsitzende Maximilian Fuchs war von seinem Amt zurückgetreten. Die beiden externen Professoren Rudolf Fisch und Gert Melville sollen die katholische Universität vom 1. Juli an bis zur Wahl eines Präsidenten kommissarisch leiten.

Ob von der Heydte wieder in sein Amt zurückkehren kann, ist noch unklar. Eine offizielle Stellungnahme zu den jüngsten Vorgängen ist vermutlich am Mittwoch zu erwarten, wenn der Senat der Hochschule tagt.

fat/ddp/dpa



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