Zu viele Abbrecher Mecklenburg-Vorpommern will Lehramtsstudium erleichtern

Mehr als die Hälfte aller Lehramtsstudenten in Mecklenburg-Vorpommern bricht das Studium ab. Das soll sich nun ändern - indem die Studenten unter anderem weniger Prüfungen schreiben.
Uni Rostock (Archivbild)

Uni Rostock (Archivbild)

Foto: Jens Büttner / DPA

Knapp 1000 Abiturienten beginnen pro Jahr in Mecklenburg-Vorpommern ein Lehramtsstudium. Doch nicht einmal die Hälfte bringt es auch erfolgreich zu Ende.

Einer im Vorjahr veröffentlichten Studie zufolge schließt nur etwa ein Viertel der angehenden Regionalschullehrer das Studium ab. Ein weiteres Viertel wechselt die Schulart. Zugleich gehen nach Angaben der Lehrergewerkschaft GEW bis zum Jahr 2030 vier von fünf der derzeit aktiven Lehrern in den Ruhestand.

Die Regierung hat nun auf diese Entwicklungen reagiert - sie will das Lehramtsstudium erleichtern. Die Universitäten in Rostock und Greifswald planen gravierende Änderungen im Lehramtsstudium, um die extrem hohe Abbrecherquote zu senken. So sollen Studienanfänger individueller betreut werden, damit sie sich frühzeitig über ihre Eignung für den Lehrerberuf klar werden können.

1,1 Millionen Euro für zusätzliche Stellen in der Lehrerausbildung

"Wir haben in den kommenden Jahren mehr als 700 Lehrerstellen neu zu besetzen. Dafür müssen wir mehr junge Leute ausbilden und auch zum Abschluss bringen", sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) bei der Vorstellung der Neuerungen.

Die Vermittlung von Fachwissen solle vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern einen stärkeren Bezug zum Unterricht haben. Studenten hatten zuvor häufig beklagt, dass die wissenschaftlichen Ansprüche zu hoch waren.

Praktika an Schulen sollen zudem besser in das Studium integriert und dann auch ausgewertet werden. "Der Berufsfeldbezug muss von Anfang an klar werden", sagte Carolin Retzlaff-Fürst, Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung.

Birgit Hesse kündigte an, jährlich 1,1 Millionen Euro für zusätzliche Stellen in der Lehrerausbildung bereitzustellen. Mit bis zu 200.000 Euro sollen Studenten unterstützt werden, die ihre Praktika auch außerhalb der Universitätsstädte absolvieren und damit extra Fahrtkosten zu tragen haben.

"Wir prüfen einfach zu viel"

Durch eine bessere Koordinierung der zeitlichen Abläufe soll die Prüfungslast für die Studenten verringert werden. Den Angaben zufolge wird auch eine geringere Zahl von Prüfungen je Semester erwogen. "Wir prüfen einfach zu viel", konstatierte der Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Greifswald, Steffen Fleßa.

Nach den Worten des GEW-Landesvorsitzenden Maik Walm setzen Regierung und Universitäten mit den angekündigten Änderungen wichtige Impulse. "Mit Blick auf die Größe des Personalmangels an den Schulen ist dies jedoch zunächst nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Universitäten müssen jetzt ernsthaft zeigen, dass das Lehramtsstudium nicht, wie bisher, das dritte Rad am Wagen bleibt."

Das von Hesse mit den Prorektoren beider Universitäten vorgestellte Maßnahmenpaket gilt als eine erste Reaktion auf vielfach ausbleibende Studienerfolge von Lehramtsstudenten im Land.

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, beklagte, dass die Landesregierung spät auf die erkannten Defizite reagiere. "Knapp ein Jahr brauchte die Bildungsministerin, um erste Maßnahmen zur Verbesserung der Lehrerbildung zu verkünden. Das sind wieder zwei Semester, in denen Hunderte künftige Lehrkräfte die Flinte ins Korn werfen mussten, weil nicht genügend Seminarplätze vorhanden sind und die Plätze in den praktischen Übungen nicht ausreichen."

Oldenburg sprach sich dafür aus, den Numerus clausus für das Lehramtsstudium sofort abzuschaffen. "Einerseits brauchen wir Tausende Lehrkräfte, anderseits lassen wir sie nicht studieren, weil zu wenig Studienplätze zur Verfügung stehen."

kha/dpa
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