Megaspende Seefracht-Millionär lässt Institut in Geld schwimmen

Ein Speditionsunternehmer geht stiften: 30 Millionen Euro spendet Klaus-Michael Kühne einem Institut für Logistik an der TU Hamburg-Harburg - eine der größten Einzelspenden der deutschen Hochschulgeschichte. Das Geld ist bereits verplant.

Von Katrin Schmiedekampf


Klaus-Michael Kühne feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Statt große Geschenke einzustreichen, machte er lieber selbst eins: Bei einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus kündigte der Speditionsunternehmer heute an, ein Institut für Logistik und Management mit 30 Millionen Euro zu unterstützen.

Beschenkt die TU Hamburg-Harburg: Klaus-Michael Kühne

Beschenkt die TU Hamburg-Harburg: Klaus-Michael Kühne

Das Geld soll auf sieben Jahre verteilt an die "Kühne School of Logistics and Management" fließen. Auch danach soll die Unterstützung weitergehen. So möchte Kühne etwas gegen den "Engpass an Führungskräften in der Logistic-Branche" tun. Der Mann mit den streng zurückgekämmten Haaren ist Präsident des Verwaltungsrates und Hauptaktionär der Kühne + Nagel-Gruppe - eines der weltweit größten Transport- und Logistikunternehmen, für das 47.000 Mitarbeiter an 830 Standorten arbeiten.

Kühne lebt in der Schweiz, ist aber gebürtiger Hamburger und Enkel des Firmengründers. Das Familienunternehmen entstand 1890 und spezialisierte sich auf Seetransporte, später kamen Angebote für Land- und Luftfracht hinzu. Seefracht ist auch heute noch die größte Sparte der Firma, die 2006 einen Nettogewinn von 279 Millionen Euro erwirtschaftete.

Für eine deutsche Bildungseinrichtung sind 30 Millionen Euro ein gewaltiger Batzen. In den USA haben solche Großspenden von Millionären und Milliardären eine lange Tradition, Deutschlands Hochschulen indes werden mit Zuwendungen aus der Wirtschaft nicht gerade verwöhnt. Beispiele von zwei- bis dreistelligen Millionenspenden sind selten: So half die Jacobs-Stiftung der Kaffeeröster-Dynastie kürzlich der angeschlagenen privaten International University Bremen mit satten 200 Millionen Euro aus der Klemme. Der SAP-Mitgründer Hasso Plattner entschied sich in ähnlichem Umfang für die Finanzierung eines Potsdamer Informatik-Instituts.

"Ein wunderschöner Tag"

Das Potsdamer Institut ist nach Plattner benannt, die Bremer Privathochschule heißt jetzt Jacobs University. Und auch die bisherige "Hamburg School of Logistics" ändert ihren Namen zugunsten von Kühne, dessen Stiftung zum Institut deutlich mehr Geld beisteuert als die Technische Universität Hamburg-Harburg. Beide Kooperationspartner hatten das Bildungszentrum 2003 gemeinsam mit der Stadt Hamburg gegründet - "Public-Private-Partnership" heißt das in Neudeutsch.

Überrascht war Edwin Kreuzer, Präsident der TU Hamburg-Harburg, über die Großspende nicht. "Es war ein Prozess von einem Jahr, in dem das klar wurde", sagte er. Kühne habe versprochen, die Überschüsse aus den Ausschüttungen seines Unternehmens für die neue Logistik-Ausbildung in Hamburg einzusetzen. "Wir haben Glück, dass es mit dem Unternehmen so gut lief", sagte Kreuzer und freute sich über den "wunderschönen Tag".

Futuristischer Campus: Die TU Hamburg-Harburg
TU Harburg

Futuristischer Campus: Die TU Hamburg-Harburg

Mit dem Geld soll das Institut deutlich erweitert und die Zahl der Professoren von sechs auf zwölf aufgestockt werden. Außerdem werden dort bald zwei neue Studiengänge angeboten: "Logistik, Infrastruktur und Mobilität" sowie "Internationales Wirtschaftsingenieurwesen". Das MBA-Programm "Logistics Management" bleibt bestehen. Insgesamt 300 Studenten können die englischsprachigen Fächer studieren. Bewerben kann sich, wer einen guten bis sehr guten Bachelor-Abschluss in der Tasche hat.

Zudem werden die Angebote für Berufstätige aus der Logistik-Branche ausgebaut; 600 Teilnehmer pro Jahr sollen sich in Kompaktkursen, Summer-Schools und Einzelveranstaltungen weiterbilden können. Hinzu kommt das Forschungszentrum "Center of Advanced Studies and Logistic", in dem bald zwölf Doktoranden forschen sollen. "Verkehrslogistik, IT-Systeme in der Logistik und Maritime Logistik - mit allen möglichen Themen kann man sich hier befassen", sagt Kreuzer.

Die Kühne-Stiftung hat sich der Aus- und Weiterbildung junger Leute verschrieben. Sie unterstützt unter anderem die Universität St. Gallen und ETH Zürich, die WHU Koblenz und die TU Berlin. Doch das meiste Geld fließt nach Hamburg. Kühne: "Das ist meine Heimatstadt. Obwohl ich in der Schweiz lebe, soll Hamburg von mir gefördert werden."

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