Mensa-Verein Club der Superhirne

Einen Intelligenzquotienten über 130 haben sie alle - aber im Hochbegabten-Verein Mensa ist das selbstverständlich. Den eigenen IQ zu verraten, ist dort verpönt. Viele superschlaue Mitglieder eint, dass sie gegen "Streber"-Rufe kämpfen mussten.


Nina Stössinger, 28, neigt zu Gedankensprüngen, denen ihr Umfeld meist nicht folgen kann. Als die Studentin und Designerin kürzlich nach langer Zeit einen Jugendfreund wieder traf, beschwerte der sich später bei anderen, dass jedes zweite Wort bei ihr ein Fremdwort gewesen sei. Im Verein Mensa in Leipzig hofft Nina nun auf Menschen zu treffen, die "ähnlich ticken" wie sie.

Die junge Hallenserin ist neu in der Mensa-Runde. Sie gehört ebenso wie der Leipziger Mensa-Gebietsleiter Stefan Scheiba zu den zwei Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland, die als hochbegabt gelten. Einige davon treffen sich regelmäßig im Verein Mensa, der weltweit etwa 100.000 und hierzulande mehr als 5000 "Superhirne" vereint.

"Wir sind noch viel zu wenige"

In Deutschland müssen die Mensa-Mitglieder einen Intelligenzquotienten (IQ) von über 130 haben und das in einem Intelligenztest nachweisen. Gefragt ist vor allem die Fähigkeit zum logischen Denken. Den kostenpflichtigen Test nimmt ein Diplompsychologe ab. Wer über 130 liegt, kann in den Verein eintreten. Die Regeln besagen allerdings, dass keiner über seinen IQ und auch nicht über den Inhalt des Tests spricht.

Aber das ist für die Mensaner auch nicht von Belang. Sie treffen sich einmal im Monat und führen Gespräche, die sich manchmal für den Außenstehenden etwas hochtrabend anhören. Meist jedoch machen auch bei den Hochbegabten beispielsweise Themen aus der Politik oder ganz gewöhnliche Alltagsthemen die Runde. "Man muss vielleicht manches nicht so lange erklären, bis der andere etwas versteht", beschreibt Scheiba den Unterschied.

Der Verein Mensa ist in Deutschland wenig bekannt. "Wir sind noch viel zu wenige", moniert Scheiba, der bei den Gesprächen des Leipziger Mensa-Vereins auch auf Mitglieder aus Chemnitz und Magdeburg trifft, wo es noch keinen eigenen Hochbegabten-Verein gibt. Auffällig viele Physiker und Mathematiker, aber auch Wirte, Astrologen und viele andere Berufsgruppen sind unter den etwa 70 Mitgliedern des Leipziger Mensa-Vereins, der auf Mitgliederzuwachs hofft.

"Mathematik und Physik sind mir in der Schule zugeflogen", berichtet der 37-Jährige, der als Programmierer arbeitet. Nina Stössinger, die Neue in der Runde, hat gerade ihre Diplomarbeit in einem Studienfach geschrieben, das für Hochbegabte weniger typisch ist: Design. Allerdings geht ihre Spezialisierung in Richtung Multimedia-Design, wo ihre Talente als Programmiererin und damit wiederum logisches Denken gefragt sind.

Manchmal schweigt man besser

Nahezu alle Mensaner berichten von bestimmten Vorurteilen, gegen die sie teilweise schon seit ihrer Kindheit kämpfen. "Man kann als Streber oder Außenseiter ausgegrenzt werden", erzählt Scheiba. Manche hätten auch schlechte Noten in der Schule bekommen, weil sie sich im Unterricht unterfordert fühlten und deshalb einfach abgeschaltet haben.

Mensa - Verein für hochbegabte Menschen
Verein
Der Verein Mensa will hochintelligente Menschen unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Glauben an einen Tisch, lateinisch "mensa", bringen - in dem Namen steckt auch "mens", lateinisch Verstand. Die Mitglieder organisieren lokale, überregionale und internationale Treffen, Interessen- und Diskussionsgruppen.
Geschichte
Gegründet wurde der Verein 1946 in Großbritannien. Der deutsche Ableger entstand 1979. Bei der Eintragung ins Vereinsregister zählte der Verein in Deutschland 45 Mitglieder, heute sind es 5700. Mit 110.000 Mitgliedern in insgesamt 85 Ländern ist Mensa der weltweit größte Verein für hochbegabte Menschen.
Mitgliedschaft
Aufnahmekriterium ist ein Intelligenzquotient von mindestens 130. Damit gehören Mensaner zu den schlauesten zwei Prozent in ihrer Altersgruppe. Um Mitglieder zu akquirieren, bietet der Verein selbst einen Test an. Kosten: 49 Euro.

Auch Nina Stössinger hat es früher in der Schule "zur Weißglut getrieben", wenn sie als Streberin abgetan wurde. Die Probleme superschlauer Menschen können sich auch im Erwachsenenalter fortsetzen. Welcher Chef mag es schon, wenn sein Angestellter schlauer ist als er selbst?

Der Leipziger Mensa-Gebietsleiter lässt daher im Alltag seine Intelligenz nicht bei jeder Gelegenheit durchblicken. "Das haben wir bei Mensa alle gelernt", sagt der Familienvater. Ob er seine erstaunliche Denkfähigkeit an seine Kinder vererbt hat, wird sich zeigen. Auch kleine "Superhirne" können übrigens schon Mitglied werden.

Von Susann Huster, ddp

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