Aufnahmetest fürs Medizinstudium Wiener Uni bevorzugt Frauen

Da wird mit zweierlei Maß gemessen: Weil beim Aufnahmetest für angehende Ärzte zu wenige Frauen durchkamen, änderte die Medizinische Universität Wien das Verfahren - Bewerberinnen brauchen künftig weniger Punkte. Viele Studenten, auch weibliche, wehren sich gegen die "Quotenfrauen"-Regel.
Eignungstests fürs Medizinstudium in Wien: 4370 Bewerber auf 740 Plätze

Eignungstests fürs Medizinstudium in Wien: 4370 Bewerber auf 740 Plätze

Foto: A2918 epa apa Georg Hochmuth/ dpa

Jahrelang hatten sich mehr Frauen als Männer um einen Studienplatz an der Medizinischen Universität Wien beworben. Doch stets hatten die Männer beim Aufnahmetest besser abgeschnitten. Das ist unfair, fand die Hochschule, und reformierte ihr Testverfahren. Zum ersten Mal wurden Bewerberinnen dieses Jahr besser bewertet als ihre männlichen Konkurrenten.

Der Plan ging auf: Mehr Frauen als Männer ergatterten einen der begehrten 740 Studienplätze . Doch die Hochschule machte sich damit nicht beliebt: Studentenvertreter wehren sich seit Monaten gegen die Neuerung. Nun wollten einige abgewiesene Bewerber die Universität verklagen, berichtete die österreichische Tageszeitung "Kurier" am Samstag auf ihrer Internetseite .

"Ich fühle mich von der Universität betrogen", zitierte das Blatt einen Bewerber. Er gehörte zu den 4370 Kandidaten, die am 6. Juli in der Messe Wien zur Aufnahmeprüfung angetreten waren. "Hätte ich den Test als Frau gemacht, hätte ich jetzt einen Studienplatz."

Auch Studentinnen kritisieren das Vorgehen der Uni. Die stellvertretende Vorsitzende der Studentenvertretung ÖH Medizin Wien, Birgit Ludwig, sagte: "Frauenförderung ist für die ÖH ein sehr wichtiges Thema, muss sich jedoch in rechtlich abgesichertem Rahmen bewegen und darf keine Diskriminierung von Männern darstellen." Medizinstudentinnen könnten künftig als "Quotenfrauen" abgestempelt werden, auch wenn sie von der geschlechtsspezifischen Auswertung nicht profitiert hätten, warnte Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Wien, bereits im März.

Die Uni habe sich das rechtlich absichern lassen, sagte der Sprecher

Die Universität fragt in ihrem fünfstündigen Eignungstest unter anderem das medizinisch-naturwissenschaftliche Grundverständnis, das räumliche Vorstellungsvermögen und den Umgang mit Zahlen ab. Diesmal berechnete sie den Mittelwert der Testergebnisse getrennt nach Geschlechtern. Das hatte zur Folge, dass Frauen mit weniger Punkten weiterkommen konnten als Männer. "Die genderspezifische Auswertung war unsere Lösung, um dem bestehenden Gender-Gap entgegenzuwirken", sagt Universitätssprecher Klaus Dietl im "Kurier". Das habe sich die Meduni Wien auch rechtlich absichern lassen.

Ein von der Studentenvertretung beauftragter Jurist kam im April hingegen zu einem anderen Schluss: Die "umgekehrte und indirekte Diskriminierung" sei rechtswidrig, zitierte "Die Presse" aus dem Gutachten. Der Verfassungsjurist Heinz Mayer sieht gute Chancen für eine studentische Sammelklage. "Im Studium und später als Ärzte müssen beide die gleiche Leistung bringen, daher muss auch die Leistung des Eignungstests gleich bewertet werden.", sagte er im "Kurier".

Die Hochschule ist anderer Meinung: "Es ist in der angewandten Psychometrie durchaus üblich, unterschiedliche Mittelwerte für unterschiedliche Gruppen, also auch geschlechterspezifische, anzuwenden", teilte sie mit. Die drei österreichischen Medizin-Unis in Wien, Innsbruck und Graz arbeiten derzeit gemeinsam an einem neuen Testverfahren, das nächstes Jahr erstmals an allen drei Hochschulen angewandt werden soll.

son
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