Mensaküchen-Report Fragwürdiges Verhalten am Futtertrog

Juhu, wir haben eine Sieger-Mensa: Immer wieder loben die Studentenwerke ihr Essen, das sie günstig und gesund in die Studentenmägen bringen. Doch eine Recherche bei Lebensmittelämtern zeigt: Selbst in Top-Mensen fanden Kontrolleure Mängel. Ein Report über Schimmel, Insekten, Schlendrian.

dpa

Von Marvin Oppong


Hundertausende Essen wandern jeden Tag über die Tresen von deutschen Hochschulmensen. Doch davon, unter welchen Bedingungen die Speisen zubereitet werden, können sich Mensabesucher in der Regel kein eigenes Bild machen.

Zwar unterliegen die Studentenwerke den Kontrollen der Lebensmittelämter, doch deren Kontrolleure lassen sich sehr unterschiedlich häufig blicken. Während eine Mensa des Studentenwerks Leipzig in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 15 Mal kontrolliert wurde, schauten die Prüfer in den Heidelberger Uni-Mensen nur alle ein bis zwei Jahre vorbei. Mitunter werden die Kontrollen der Hochschulmensen sogar angekündigt.

Recherchen von SPIEGEL ONLINE bei Lebensmittelämtern für mehrere deutsche Uni-Mensen haben ergeben, dass es viele Betriebe mit den hygienischen Bestimmungen nicht immer ganz genau nehmen.

So stießen die Lebensmittelkontrolleure etwa in Hamburg Nord auf "allgemeine Mängel der Betriebshygiene" und sprachen bei sechs von zwölf Prüfungen in den Jahren 2009 und 2010 eine Beanstandung aus. Im Dezember 2010 etwa wurde ein Paprikasalat in der Kantine Studentenwerk Hamburg/City Nord verkauft, bei dem die Prüfer einen hohen Keimgehalt feststellten. Fragt man nach solchen Mängeln, geben sich die zuständigen Behörden zugeknöpft. Katja Glahn, Sprecherin des Bezirksamtes Hamburg-Nord, teilte auf die Frage nach Konsequenzen mit, der Fall sei "zwecks Ahndung an das zuständige Überwachungsamt weitergeleitet" worden.

Hamburg: Mensa ignoriert fünf Jahre alte Vorschrift

Ein Prüfbericht des Bezirksamt Hamburg-Nord vermerkt für die Mensa Armgartstraße, in der vor allem die Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaft verkehren, Punkte wie "Schimmel Handwaschbecken" im Sommer 2009, im Herbst 2010 "Handwaschbecken Wasser warm fehlt" und im Winter 2010 für die Kantine Mensa City Nord "Handwaschbecken Desinfektion Spender fehlt".

Über die Mensa der Hamburger Hochschule für bildende Künste wurde festgehalten, dass "Ausrüstung verunreinigt" war, "Flüssigseife und Einmalhandtücher fehlen" und "Keine Regelung der betrieblichen Zuständigkeiten/Verantwortlichkeiten" vorhanden war. Darüber hinaus fehlten Dokumente zum HACCP-Konzept, eines strengen Gefahrenanalyse-Systems, das die Sicherheit von Lebensmitteln gewährleisten soll und seit fünf Jahren zwingend vorgeschrieben ist. Und noch ein weiterer Mangel in Hamburg: In der Kantine der Hochschule für bildende Künste sowie in der Kantine Studentenwerk Hamburg/City Nord fehlten Insektengitter an den Fenstern.

In der Münchener Mensa Arcisstraße hatte eine Studentin im Januar Maden im Brokkoli. Der Brokkoli einer Tiefkühl-Firma aus dem Münchner Umland wurde an dem Tag in insgesamt sieben Münchner Mensen ausgegeben. Über die genaue Menge wollten das Studentenwerk München und die betroffene Firma keine Angaben machen.

Ein Ergebnisprotokoll des Fachbereichs Lebensmittel/Fleischhygiene des Landratsamts München, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, zeigt: Im Jahr 2008 wurden bei einer Routinekontrolle in einer Mensa auf dem Forschungsgelände Garching, wo die Physiker und Chemiker der TU München ihre Institute haben, insgesamt 17 Mängel festgestellt. Dem Bericht zufolge war in einer Großküche unter anderem ein Cutter zum Öffnen von Verpackungen "mit alten Fleischresten verunreinigt". Im Kühlraum fanden die Prüfer Schwarzschimmel, ein Pilz, der ein Gift produziert, das Leber- und Nierenschäden hervorrufen kann.

Und auch bei den Spülmaschinen hatten die Garchinger Probleme: "Die Düsen der Spülmaschine im 1. Spülraum waren zum Teil verstopft." Möglich also, dass der eine oder andere Teller nicht so sauber ausgegeben wurde, wie er in einem Massenbetrieb für Studenten sein sollte. Hinzu kam noch, dass die Gummilamellen einer weiteren Spülmaschine mit giftigem Schwarzschimmel behaftet waren. "Richtig eklig", findet das Silke Schwartau, Ökotrophologin und Leiterin der Fachabteilung Ernährung der Verbraucherzentrale Hamburg. Siebzehn Verstöße seien eine ganze Menge.



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
janne2109 23.08.2011
1. isset
in Werksküchen oder anderen Großküchen anders?
acatinthebrain 23.08.2011
2. Mensa
Ich finde den letzten Satz des Artikels eine Frechheit. Also nicht den Satz an sich, sondern den Inhalt. In der freien Wirtschaft wird eine Dönerbude ohne große Umstände dicht gemacht, wenn sich auch nur ein Haar im Tzaziki findet. Und die Studentenwerke und Unicum decken auch noch diverse Mist-Mensen, indem sie nicht die kompletten Rankings veröffentlichen, von der besten bis zur verdrecktesten Mensa. Es tut mir leid, aber ICH möchte wissen, wenn es in der Mensa meiner Uni solche Zustände gibt (Schimmel, Kakerlaken, etc..). Nur weil da wieder die Unis und die Länder an sich ihre Finger im Spiel haben (nach dem altbekannten Motto, dass die eine Krähe der anderen kein Auge aushakt, blablabla..), kneifen die "unabhängigen" Medien mal wieder. Wird die unicum mittlerweile auch von diversen Fakultäten bezuschusst..? Man sollte die Studentenwerke verpflichten, die komplette Ranking-Liste zu veröffentlichen. Denn: Auch wenn einige Kommilitonen mit dem Goldenen Löffel im Hintern aufgewachsen sind und schon mittags zwischen den ach so anstrengenden Vorlesungen mit ihresgleichen zum Edel-Italiener um die Ecke gehen, ist doch ein Großteil der Studenten auf das günstige Essen in der Mensa schlicht und einfach angewiesen. Und auch die möchten keinen Schimmel und keine Kakerlaken im Essen. Da sollte man sich auch mal bei den Studentenwerken Gedanken machen, denn wenn eine Mensa ihren Platz ganz weit unten in der Liste ausmacht, WIRD sich zwangsläufig was ändern. Andersherum können die aber einfach so weiter machen. Ganz großes Kino, liebe unicum und Studentenwerke!! Weiter so!
lensenpensen 23.08.2011
3. Verständlich...
Zitat von acatinthebrainIch finde den letzten Satz des Artikels eine Frechheit. Also nicht den Satz an sich, sondern den Inhalt. In der freien Wirtschaft wird eine Dönerbude ohne große Umstände dicht gemacht, wenn sich auch nur ein Haar im Tzaziki findet. Und die Studentenwerke und Unicum decken auch noch diverse Mist-Mensen, indem sie nicht die kompletten Rankings veröffentlichen, von der besten bis zur verdrecktesten Mensa. Es tut mir leid, aber ICH möchte wissen, wenn es in der Mensa meiner Uni solche Zustände gibt (Schimmel, Kakerlaken, etc..). Nur weil da wieder die Unis und die Länder an sich ihre Finger im Spiel haben (nach dem altbekannten Motto, dass die eine Krähe der anderen kein Auge aushakt, blablabla..), kneifen die "unabhängigen" Medien mal wieder. Wird die unicum mittlerweile auch von diversen Fakultäten bezuschusst..? Man sollte die Studentenwerke verpflichten, die komplette Ranking-Liste zu veröffentlichen. Denn: Auch wenn einige Kommilitonen mit dem Goldenen Löffel im Hintern aufgewachsen sind und schon mittags zwischen den ach so anstrengenden Vorlesungen mit ihresgleichen zum Edel-Italiener um die Ecke gehen, ist doch ein Großteil der Studenten auf das günstige Essen in der Mensa schlicht und einfach angewiesen. Und auch die möchten keinen Schimmel und keine Kakerlaken im Essen. Da sollte man sich auch mal bei den Studentenwerken Gedanken machen, denn wenn eine Mensa ihren Platz ganz weit unten in der Liste ausmacht, WIRD sich zwangsläufig was ändern. Andersherum können die aber einfach so weiter machen. Ganz großes Kino, liebe unicum und Studentenwerke!! Weiter so!
aber Ihnen ist schon klar, dass diese Befragungen an normale Studenten richten und diese normalerweise keinen Zutritt zur Mensa-Küche haben. Also können diese nur offensichtliche Mängel beanstanden, noch dem Motto "es schmeckt nicht", "das Gemüse ist zerkocht" etc. pp. WICHTIG und RICHTIG wäre es, die Kontrolldichte durch die zuständigen Kontrollbehörden. Denn nur die können beurteilen, ob etwas wirkliche gesundheitsschädlich ist. Am Besten einmal im Monat unangemeldet vor der Tür stehen und nach dem Rechten schauen. Denn wenn in solchen Großküchen Fehler passieren, kann dies zu schweren Epedemien führen. Muss ja nicht EHEC sein, aber Salmonellenbefall bei hunderten Leuten an einem Ort ist auch nicht zu unterschätzen. Nebenbei, Ihr Beispiel bzgl. der Dönerbude möchte ich bezweifeln. So scharf wird bei der Betriebskontrolle nun auch nicht geschossen.
gsm900, 23.08.2011
4. Ein Koch meint einmal
Zitat von janne2109in Werksküchen oder anderen Großküchen anders?
wenn die Gäste wüssten wie es in den Küchen aussiht ginge niemand mehr auswärts essen.
TRicKeY 23.08.2011
5. Aberkannt
Zitat von acatinthebrainIch finde den letzten Satz des Artikels eine Frechheit. Also nicht den Satz an sich, sondern den Inhalt. In der freien Wirtschaft wird eine Dönerbude ohne große Umstände dicht gemacht, wenn sich auch nur ein Haar im Tzaziki findet. Und die Studentenwerke und Unicum decken auch noch diverse Mist-Mensen, indem sie nicht die kompletten Rankings veröffentlichen, von der besten bis zur verdrecktesten Mensa. Es tut mir leid, aber ICH möchte wissen, wenn es in der Mensa meiner Uni solche Zustände gibt (Schimmel, Kakerlaken, etc..). Nur weil da wieder die Unis und die Länder an sich ihre Finger im Spiel haben (nach dem altbekannten Motto, dass die eine Krähe der anderen kein Auge aushakt, blablabla..), kneifen die "unabhängigen" Medien mal wieder. Wird die unicum mittlerweile auch von diversen Fakultäten bezuschusst..? Man sollte die Studentenwerke verpflichten, die komplette Ranking-Liste zu veröffentlichen. Denn: Auch wenn einige Kommilitonen mit dem Goldenen Löffel im Hintern aufgewachsen sind und schon mittags zwischen den ach so anstrengenden Vorlesungen mit ihresgleichen zum Edel-Italiener um die Ecke gehen, ist doch ein Großteil der Studenten auf das günstige Essen in der Mensa schlicht und einfach angewiesen. Und auch die möchten keinen Schimmel und keine Kakerlaken im Essen. Da sollte man sich auch mal bei den Studentenwerken Gedanken machen, denn wenn eine Mensa ihren Platz ganz weit unten in der Liste ausmacht, WIRD sich zwangsläufig was ändern. Andersherum können die aber einfach so weiter machen. Ganz großes Kino, liebe unicum und Studentenwerke!! Weiter so!
Sie träumen wohl! Ich stimme ihrer Darstellung des Soll-Zustandes zu, aber mehr als ein "schön wärs" wird es da nie geben. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die Verwender von Analog-Käse und Dioxin-Eiern öffentlich gemacht werden würde. Da könnte der Verbraucher ja nach Qualität entscheiden. So geht es aber nicht in der Ideologie des Konsumismus. Die Werbung ist und bleibt der einzige Entscheidungsfinder, den es für den Verbraucher geben kann. Gleiches gilt für die Mensen, auch wenn man sich da nicht mal entscheiden kann. Weitere Ausführungen, die zweifelsohne nur von Zynismus und Verbitterung meiner Wenigkeit zeugen würden, spare ich mir an dieser Stelle ;-) Meine Erfahrungen mit der Mensa: dickes, gekräuseltes, schwarzes Haar im Essen (klar?). Diverse andere Haare im Essen. Zig Magenverstimmungen von Übelkeit bis Durchfall, aber zum Glück noch keine Lebensmittelvergiftung. Der Student geht zur Mensa bis er bricht. Ich habe zwar schon... bin aber noch nicht gebrochen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.