Management-Fiasko BWLer reiten Kneipe in die Pleite

Manchmal schlägt die Praxis jede Theorie. In Winterthur sollte eine Gruppe Betriebswirtschaft-Studenten eine eigene Bar aufbauen und führen - und versemmelte das Projekt grandios. 150.000 Euro verbrannte die Edelkneipe "Break Even", bis der Konkursrichter sie schloss.

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Schweizer Manager stehen für Erfolg - doch BWL-Studenten in Winterthur scheiterten gründlich mit ihrem Uni-Projekt, der eigenen Bar "Break Even". Ein sinnfälliger Name: "Break Even" heißt der Punkt, den jeder Selbstständige und jedes neu gegründete Unternehmen herbeisehnt - es ist die Gewinnschwelle, der Zeitpunkt, zu dem die Einnahmen die Ausgaben erstmals übersteigen, die erhoffte schwarze Null.

Edelbar als Studentenprojekt: Ende der Liquidität, Flasche leer

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In der Schweiz hat die Gruppe von Management-Studenten der Fachhochschule Winterthur diesen Punkt nicht erreicht. Sie steuerten mit der Bar schnurstracks in die Pleite - 150.000 Euro Schulden hatten sie angehäuft.

Markus Prandini, Dozent der Pleite-Studenten und Verwaltungsratspräsident der Break Even AG, gab am Dienstag in einem Brief den Konkurs des Hochschulprojekts Studentenkneipe bekannt. Der Konkursrichter habe die Bar sofort geschlossen, das "Break Even" sei überschuldet und habe kein Geld mehr, um den Betrieb aufrechtzuhalten.

"Betriebswirtschaftliche Grundregeln missachtet"

Die Idee für die Bar kam einem Dozenten der Hochschule auf einer England-Reise. Ein echter, moderner Pub mit englischem Bier sollte in Winterthur entstehen, berichtete die "Neue Zürcher Zeitung" zur Eröffnung von zwei Jahren - doch daran schrammten die Nachwuchsunternehmer klar vorbei.

Bilder auf der Web-Seite www.break-even.ch zeigen im Inneren der Bar einen seelenlosen Möbel- und Deko-Mix, der eine Stange Geld gekostet haben dürfte. Und auch die Getränkekarte ist beinahe endlos, teuer, aber ohne erkennbare Linie. Englisch ist an dem Lokal nur eins: Die Wegbeschreibung zur Bar im Internet.

Mit dem "Break Even" wollte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ihren Studenten in Winterthur die Möglichkeit geben, mit der Kneipe ihre theoretischen Kenntnisse praktisch umzusetzen. Das ging auf ganzer Linie daneben.

Auf schmerzliche Weise haben die Studenten ihre Lektion in Management und Marketing gelernt. "Es wurden zahlreiche betriebswirtschaftliche Grundregeln missachtet", sagte Dozent Prandini SPIEGEL ONLINE. Man habe am Anfang schon für das schmucke Interieur zu viel investiert - und dann "beim Einkauf und beim Personal die Kosten nicht im Blick gehabt".

Wer nichts wird, wird Wirt?

Weil das "Break Even" laut Prandini als Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht gegründet wurde, sei das Kapital der 120 Investoren nun leider weg. Größtenteils waren es Alumni und Studenten der Hochschule; auch die Hochschule hatte Aktien gekauft und ein Darlehen gegeben.

Der Dozent beziffert den Verlust auf 225.000 Schweizer Franken, das sind rund 150.000 Euro. Der Schweizer Betriebswirtschaftslehrer bedauert die Verluste im Namen der Betreiber. Wörtlich sagte Prandini: "Das ist unschön."

Nur ein Jahr nach der Eröffnung 2007 hatten die angehenden Betriebswirte bereits 150.000 Franken an Verlusten aufgehäuft. Ein Jahr später ist nun Schluss. Immerhin sei das Ganze sehr lehrreich für seine Studenten gewesen, sagte Heinz Knecht, Leiter des Management-Instituts an der Hochschule.

Auch Übungsleiter Prandini weist darauf hin, dass das Projekt nicht vergeblich gewesen sei. "Sie haben gelernt, was es heißt, ein Start-up-Unternehmen auf die Beine zu stellen und über Fachbereiche hinweg zusammenzuarbeiten. Sie mussten mit vielen unvorhergesehenen Ereignissen umgehen und konnten dadurch die Dynamik und Komplexität des Wirtschaftslebens hautnah erfahren."

Das Gastgewerbe sei eben ein schwieriges Business, ergänzte der Dozent. Die Studenten, die zuletzt die Bar betrieben, seien derzeit im dritten Semester - sie haben also noch etwas Zeit, bevor sie im echten Leben Firmen lenken und beraten werden.

mit Material von dpa



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