Zulassung fürs Medizinstudium Was sich für Bewerber ändern soll

Das Zulassungsverfahren fürs Medizinstudium wird geändert. Was bedeutet das für Menschen, die Ärzte werden wollen?

Wer sich fürs Medizinstudium bewerben will, für den soll sich künftig vieles ändern. Das sieht der Entwurf eines Staatsvertrages vor, auf den sich die Wissenschaftsminister der Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK) geeinigt haben.

Der Hintergrund: Es herrscht bei den medizinischen Studiengängen - Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin - ein Verteilungskampf. Jährlich werden nur gut 11.000 der etwa 50.000 Bewerber an öffentlichen Hochschulen zugelassen. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende 2017 entschieden, dass das Zulassungsverfahren teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss.

Welche konkreten Reformen sehen die Minister vor? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie verläuft die Vergabe von Medizinstudienplätzen bisher?

Das Zulassungsverfahren ist dreigeteilt:

  • 20 Prozent der Studienplätze in den medizinischen Fächern werden nach der Abiturnote der Bewerber vergeben. Der Andrang ist allerdings so groß, dass fast nur Einser-Abiturienten Chancen haben, über den Numerus clausus einen Platz zu bekommen.
  • 20 Prozent der Plätze werden nach der Wartezeit der Bewerber vergeben. Der Andrang führt dazu, dass für viele Wartezeiten von bis zu 15 Semestern gelten.
  • 60 Prozent der Studienanfänger suchen die Hochschulen in eigenen Auswahlverfahren aus. Grundlage: eine Änderung des Hochschulrahmengesetzes aus dem Jahr 2003. Damit war die Hoffnung verbunden, dass die Unis bei ihrer Auswahl stärker Motivation, persönliche Eignung sowie soziale und berufliche Vorbildung berücksichtigen würden. In der Praxis blieb es dagegen meist beim Abi-Schnitt.

Was genau soll sich ändern?

Bis zum Sommersemester 2020 sollen die Neuregelungen gelten, auf die sich die Kultusministerkonferenz verständigt hat:

  • Die Wartezeitquote, wie es sie bisher gab, soll abgeschafft werden. Für Bewerber, die noch auf Wartelisten stehen, sind Übergangsregeln geplant.
  • Künftig sollen die Unis gesetzlich dazu verpflichtet werden, neben der Abiturnote zwei weitere Kriterien zu berücksichtigen. Welche das sind, sollen die Unis selbst bestimmen. Sie können zum Beispiel Tests oder Auswahlgespräche durchführen. 60 Prozent der Plätze sollen so vergeben werden.
  • Gleichzeitig soll die Abiturbestenquote ausgeweitet werden. Statt 20 sollen 30 Prozent der Plätze nach Numerus clausus vergeben werden. Die KMK begründet das damit, dass die Abiturdurchschnittsnote "Aufschluss gibt über allgemeine kognitive Fähigkeiten und persönlichkeitsbezogene Kompetenzen, wie Motivation, Fleiß und Arbeitshaltung".
  • Neu eingeführt werden soll die Eignungsquote im Umfang von zehn Prozent. Für die Auswahl sollen nur schulnotenunabhängige Kriterien in Betracht kommen.

Wie wird gewährleistet, dass sich die Unis an die Neuregelung halten?

Die Frage stellt sich insbesondere bei dem Vergabeverfahren, bei dem sowohl Abiturnote als auch zwei weitere Kriterien in die Auswahl einbezogen werden sollen. Geplant ist, dass die Unis dafür neue Auswahlsatzungen formulieren. In manchen Bundesländern müssen solche Satzungen durch Ministerien genehmigt werden, in anderen nicht.

"Wenn ein Bewerber der Ansicht ist, eine bestimmte Satzung sei nicht gerecht, kann er dagegen klagen", sagt Wilhelm Achelpöhler, Rechtsanwalt für Hochschulrecht und -zulassungen. So bequem wie bisher könnten es sich die Unis mit der neuen Regelung jedoch nicht mehr machen. Immerhin werden sie vom Gesetzgeber verpflichtet, weitere Kriterien einzubeziehen.

Was verbessert sich für Bewerber durch die Neuregelung?

"Das Verfahren wird ein wenig gerechter und transparenter", sagt Hochschul-Experte Achelpöhler. "Am Grundproblem, dass in Deutschland ein eklatanter Mangel an Medizinstudienplätzen herrscht, ändert sich jedoch nichts." Vier von fünf Bewerbern würden auch mit der Neuregelung nicht den Platz bekommen, den sie gern hätten.

Gerade auf dem Land sei der Mangel an Ärzten so groß, dass man sich schon sehr bald wieder mit der Frage beschäftigten müsse, wie Bewerbern der Zugang zum Medizinstudium erleichtert werden könne, so Achelpöhler. Der Staat decke den Bedarf bisher mit Ärzten aus dem Ausland - für deren Ausbildung er nichts bezahlen müsse. Dass dies ein weiterhin ungelöstes Problem sei, mache das System zu einer "Mangelverwaltung".

Was sind die Knackpunkte an dem Entwurf?

Die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen, gilt als politisch umstrittener Kompromiss. Einige Bundesländer, etwa Bayern, wollten einen erheblichen Teil der Anwärter weiterhin nur nach dem Numerus clausus auswählen. Die Quote stelle allerdings nicht sicher, dass Einser-Abiturienten auch wirklich einen Platz bekommen. "In der Vergangenheit gab es unzählige Fälle von Bewerbern mit 1,0-Schnitt, die damit keinen Platz bekamen, weil einfach kein Platz da war", sagt Achelpöhler.

Kritik kommt aus Thüringen: "Einerseits haben wir jetzt eine weitgehend tragfähige Regelung gefunden", sagt Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee. "Andererseits hätten wir uns gewünscht, dass bei der Vergabe gerade berufliche Vorerfahrungen stärker berücksichtigt worden wären. Eine Abiturnote allein sagt wenig über die künftige Eignung für den Arztberuf aus." Thüringen habe sich bei der Abstimmung in der KMK daher der Stimme enthalten.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Vertragswerk muss Anfang kommenden Jahres von der Ministerpräsidentenkonferenz endgültig verabschiedet und anschließend noch von allen Länderparlamenten ratifiziert werden.

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